• vom 20.07.2013, 09:30 Uhr

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Update: 11.12.2013, 16:04 Uhr

Statistik

Was die Politik mit Zahlen aus Forschung und Statistik anstellt




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Von Erich Neuwirth

  • Die Verwendung falscher Daten kann weitreichende Konsequenzen haben.

Zahlen müssen nachprüfbar sein.

Zahlen müssen nachprüfbar sein.© apa/WZ-Collage Zahlen müssen nachprüfbar sein.© apa/WZ-Collage

Wien. Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart (Harvard University) sind in der ganzen Welt anerkannt. Die beiden haben 2009 und 2010 in mehreren Publikationen festgestellt, dass eine Staatsschuldenquote von mehr als 90 Prozent (gemessen am BIP) sich sehr negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirkt. Wenn anerkannte Autoritäten so etwas behaupten, dann wird das natürlich oft in den Medien zitiert und viele Politiker verwenden diese wissenschaftlichen Erkenntnisse als Rechtfertigung für ihre Forderungen nach mehr Sparanstrengungen zur Eindämmung der Staatsverschuldung.

Kollegen der beiden haben versucht, die Analyse nachzuvollziehen. Erst vor wenigen Wochen haben die drei Wissenschafter Herndon, Ash und Pollin von der University of Massachusetts die Daten von Rogoff und Reinhart (die zunächst nicht verfügbar waren) bekommen und versucht, die Analyse der beiden nachzuvollziehen. Dabei stießen sie auf drei Probleme.


Erstens: Aus nicht genau angegebenen Gründen wurde ein Teil der eigentlich verfügbaren Daten nicht in die Berechnungen einbezogen.

Zweitens: Die Gewichtung war etwas eigenwillig.

Drittens: Bei der Berechnung in Excel wurde eine falsche Formel verwendet.

Bereinigt man diese Probleme, dann bleibt das politisch so bedeutsame Ergebnis von Reinhart-Rogoff auf der Strecke, die Wachstumsrate der untersuchten Volkswirtschaften ist auch bei einer Verschuldungsrate von über 90 Prozent zwar niedriger, aber nicht dramatisch niedriger als bei geringeren Verschuldungsraten.

Warum hat niemand das früher entdeckt? Weil in vielen Wissenschaften derzeit Ergebnisse nicht so publiziert werden, dass Interessierte die Analyse so vollständig wie möglich nachvollziehen und überprüfen können. Man braucht dazu die Originaldaten, oder zumindest eine Beschreibung, die genau genug ist, genau diese Originaldaten selbst im Internet zu finden. Dabei wäre es ganz einfach gewesen. Die gesamten Ausgangsdaten samt Analyse sind eine eher kleine Excel-Datei. Die hätten die Autoren einfach ins Internet stellen und auf ihrer Website verlinken können, und schon wäre Forschung insgesamt wieder ein Stückchen transparenter geworden.

Wissenschafter wegen falscher Daten gefeuert
Ein Beispiel aus der Medizin: Anil Potti (Duke University) publizierte Erkenntnisse, für einzelne Patienten maßgeschneiderte Therapien für bestimmte Krebsformen zu entwickeln. Versuche, die Ergebnisse zu reproduzieren, scheiterten. Die Daten der Potti-Untersuchungen standen nicht komplett zur Verfügung.

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Schlagwörter

Statistik, Studien, Erich Neuwirth

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Dokument erstellt am 2013-07-19 18:17:07
Letzte Änderung am 2013-12-11 16:04:31



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