• vom 23.03.2012, 15:37 Uhr

Diagonale

Update: 23.03.2012, 18:24 Uhr
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Glossenhauer

Die Nominale


Von Severin Groebner

  • Das Festival des österreichischen Films, die Diagonale, steuert auf seinen Höhepunkt zu. Und das ist gut so. Bis auf den Namen.

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er auf Tour.

Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er auf Tour. Severin Groebner ist Autor und Kabarettist, sein neues Buch heißt "Servus Piefke", mit dem gleichnamigen Programm ist er auf Tour.

Keine Frage: Festivalnamen sind eine schwierige Sache. Sie sollen allgemein verständlich sein, aber doch die Einzigartigkeit des Ereignisses unterstreichen. Das ist freilich eine Herkules-Aufgabe, so als ob man aus Werner Faymann einen charismatischen Arbeiterführer machen wollen würde.

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Das Festival des österreichischen Films etwa möchte einen Querschnitt des heimischen Kinos zeigen, aber trotzdem nicht "Querschnitt" heißen, weil das zu sehr nach lustigem Friseur klingt. Und weil "Querschnitt" die falsche Endung hat, da alle Filmfestivals mit Bedeutung mit -ale aufhören müssen.

Seit der Biennale in Venedig. Gut, das heißt eigentlich nur zweijährig, weshalb auch das dazugehörige Filmfestival jährlich stattfindet, aber das interessiert die Festivalbenamser nicht und deshalb alen sie vor sich hin: Berlinale, Viennale, Alpinale und eben Diagonale.

Dem liegt der Wunsch zu Grunde, man wäre auch gern so wichtig wie Venedig. Dummerweise sitzt man eben in Berlin, Wien, in Vorarlberg oder Graz. Allein die schöne Stadt Steyr hätte logischerweise die Chance, Venedig das Wasser zu reichen. Schließlich haben die fast so oft Überschwemmungen wie die Venezianer.

Wobei es die Diagonale noch einigermaßen gut erwischt hat, denn "Diagonale" bedeutet wenigstens noch was. Schließlich besitzt ja auch eine Leinwand eine Diagonale und das symbolisiert ja auch irgendwie . . . hoppala, jetzt bin ich fast eingeschlafen. Kunstdiskurs macht wahnsinnig müde.

Aber, wenn wir schon in der Geometrie sind, warum dann nicht gleich "Hyperbel" (um das Verhältnis zwischen dem eigenen Anspruch und der Wirklichkeit zu verdeutlichen) oder die "Parallele" (um die Überschneidungspunkte zwischen Filmschaffenden und den Fördertöpfen der Republik festzuhalten) oder "Ellipse" (ein Name, der das ständige Kreisen der Filmschaffenden um die beiden Brennpunkte "Kunst" und "kommerzieller Erfolg" bildlich vor Augen führt).

Aber das geht nicht, wegen der ale-Regel.

Insofern freu ich mich schon auf Festivals, die Zitteraale, Westfale, Infernale und Kanale heißen.

Und wenn mal H.C. Strache Kanzler wird, heißen die Festivals dann Totale, weil das so schön martialisch klingt. Vielleicht heißen sie dann aber auch Fatale oder Letale oder Vandale.

Sicher nicht: Internationale.

Da ist man dann wieder ganz nah an der Biennale. Schließlich wurde auch diese unter Mussolini ins Leben gerufen.

Ich hingegen träume von einem Filmfestival, das wochenlang nur Videos aus den zahlreichen Überwachungskameras bringt. 24 Stunden am Stück. Festivalort ist eine Scheune in der Obersteiermark oder ein Parkhaus aus den 70er Jahren in Liesing. Das Buffet besteht aus alten, letscherten Wurstsemmeln und sehr, sehr lauwarmem Bier. Dresscode ist Trainingsanzug mit Feinripp-Unterleiberl und das Festival heißt: Banale.

Und Werner Faymann hält die Eröffnungsrede.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-03-23 18:08:04
Letzte Änderung am 2012-03-23 18:24:56



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