
Wien. Kraftvoll und doch unterschätzt - wie eine neue Studie belegt, avanciert Österreichs Informationstechnologiebranche (IT) immer mehr zu einem Leitsektor der heimischen Wirtschaft. Zufolge der Impact-Analyse von Wirtschaftskammer und Verband der Österreichischen Softwareindustrie sorgt die IT-Branche in Österreich für eine direkte Wertschöpfung von 5,4 Milliarden Euro. Und spielt in entscheidenden Bereichen bereits in einer Liga mit arrivierten Branchen wie dem Tourismus.
"Die IT-Branche ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor", ist Robert Bodenstein, Obmann der Wiener Fachgruppe Unternehmensberatung und IT der Wirtschaftskammer (UBIT), überzeugt. Wie wichtig, erläutert Gottfried Haber, Autor der "Impact Analyse: Software- und IT-Sektor 2011" anhand der Ergebnisse der ersten umfassenden Branchenerhebungen seit 2003. Demnach spielt der IT-Bereich in der Wirtschaft sogar noch eine weitaus größere Rolle, als es die 5,4 Milliarden, die an direkter Wertschöpfung erzielt werden, vermuten lassen: Berücksichtige man Vorleistungen und Kaufkrafteffekte, zähle die IT nämlich zu jenen Branchen, die den größten Einfluss auf die Wirtschaftsleistung des Landes haben. So wirke sich ein Euro, der in den IT-Bereich investiert wird, dank Multiplikatoreffekten stärker auf die Wirtschaft aus, als ein Euro, der etwa in die Bankenwelt oder die Bauindustrie geht.
Hoch entwickelter SektorGewicht hat der IT-Sektor auch am Arbeitsplatz: Zufolge eines bereits vorgestellten Teils der Studie - die "Wiener Zeitung" berichtete - hängen über Kaufkrafteffekte und Vorleistungen insgesamt 400.000 Arbeitsplätze von den 100.000 IT-Jobs ab.
Ungetrübt sind die Perspektiven der Branche dennoch nicht. Denn gerade am Arbeitsmarkt haben IT-Unternehmen Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Das hängt nicht zuletzt auch mit einem Imageproblem der Branche zusammen, das trotz mittlerweile vorhandener Ausbildungsplätze die Attraktivität von IT-Jobs beeinträchtigt. Bodenstein bedauert: "Der große Stellenwert der IT wird in der Öffentlichkeit so nicht abgebildet." Und betont, dass man für einen Imagewandel Zeit brauche - und beim Nachwuchs ansetzen muss. "Wenn wir junge Menschen dazu bringen wollen, in die IT-Branche einzusteigen, müssen wir das sehr früh tun". Dass man das wollen müsste, steht für Bodenstein außer Frage. Denn: "Geht's der IT gut, geht's uns allen gut", so der Wiener Fachverbands-Obmann.