• vom 26.09.2017, 17:47 Uhr

Deutschland 2017

Update: 26.09.2017, 18:08 Uhr

CSU

Erste Forderungen nach Rücktritt Seehofers




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  • Das schlechteste Ergebnis der Parteigeschichte stößt vielen in der CSU sauer auf. Die Enttäuschten forcieren Finanzminister Söder als neuen Chef.

Freund - Feind - Parteifreund: Diese ironische Steigerung gilt für CSU-Chef Seehofer und Bayerns Finanzminister Söder. - © dpa/Sven Hoppe

Freund - Feind - Parteifreund: Diese ironische Steigerung gilt für CSU-Chef Seehofer und Bayerns Finanzminister Söder. © dpa/Sven Hoppe

München/Berlin. (leg) Großhabersdorf ist nicht unbedingt das politische Zentrum Bayerns. Doch in diesem Jahr könnte der pittoreske mittelfränkische Ort mit seinen rund 4000 Einwohnern politische Bedeutung bekommen. Denn aus Großhabersdorf erreichte den bayerischen CSU-Ministerpräsidenten Horst Seehofer der erste Aufruf zum Rücktritt nach der desaströsen Niederlage der Partei bei der deutschen Bundestagswahl. Seehofer habe das "historisch katastrophale Abschneiden" der CSU persönlich zu verantworten, richtete Thomas Zehmeister, der Vorsitzende des CSU-Ortsverbands, seinem Chef aus. Man sei, hieß es, "maßlos enttäuscht".

Normalerweise müsste eine solche Wortspende aus der Provinz noch nicht für Unruhe sorgen. Nach einer Wahl mit dem schlechtesten Ergebnis der Parteigeschichte ist das freilich anders - erst recht in der CSU, die immer mit dem Anspruch auftrat, das Ohr "nah am Menschen" zu haben. Der aus Großhabersdorf abgefeuerte Schneeball könnte für CSU-Chef Seehofer zur bedrohlichen Lawine werden. Die Stimmen bei den Christlichsozialen für einen personellen Neuanfang mehren sich. Während einige CSU-Politiker noch zu kalmieren versuchten, forderte am Dienstag mit Alexander König bereits der erste CSU-Landtagsabgeordnete den Rückzug Seehofers. "Wir brauchen einen anderen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl", sagte er - und nannte auch gleich den logischen Nachfolger: Für ihn sei Bayerns Finanzminister Markus Söder der "geeignete Kandidat". Dabei plädierte König auch für einen raschen Wechsel an der Parteispitze.


Söder gilt seit Jahren als Seehofers Intimfeind. Der Franke will die CSU politisch stärker nach rechts rücken. Viele Christlichsoziale werfen ihrem Parteichef vor, dem Mitte-Kurs von CDU-Chefin Angela Merkel zu sehr nachgegeben zu haben. Zwar hatte Seehofer Merkel 2015, am Höhepunkt der Flüchtlingskrise, noch bei einem CSU-Parteitag öffentlich blamiert und auch mehrmals laut hörbar gen Berlin geknurrt. Letzten Endes hatte seine CSU der Bundeskanzlerin die Fortführung ihrer an Bayerns Stammtischen umstrittenen Flüchtlings- und Euro-Rettungspolitik aber doch ermöglicht. Dass nun mit der AfD eine politische Kraft rechts der CSU im Parlament sitzt - ein Szenario, das deren Übervater Franz Josef Strauß immer zu verhindern trachtete -, stößt vielen an der CSU-Basis sauer auf. Für sie kann nur Söder das glaubwürdig tun, was Seehofer angekündigt hat: die "rechte Flanke schließen" und der AfD das Wasser abgraben.

Seehofer dürfte es indessen schwer fallen, dem ungeliebten Söder das Feld zu überlassen. Wohl auch deshalb präsentierte er im Wahlkampf ein altbekanntes Gesicht: Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Der CSU-Chef hält den geläuterten ehemaligen Polit-Star, der durch seine Plagiatsaffäre 2011 aus dem Polit-Olymp stürzte, mindestens für ministrabel. Möglich ist, dass Seehofer Guttenberg gegen Söder in Stellung bringen will - gelingen kann das wohl aber nur bei einer geordneten Hofübergabe in ein paar Jahren, nach der bayerischen Landtagswahl, die dann noch Seehofer schlagen müsste. Die findet allerdings bereits in einem Jahr statt. Gut möglich, dass die Angst vor dem Verlust der absoluten Mehrheit in der CSU Markus Söder vorher an die Macht spült.




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Dokument erstellt am 2017-09-26 17:54:06
Letzte nderung am 2017-09-26 18:08:31



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