Wien. "Wir sind ein kleines Land. Aber wir sind innovativ" – Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek ließ es vergangene Woche in Gegenwart von Maros Sefcovic, Vizepräsident der EU-Kommission, nicht an Selbstbewusstsein mangeln. Und hatte allen Grund dazu: Die österreichische Verwaltung hat es binnen zehn Jahren geschafft, sich von einem Schlusslicht in Sachen eGovernment (elektronische Services der Verwaltung) zum europäischen Musterknaben zu mausern.
Um diesem Fortschritt Rechnung zu tragen, reisten Delegationen aus Städten, Ländern und dem Bund zur österreichischen Verwaltungsmesse "Verwaltungsreform, what else?" nun nach Wien. Und hatten Gelegenheit, dabei die außergewöhnlichsten Innovationsprojekte zu präsentieren und kennenzulernen.
"Lernen von KollegInnen": Das Motto der ersten Verwaltungsmesse seit mehr als zehn Jahren diente dem Anspruch, die digitalen Innovationen der einzelnen Verwaltungskörperschaften nicht nur in die Auslage zu stellen, sondern auch ins Bewusstsein anderer Dienststellen zu bringen. "Die Messe findet statt, damit uns Verwaltungsexperten etwas einfällt", sagt Manfred Matzka, Sektionschef im Bundeskanzleramt, schmunzelnd. Dabei zeigte sich den zahlreichen Besuchern rasch, dass die vertretenen Behörden, Ämter und Ministerien sich schon in der Vergangenheit in Sachen Informationstechnologie (IT) einiges einfallen haben lassen.
Facebook nach Art des Wiener Hauses
Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei etwa der Stadt Wien für ihre Plattform wien.team zuteil: Das intern entwickelte soziale Netzwerk soll nach dem Vorbild von Facebook Mitarbeitern den dienstbezogenen Austausch erleichtern – und damit kreatives und fachliches Potenzial der Mitarbeiter heben. In moderierten Gruppen gelingt es so, gerade bei Querschnittsthemen Kollegen unterschiedlichster Dienststellen auf Augenhöhe zusammenzubringen, um fachliche Diskussionen voranzutreiben. "Plötzlich tauchen da Leute mit einer Expertise auf, wo man sie gar nicht vermutet hätte", weiß Karin Zauner von der Stadt Wien zu berichten.
Seit März im Betrieb, zählt wien.team, das von den Mitarbeitern freiwillig genutzt werden kann, bereits über 1000 Anmeldungen. "Ein kleiner Erfolg", wie Karin Zauner von der Stadt Wien bestätigt. Allerdings könnten es durchaus noch mehr sein - in der Stadt Wien verfügen 25000 Mitarbeiter über einen PC-Arbeitsplatz. Dass auch in einem sozialen Netz eine gewisse Vorsicht beim Einbringen von Ansichten und Ideen vorherrscht, wenn der Chef mitliest, räumt daher auch ein Kenner des Projekts gegenüber der "Wiener Zeitung" ein. Mit dem Zusatz: "Das ist eben noch ein Lernprozess."