Dollhofer hat in Linz neben dem gelösten A1-Deal noch mit weiteren Problemen zu kämpfen. Auch der technische Sponsor LG hat sein Engagement beendet. "Dennoch möchte ich klar festhalten, dass Sponsoren natürlich keinerlei moralische Verpflichtung haben, uns zu unterstützen. Im Gegensatz zu den öffentlichen Stellen, die einen kulturpolitischen Auftrag erfüllen müssen und die Verantwortung haben, gerade in Zeiten von Finanz- und Wirtschaftskrise solchen kulturellen Institutionen eine gesicherte Basis zum Weiterarbeiten zu bieten", sagt Dollhofer.
Zumindest von Bund, Land und Gemeinden kommen wohlwollende Signale: "Die öffentlichen Förderungen sind prinzipiell regelmäßig, aber seit unserem Bestehen unverändert", so Dollhofer. In Graz hat man gerade erst einen neuen 3-Jahres-Vertrag mit der Stadtregierung geschlossen, muss nach der Diagonale 2012 aber mit dem Bund und dem Land Steiermark neu verhandeln. "Von dort kommen Signale, dass die bestehenden Förderungen fortgeführt werden", sagt Barbara Pichler. Nachsatz: "Aber es kommen auch Signale, die darauf hindeuten, dass eine Erhöhung der Mittel im Bereich des Unmöglichen liegt".
Von Vorteil zur Abfederung des Budgeteinbruchs ist bei der Diagonale jedenfalls das Engagement des anderen Hauptsponsors, der Bawag. Die Vereinbarung wurde soeben bis 2015 verlängert, damit "ist die Bawag der einzige Sponsor, der mit uns Mehrjahresverträge abschließt", erläutert Pichler. "Alle anderen haben das nur von Jahr zu Jahr gemacht".
Auch Crossing Europe hat sich jedenfalls fest vorgenommen, das Sparpaket fürs Publikum nicht spürbar werden zu lassen. "Wir jonglieren mit den Budgets, hoffen, dass es 2013 mit neuen oder wiedergewonnenen Sponsoren weitergehen kann", sagt Dollhofer. "Und wir müssen bei der Personalstruktur des Festivals sparen". Leichter gesagt, als getan: Denn sowohl Diagonale als auch Crossing Europe arbeiten mit sehr kleinen Teams, nur während des Festivals werden zusätzliche Mitarbeiter aufgenommen. "Viel einsparen kann man hier nicht mehr, wenn man die gewohnte professionelle Qualität halten will", findet Pichler. Beim Personal zu sparen, wäre falsch, denn: "Ich will nicht in die Praktikantenkultur einsteigen, wo Leute umsonst arbeiten".
Glück haben die beiden Filmfestivals jedenfalls mit den Institutionen und Vereinen vor Ort: "Wir erfahren sehr viel Unterstützung von unseren Partnern, ohne die die Durchführung des Festivals unmöglich wäre", sagt Dollhofer, die 2013 ein Jubiläum feiern wird - mit oder ohne neue Sponsoren: Dann wird Crossing Europe nämlich zehn Jahre alt. "Wir haben unsere Zuschauerzahlen in den letzten zehn Jahren verdoppelt", sagt Dollhofer. "Wir wachsen also ständig, und können uns dieses Wachstum eigentlich gar nicht leisten."
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