
Cannes. Vor sieben Jahren war Kristen Stewart noch eine unbekannte Schauspielerin. Ihr weltweiter Erfolg mit der Vampir-Saga "Twilight" kam erst später - und doch bat Regisseur Walter Salles die Jugendliche damals, in seinem neuen Film über Jack Kerouac mitzuspielen. Das Projekt zog sich zwar noch hin und Stewart wurde in der Zwischenzeit ein Star, doch bei den Filmfestspielen Cannes stellte die mittlerweile 22-Jährige das Werk nun vor. Mit ihr in Südfrankreich: Kirsten Dunst, Viggo Mortensen und Sam Riley, der Ehemann der deutschen Schauspielerin Alexandra Maria Lara.
Jack-Kerouac-Verflimung
Salles, der mit Filmen wie "Die Reise des jungen Che" bekannt wurde, legt mit "On the Road" ein Roadmovie vor, schließlich sind seine Protagonisten fast die ganze Zeit unterwegs durch die USA. Sie reisen per Anhalter, Bus, eigenem Auto, und es geht nach Denver, New York und San Francisco. Der Brite Sam Riley spielt die Jack-Kerouac-Figur Sal Paradise. Der Schriftsteller ist eng befreundet mit Dean (gespielt von Garrett Hedlund), der wiederum zwischen den beiden Frauen Marylou (Stewart) und Camille (Dunst) hin-und herschwirrt.

"Je weiter man sich von seinen Wurzeln, seinem Ausgangspunkt entfernt, desto mehr lernt man möglicherweise, wer man ist, wo man her kommt, und irgendwann dann auch, wer man sein will", erklärte Salles über das konstante Unterwegssein seiner Figuren. Viggo Mortensen, der William S. Burroughs verkörpert, sah Parallelen zwischen dem Buch und der Gegenwart. Damals wie heute gehe der Protest gegen das Bestehende von der jungen Generation aus, sagte er.
Während Jack Kerouac mit seinem Buch "On the Road" über seine Reise-Erfahrungen durch die USA jedoch die Literaturwelt revolutionierte, schafft es Salles nicht, wirklich zu fesseln. Wo Kerouacs Roman fast ohne Punkt und Komma eine Atemlosigkeit erzeugte, plätschert Salles' "On the Road" mehr als zwei Stunden lang nur so dahin und zeigt die Männer immer wieder beim Rauchen, beim Sex, beim Rumhängen. Doch was treibt sie an? Wie entwickeln sie sich über die Jahre? Wirklich deutlich wird das alles nicht.
Jubelhymnen
Mehr Eindruck hinterließ der Franzose Leos Carax mit seinem Wettbewerbsbeitrag "Holy Motors". Bettlerin, Geschäftsmann, dreckiger Wicht aus der Kanalisation, außerirdisches Wesen, Familienvater: Ein Mann, der in 24 Stunden mehrmals seine Identität wechselt. Das ist vielleicht das einzige Konkrete, was sich über "Holy Motors" sagen lässt. Wer dieser Mann ist und was der Film aussagen will, bleibt nach fast zwei Stunden ein Rätsel.
Denis Lavant spielt diesen Monsieur Oscar und entpuppt sich dabei als erstaunlicher Verwandlungskünstler. Die weiteren Rollen sind mit weiblichen Stars wie Eva Mendes und Kylie Minogue besetzt, von denen sich jedoch nur Sängerin Minogue in Cannes blicken ließ. Auch Michel Piccoli taucht in "Holy Motors" kurz auf, bleibt aber angesichts von Lavants wildem Spiel eher im Hintergrund. Dessen Darstellung und Caraxs ("Die Liebenden von Pont-Neuf") Bilder prägten sich ein - was einige Kritiker abstieß, auffällig viele aber zu Jubelhymnen hinriss.
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