• vom 07.10.2017, 16:00 Uhr

Comics & Mangas


Comicland Frankreich

Bild, Text und Spiegel




  • Artikel
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief





Während ein Jahrzehnt später diese Comics allmählich auch im deutschsprachigen Raum ankamen, folgten bei L’Association neue wie etwa "Der Fotograf" (2003-2006) von Emmanuel Guibert / Didier Lefèvre / Frédéric Lemercier, in dem der Zeichner die Reise des französischen Fotoreporters Lefèvre im Jahr 1986 nach Afghanistan rekonstruiert und mit dessen fotografischem Material kombiniert. Und Joann Sfars ineinander verwobene mehrbändige Reihen "Die Katze des Rabbiners" (2002-2015) und "Klezmer" (2006-2014), in denen er auf bisher ungesehene Weise mit Witz und Melancholie den Geschichten seiner algerisch- und russisch-jüdischen Vorfahren auf der Spur ist, sind nun aufwändig koloriert.

Österreich in Frankreich

Wenn Nicolas Mahlers "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit nach Marcel Proust" zum Buchmessenschwerpunkt Frankreich in den Buchläden aufliegt, dann scheint das eine passende Gelegenheit, daran zu erinnern, dass dessen erste Comics ("Lone Racer", "TNT") 1999 von L’Association herausgebracht und im frankophonen Ausland gefeiert wurden, lange bevor sie auch im deutschsprachigen Raum mit angesehenen Preisen bedacht wurden.

Der selektive Streifzug durch die Publikationen des Verlags, der inzwischen einige Krisen und eine Abspaltung überlebt hat, vermag freilich nur exemplarisch die Vitalität und Vielfalt des französischen Comics anzudeuten. Daher sei am Ende der Blick auf einige Comic-Veröffentlichungen gerichtet, die im Lauf des letzten Jahres auf Deutsch erschienen.

Auffallend ist die Präsenz des Nahen Ostens, nicht zuletzt aufgrund der vielfach biografischen Verknüpfungen der Autoren und Autorinnen mit der Region. Catherine Meurisses Aufarbeitung des Schockerlebnisses angesichts der islamisch motivierten Anschläge auf die Mitarbeiter von "Charlie Hebdo" im Jänner 2015 fügt sich indirekt in diesen Kontext ein: Die Zeichnerin versucht wiederzugewinnen, was durch das brutale Massaker, dem sie nur durch Zufall entgangen ist, schlagartig weggewischt wurde: "die Leichtigkeit", die dem Buch den Titel gibt.

Zeitgemäßes Märchen

Der kurz davor veröffentlichte Comic "Piano Oriental" der libanesisch-französischen Zeichnerin Zeina Abirached lässt sich geradezu als zeitgemäßes Märchen zum Thema lesen: Es erzählt in experimentellen grafischen Bildern die Geschichte des "zweisprachigen Klaviers", das der Großvater der Autorin in den 1970er Jahren erfunden hatte, um seine orientalisch-westlichen Kompositionen darauf spielen zu können - für die nach Paris ausgewanderte Zeichnerin ein Sinnbild ihrer eigenen zweisprachigen Identität.

Brigitte Findakly wurde durch die Zerstörungen der antiken Stätten von Nimrud durch den IS im Jahr 2015 veranlasst, ihre Erinnerungen an den Irak aufzuzeichnen. Als Tochter eines irakischen Zahnarztes und einer Französin ist sie in Mossul, nah bei Nimrud, aufgewachsen, bis sie mit 14 Jahren nach Frankreich umzog. Abgesehen von einer nicht immer nachvollziehbaren Sprunghaftigkeit, bietet der von ihrem Ehemann Lewis Trondheim gezeichnete Comic "Mohnblumen aus dem Irak" seltene Einblicke in den ständigen Regimewechsel bis zu Saddam Hussein, und vor allem in irakische Lebensweisen.

Der aus einer syrisch-französischen Liaison stammende Zeichner Riad Sattouf schreibt schon seit Jahren an seiner autobiografischen Kindheit zwischen Frankreich, Libyen und vor allem Sy-rien: "Der Araber von morgen" ist nun bei Band drei angelangt. Aus seinem kindlichen Blickwinkel heraus beschreibt der kleine Riad eine Gesellschaft im Bann ihrer autoritären Machthaber und tief verwurzelten Feindbilder.

Der 2011 aus Damaskus geflohene Architekt und Zeichner Hamid Sulaiman schließlich stellt in "Freedom Hospital" die weniger bekannte Seite eines pazifistischen Widerstands dar. Die Apothekerin Yasmin hat ein Untergrund-Krankenhaus gegründet und leistet mit einer kleinen Gruppe ihren Beitrag zur Befreiung Syriens. In Schattenriss-ähnlichen Schwarz-Weiß-Zeichnungen lässt Sulaiman inmitten des Bürgerkriegs Hoffnungsfunken versprühen - in Anbetracht jener Menschen, die nicht am Krieg, sondern am Frieden arbeiten.

Werbung

zurück zu Seite 1




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-05 16:42:05
Letzte Änderung am 2017-10-06 16:48:10




"Der Heldenkanzler" von Benjamin Swiczinsky.


Werbung



Japan

Manga, Manga!

Akita Shoten-Verlag Die japanischen Comics sind mittlerweile auch in vielen europäischen Comicläden zu finden und machen den klassischen Titeln wie Asterix, Mickey und Co... weiter




Cosplay

Manga von A bis Z

Manga Zeichnung - © Deamond - Creative Commons Anime Während in Japan damit allgemein Zeichentrickfilme bezeichnet werden, versteht man in westlichen Ländern darunter Trickfilme aus Japan... weiter




Manga

Anime

Das wandelnde Schloss - © Studio Ghibli Der japanische Zeichentrickfilm, der Anime , war es, der die Mangas in den Westen brachte. Damals war nur kaum jemandem bewusst woher Wickie, Heidi... weiter




Manga

Die Fans

Cosplay - © Chris 73 - Creative Commons So wie hierzulande die Popstars verehrt werden, so haben die Mangaka in Japan einen besonders hohen Status. Bei Signierstunden in den großen... weiter




Comics

Denken in Sprechblasen

Der Versuch, Comics zum Gegenstand eines seriösen Diskurses zu machen, mag auf den ersten Blick selbst ein wenig komisch wirken... weiter





Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Während einer Protestveranstaltung gegen Polizeigewalt vor dem Police Department von Baton Rouge, Louisiana, USA, am 9. Juli 2016, stellt sich die Aktivistin Ieshia Evans den vorrückenden Polizisten entgegen und streckt ihre Hände aus, bereit, sich verhaften zu lassen. Georgeund Amal Clooney gehörte die Aufmerksamkeit am Wochenende. Die gemeinsamenZwillinge blieben jedoch daheim bei der Nanny.

Matt Damon mit seiner Frau Luciana Barroso. "Downsizing", in dem Damon die Hauptrolle spielt, hat die 74. Festspiele von Venedig eröffnet. Der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar wurde sechsfach ausgezeichnet. Der wichtigste Preis: Sein Hit  "Humble" wurde zum Video des Jahres gewählt.


Werbung


Werbung