• vom 06.10.2017, 17:00 Uhr

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Duckface auf Faceduck




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Von Bernhard Baumgartner

  • Das Lustige Taschenbuch feiert sein 50. Jubiläum - die Bücher prägen bereits die dritte Generation.

- © Egmont Ehapa

© Egmont Ehapa



Neffe zu sein ist heute auch kein einfacher Job. Da kommt man nichtsahnend mit seinen Brüdern nach Hause, nur um das Duck’sche Haus in voller Halloween-Deko vorzufinden - inklusive Grab im Garten (es steht auch noch eine Knochenhand raus). Onkel Donald, eigentlich als bekennender Halloween-Hasser bekannt, ist zudem nicht ganz er selbst: "Ich bin Graf Donaldula, Frechlinge! Ich bin nicht für eitles Geplauder hier, sondern um meinen Durst zu stillen..." Nicht einmal zwei Seiten, vielleicht sechs, sieben Bilder, sind nötig, und der Leser findet sich vom schnöden Alltag mitten in der Welt Entenhausens wieder, das rundherum verblasst, die Figuren von Disneys Hand übernehmen ab da.

"Biss zum Morgen" heißt das Lustige Taschenbuch (LTB) 473, eines der aktuelleren, kommende Woche schlägt bereits die Nummer 499 in den Trafiken auf - und sie heißt "Der Kolumbusfalter kehrt zurück". Das ist kein Zufall: "Der Kolumbusfalter" war auch die bekannteste Geschichte des allerersten Taschenbuchs, die Nummer 1. Auch in Buch Nummer 499 wird Onkel Donald auf 38 Seiten einen ganz besonderen Schmetterling jagen. Und so viel Reminiszenz hat natürlich einen Grund: Fast auf den Tag genau 50 Jahre ist es jetzt her, dass der "Kolumbusfalter" 1967 auf dem deutschen Markt erschien und die "Lustigen Taschenbücher" rasch zum Flaggschiff des Verlages Ehapa wurde. Zur Feier dieses markanten Jubiläums erscheint parallel eine fünfteilige Jubiläums-Edition mit den von den Fans ausgewählten besten Geschichten aus 50 Jahren. Keine leichte Entscheidung freilich, denn die Vielfalt ist groß: 4000 veröffentlichte Geschichten mit 125.000 Seiten allein in der Hauptreihe stehen zur Wahl. Würde man alle Lustigen Taschenbücher ohne Pause nachlesen, wäre man 45 Tage beschäftigt. Wem der Gedanke ein "Uff" entlockt, sei Dagobert Ducks Maxime ans Herz gelegt: "Papperlapapp! Du kommst jetzt mit und lernst endlich arbeiten."


Der Herr der Klinge
Und natürlich finden sich etliche bekannte Klassiker in der Jubiläumsausgabe wie die LTB-Version von "Krieg und Frieden" oder die "Herr der Ringe"-Parodie "Das gläserne Schwert". Wen "Der fliegende Schotte" vage an eine fast gleichnamige fünfstündige Oper erinnert, liegt auch nicht gänzlich falsch. Es ist ein wilder Ritt durch die Vergangenheit, in den der Verlag seine Leser schickt. Und natürlich ein Rauf und Runter der einschlägigen Bestenliste.

Überhaupt lehnt man sich gerne an klassische Literatur, aber auch Populärkultur an. "Vom Winde verweht" in der Duck-Version etwa ist nicht viel anders als die berühmte Vorlage, aber sie ist eben so, wie sie wohl gelaufen wäre, wären das uns bekannte LTB-Personal beteiligt gewesen und nicht Scarlett O’Hara und Rhett Butler.

"Das gläserne Schwert" bekam, ganz in der Tradition der "Herr der Ringe"-Trilogie mit "Der Herr der Klinge" (LTB 319) und "Die große Reise" (448) noch zwei weiter Folgen. "Tarzan" (Tarzonald, 141) kommt genauso vor wie "Das Foucaultsche Pendel" (166), "Die Irrfahrten des Odysseus" (224), "Moby Duck" (467) mit Donald als Ismael oder "Die unendliche Geschichte" (186). Weiters gern verarbeitete Themen waren etwa die Französische Revolution, die Entdeckung Amerikas und die Belagerung Trojas. Wer sagt da, dass sich Geschichte und Literatur sich nicht mit Vergnügen vermitteln lassen?

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich eine kaum mehr zu überblickende Anzahl an Nebenreihen herausgebildet. Bekannteste ist dabei wohl die "Entenedition", in der nur Duck-Comics vorkommen. Es gibt natürlich auch eine Maus-Edition, damit sich die Micky-Fans nicht zurückgesetzt fühlen, wie etwa im Jahr 2001, als sich die Fans zu einem offenen Brief an der Verlag Egmont Ehapa genötigt sahen, um bessere Micky-Maus-Geschichten zu fordern. Es gibt englische Editionen zum Englischlernen, Malbücher, Sonderausgaben zu Sommer, Winter, Ostern, Weihnachten und Halloween sowie die besonders aufwendig gestaltete Premium-Reihe.

Da Zeitreisen ein immer wiederkehrendes Thema sind, lassen sich anhand der Comics auch die Vorstellungen von der Zukunft verfolgen. Gleich in Band 1 (1967) etwa reist Donald ins Jahr 2001, wo ihn ein Tankwart erstaunt fragt, ob er denn noch einen Verbrennungsmotor verwendet. Wer jetzt vermutet, dass hier prophetisch das Elektroauto postuliert wurde, irrt jedoch: 2001 fahre man doch längt mit Atomkraft, wird Donald aufgeklärt. Auch die neusten Entwicklungen finden sich immer wieder, durchaus als Kommentar und Parodie zum Zeitgeschehen. So sucht sich etwa Dagobert Duck zu seinem 70. Geburtstag über "Faceduck" neue Freunde. Wer glaubt, der notorische Knauser und Leuteschinder sei auf seine alten Tage gar rührselig geworden, ist auf dem Holzweg. Der alte Fuchs will damit seine Profite steigern. Ob Klaas Klever da wohl "gefällt mir" drückt?

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Schlagwörter

Medien, Print, Comics, Duck

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