• vom 19.10.2017, 00:01 Uhr

Comics & Mangas


Asterix

"Die Orgie wird kalt!"




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Von Christina Böck

  • Der neue "Asterix in Italien" ist ein charmanter, aber rumpliger Road-Comic.

Es ist kein Stau, es ist ein Rennen: Asterix und Obelix lassen die Konkurrenz Via-Appia-Staub fressen. - © Asterix® Obelix® Idefix ®/2017 Les Éditions Albert René

Es ist kein Stau, es ist ein Rennen: Asterix und Obelix lassen die Konkurrenz Via-Appia-Staub fressen. © Asterix® Obelix® Idefix ®/2017 Les Éditions Albert René

"Caesar fühlt sich auf einmal sehr müde . . .", sagt Caesar. Man kann es dem Manne nicht verargen. Schließlich ist es schon wieder passiert. Zwei Gallier, einer mit lustigen Flügeln am Helm und einer, den man besser nie, also wirklich nie als dick bezeichnet, haben ihm seine tollkühnen Tyrannenpläne durchkreuzt. Da kann einem schon einmal die Motivation flöten gehen.

Am Donnerstag erscheint das neue Abenteuer aus der Comic-Antike, "Asterix in Italien" (Egmont/Ehapa). Es beginnt wieder einmal damit, dass Obelix kurz aus den Augen gelassen wird. Das ist zwar aufgrund seiner Körperfülle (schwere Knochen! Nur schwere Knochen!) eigentlich gar nicht so einfach, aber Asterix passiert es auf der Cebit (dem Markt für Celtisches Brauchtum und innovative Technik). Eine Handleserin sieht die Zukunft des Großen mit den roten Zöpfen nicht weiter im Hinkelstein-Business, sondern am Steuer eines geflügelten Wagens. Einen solchen gibt es zufällig auch gleich ums Eck zu kaufen, die Kreditrate in Hinkelsteinen ist vertretbar. In der "Gallischen Revue" findet sich sogar ein Anlass, das schnittige Gefährt einzuweihen: die Transcaliga, ein Wagenrennen quer durch den italienischen Stiefel, eingeladen sind alle bekannten Völker und Barbaren. Start ist in Modicia, das ist Monza, und das verstehen sogar Formel-1-Banausen.

Was die Rennpiloten nicht wissen: Es handelt sich um einen ausgeklügelten PR-Coup der Römer, der über den erbärmlichen Zustand der Straßen hinwegtäuschen soll. Dass ein Römer den Pokal holen wird, ist natürlich auch ausgemacht. Das Kandidatenfeld ist nichtsdestotrotz breit gestreut, es gibt Etrusker, Kalabrer, Ligurer am Start, aber auch ein britisches Team ("Das heiße Wasser ist köstlich, ist es nicht?") und ein verblüffend politisch unkorrekt gezeichnetes Damenpaar aus Afrika mit den kessen Namen Rakete und Etepetete.

Normal im Sport

Es gibt auch Goten und Griechen, man erkennt sie an der Schrift in den Blasen, sogar Russen mit stilisiert kyrillischen Zeichen rumpeln mit über den Stiefel. Die gefährlichsten sind freilich die Markomannen mit ihren gewagten Flechtfrisuren, die sind nämlich "als Südgermanen nicht ganz unbeleckt in der Wagentechnik".

Dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht, würde früher auffliegen, wenn man nicht wieder einmal kurz Obelix aus den Augen gelassen hätte. Der wird zwar Zeuge, wie ein Adlatus des höchsten Straßenbeamten Bifidus Lactus den Deal mit dem Manager(us) des getürkten Siegers besiegelt. Der schicke Dicke denkt sich freilich nichts dabei: "Ich dachte, so was wäre im Sport ganz normal." Immerhin schön, wie man in aller Naivität die einzige böse Spitze, die dieser Comic zu bieten hat, in die Korruption der Sport-Großveranstaltungen heutiger Zeiten abfeuert.

Dadaistisches Glück

"Asterix in Italien", der bereits dritte Band, den Zeichner Didier Conrad und Texter Jean-Yves Ferri mit dem Segen von Albert Uderzo verantworten, ist zweifellos eine charmante Unterhaltung. Es fehlt aber diesmal an der sonst erquicklichen Detailfreude und dem hingebungsvollen Anspielungsreichtum. Man walzt Ideen wie das üppige Sponsorentum eines Brauwerks mit rotem Tier im Namen weidlich aus und auch die Fülle der Völker hätte viel mehr Potenzial gehabt. Die Botschaft, dass man nur durch nationenübergreifenden Zusammenhalt siegt, ist ein bisschen platt ausgefallen. Aber es gibt einzelne Momente des Glücks, etwa in einer dadaistischen Szene auf der muschelförmigen Piazza in Siena, auf der sich keine Herberge finden lassen will. Niedlich auch die Normannen, die aufgeben müssen, weil sie mit dem idyllischen Klima und dieser ganzen Zivilisation nicht zurechtkommen. Viel Liebe bei der Gestaltung hat Obelix erfahren: Wie er zärtlich Idefix anweist, den riesigen Bimsstein, mit dem er einen maßgeblichen Vulkan einbremst, nicht zu apportieren. Wie er reichlich spät bemerkt, dass diese Pferdestärken ihn eigentlich nur aufhalten. Und wie er an der unregelmäßigen Verpflegung immer mehr verzweifelt. Eine Pizza ohne Belag ist halt auch kein Wildschwein.

Doch auch diesmal bleibt eine Figur blass, die doch laut Cover Hauptfigur sein müsste. Die Vernachlässigung des Asterix selbst, dieses so untypischen wie wackeren Kriegers, wird nun schon zu einer eher ärgerlichen Angewohnheit von Ferri und Conrad.

Irgendwann schreit die Frau des Bifidus Lactus ihrem Mann nach: "Wo willst du hin? Die Orgie wird kalt!" Wenn es nun wieder bergab geht mit den bis jetzt so vielversprechenden neuen Asterix-Machern und -Erben von Goscinny und Uderzo, besteht tatsächlich die Gefahr, dass die Lust auf die Galliergeschichten irgendwann abkühlt.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-18 17:21:13
Letzte ─nderung am 2017-10-18 17:38:24




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