Wien. (mei) Für die Computerindustrie ist die Cloud der Wachstumsmarkt schlechthin. Deutlich weniger positiv sehen den Trend zur Auslagerung von Aufgaben an externe Rechenzentren jedoch die Umweltschützer von Greenpeace: In der neuen Studie "How Clean is Your Cloud" untersuchte die Nichtregierungsorganisation, welchen Einfluss Cloud-Rechenzentren auf den Stromverbrauch haben - und kamen zu einem ernüchternden Ergebnis.
Der Wachstum und die Investitionsanstrengungen in Cloud-Produkte wären überwältigend und sollen sich bis 2020 vervielfachen, berichtet Greenpeace. Gleichzeitig wären Cloud-Services enorm energiehungrig, einzelne Computerzentren würden so viel Strom wie 180.000 Haushalte verbrauchen, rechnen die Umweltschützer vor. "Wenn die 'Cloud' ein Land wäre, hätte dieses den weltweit fünfthöchsten Stromverbrauch", wird Greenpeace Elektronik-Experin Claudia Sprinz in einer Aussendung zitiert.
Erneuerbare Energieträger
Es sei folglich erforderlich, diesen Energiebedarf stärker unter die Lupe zu nehmen. Und festzustellen, wie sauber diese Energie bisher ist. "Die Kluft innerhalb der IT-Branche ist größer geworden", sagt Sprinz, "nur wenige Unternehmen setzen auf Erneuerbare Energieträger."
In den Untersuchungen stellte Greenpeace fest, dass speziell Rechenzentren der Branchenriesen Apple, Microsoft und Amazon kaum mit sauberer Energie gespeist werden, sondern größtenteils auf Strom aus Kohle- oder Atomkraftwerke setzen. Diese drei Unternehmen würden rapide wachsen, sich aber zu wenig Gedanken über die Herkunft des verbrauchten Stromes machen, kritisiert Greenpeace. Am "unsaubersten" arbeite Apple, das nur 15,3 Prozent seines Strombedarfs nachhaltig decke.
Dort sieht man das freilich ganz anders: Greenpeace werden falsche Berechnungen vorgeworfen, so weist Apple darauf hin, dass man derzeit in North Carolina drauf und dran sei, "das grünste Rechenzentrum zu errichten, das je gebaut wurde", wie Apple-Sprecherin Kristen Huguet dem Internetdienst AllThingsDigital mitteilte.
Internet-Unternehmen als Musterschüler
Positive Noten holten indes Google, Yahoo und Facebook ab: Ihnen bescheinigte Greenpeace, aktiv auf erneuerbare Energien zu setzen. So würden gerade Yahoo und Google vorbildlich im Einsatz erneuerbarer Energie für Cloud-Rechenleistungen sein und zudem auch Anstrengungen zu Investments in sauberen Strom unterstützen. Googles Anteil an erneuerbarer Energie bei Cloud-Diensten betrage 39,4 Prozent, jener von Yahoo gar 56,4 Prozent.
Facebook wiederum wird hoch angerechnet, in Zukunft ganz auf erneuerbare Energie setzen zu wollen und auch bereits erste Schritte zur Umsetzung dieses Plans, etwa mit der Errichtung eines Datencenters in Schweden, getätigt zu haben. Bereits jetzt betrage der Anteil der erneuerbaren Energie bei Facebooks Cloud-Diensten 36,4 Prozent.