• vom 15.11.2011, 14:55 Uhr

Digitale Wirtschaft

Update: 02.12.2011, 10:52 Uhr

Vom e-Government-Nachzügler zum Musterschüler

Amtsschimmel-Wunder lässt Europa staunen




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Stefan Meisterle

  • Zentrale Koordinierungsstelle sorgte für Modernisierungsschub in der Verwaltung.
  • Sicherheitslücken sorgen in der Wirtschaft für Kritik.

Wien. "Zittre, du großes Österreich / vor deinen kleinen Beamten",
spottete der Dichter Eduard von Bauernfeld (1802-1890) einst über die schwerfällige Bürokratie der Habsburgermonarchie. Und tätigte damit eine Aussage, die eineinhalb Jahrhunderte lang ihre Anhänger fand. Heute kann davon freilich keine Rede mehr sein. Denn der Verwaltungsapparat ist inzwischen auf der Überholspur und galoppiert als e-Amtsschimmel mit Höchstgeschwindigkeit - sehnsüchtig beäugt von ganz Europa.

Werbung

"Österreich ist der Spitzenreiter", lobte EU-Verwaltungskommissar Maros Sevcovic anlässlich seines Besuches der Verwaltungsmesse in Wien die heimische Verwaltung. Und stellte unumwunden die Forderung, "das österreichische Wunder in den Rest Europas zu bringen". Ein Wunder, das tatsächlich bemerkenswert ist – denn vor zehn Jahren war Österreich in Sachen e-Government (elektronischen Services der Waltung) nicht Vorreiter, sondern  abgeschlagener Nachzügler.

Verfügbare und reife e-Government-Dienste
"Österreich war in der IT-Reihung des e-Government dreizehnter von fünfzehn", erinnert sich Reinhard Posch vom Bundeskanzleramt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" an die ersten Erhebungen des "E-Government Benchmark" der EU-Kommission vor zehn Jahren. Heute freilich führt Österreich diese Liste an: Mit 100 von 100 möglichen Prozentpunkte bei Online-Verfügbarkeit und Reifegrad der grundlegenden elektronischen Bürgerservices kann Österreich im europaweiten Vergleich kein Land das Wasser reichen.

"E-Government funktioniert in Österreich  auf mehreren Ebenen", erläutert  Roland Ledinger, Leiter des Bereiches IKT-Strategie des Bundes. Sowohl der Bund, als auch Länder und kommunale Einheiten erweitern seit Jahren ihr digitales Angebot. "Wir haben 6.000 Online-Services bzw. Formulare für den Bürger, darunter Flaggschiffe wie FinanzOnline", so Ledinger im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Für Kunden ergäben sich daraus die Sekundäreffekte "Transparenz, schnellere Kommunikation und eine durchgängige elektronische Bearbeitung".

Schaulauf der Innovationsprojekte
Wie innovativ die Behörden aller Verwaltungsebenen in Sachen IT-Services agieren, stellte kürzlich die Verwaltungsmesse "Verwaltungsreform, what else?" unter Beweis. Neben dem Konzept einer "mobilen Bezirkshauptmannschaft", die Innsbruck präsentierte, war dabei beispielsweise auch das "wien.team", ein Facebook-Ersatz für den fachlichen Austausch der Mitarbeiter der Stadt Wien, oder die digitale Signatur per Handy, die das Bundeskanzleramt vorstellte, zu begutachten. Gemeinsam mit zahlreichen Besuchern konnte so auch Sevcovic einen Eindruck darüber gewinnen, wie moderne Verwaltung in Österreich aussieht. Und wie binnen weniger Jahre aus einem eGovernment-Schlusslicht ein Vorzeigeschüler werden kann.

weiterlesen auf Seite 2 von 2



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2011-11-15 15:02:57
Letzte Änderung am 2011-12-02 10:52:32



Werbung




Werbung