
Wien. Von der Displaybeleuchtung für Smartphones über eine weltweit einzigartig erfolgreiche Fitness-App zum Weltmarktführer bei digitaler Filmrestaurierung und zur Nummer eins der Informationssysteme in der Flugsicherheit - gäbe es eine digitale Plakette "Made in Austria", würde sie auf zahlreichen Produkten prangen. Denn weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich in Österreich eine digitale Industrie etabliert, die heimisches Knowhow in alle Welt exportiert - und beinahe noch wichtiger als das: für Wachstum und eine leistungsfähige Wirtschaft sorgt. Doch ungeachtet dieser Erfolge kämpft die Branche um ihr Image. Und damit um ihre Zukunft.
"New economy", "Let's e-biz", die "Computermilliarde": Keine zehn Jahre ist es her, als politische Losungen zur Informationstechnologie (IT) mit beeindruckender Regelmäßigkeit herausgegeben wurden. Heute ist der Rausch des digitalen Booms der Jahrtausendwende weitgehend verraucht. Politiker-Aussagen zu Computer, Internet oder IT haben Seltenheitswert. In die öffentliche Wahrnehmung schaffen es digitale Themen zumeist nur dank Facebook, iPhone oder Anonymous. Höchste Zeit, dass sich das ändert, meinen die Branchenvertreter.
"Die Bedeutung der IT-Branche ergibt sich allein schon aus den Fakten, dass wissensintensiven Dienstleister rund 27 Prozent der gesamten Wertschöpfung erzielen und für 13 Prozent des Exportes stehen. Insgesamt sind sie für 40 Prozent des Konjunkturmotors verantwortlich", eröffnet Alfred Harl, Obmann des Wirtschaftskammer-Fachverbandes Unternehmensberatung und IT (UBIT), im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" seine Argumentation. Allgemein wird der Beitrag der IT zum Bruttoinlandsprodukt inzwischen auf sechs Prozent berechnet. Mit einem Umsatz von 14,16 Milliarden im Jahr hat der digitale Sektor dabei arrivierte Branchen wie das Immobilienwesen, die Nahrungsmittelproduktion oder die Gastronomie abgehängt. Vergleicht man ferner sämtliche Wirtschaftsbranchen in Bezug auf indirekte Effekte wie die Nachfrage nach Vorprodukten oder Betriebsstoffen, Kaufkrafteffekte und die Wirkung von IT-Investitionen auf den Arbeitsmarkt, rangiert die IT der "Impact Analyse" von UBIT und dem Verband der Österreichischen Softwareindustrie (VÖSI) zufolge auf Platz sechs - noch vor Banken oder dem Tourismus.
Heimische Weltmarktführer
Aus der überwiegend klein- und mittelständisch strukturierten IT-Landschaft gelang es darüber hinaus Unternehmen, erfolgreich auf den Weltmarkt zu drängen. "Die meisten mittelständischen österreichischen Welt- oder Europamarktführer sind produzierende High Tech-Unternehmen, die meistens in sehr engen Nischen höchst erfolgreich agieren", bestätigt Georg Jungwirth von der Fachhochschule Campus 02, der mit seiner "Hidden Champions"-Studie Österreichs heimliche Weltmarktführer beleuchtete. So gilt das Wiener Unternehmen Frequentis als Weltmarktführer bei Informations- und Kommunikationssystemen in der Flugsicherheit. In der digitalen Filmrestaurierung hat HS-Art Digital Service aus Graz Weltgeltung. Millionen von PC-Anwendern ist das Grafikprogramm IrfanView weltweit ein Begriff, das ein Ein-Personen-Unternehmer in Niederösterreich vertreibt und entwickelt.