Krems. An den beiden letzten Tagen des diesjährigen Donaufestivals in Krems ging es ans Eingemachte: mit Genesis Breyer P-Orridge und Brian Williams waren zwei Protagonisten der Industrial Music der 1970er Jahre zu Gast in der Minoritenkirche. Unerwartet ruhig verhielt sich Throbbing Gristle-Frontmensch P-Orridge mit seiner illuminierten Geige, die er mit zwei Bögen gleichzeitig kitzelte. Avantgarde-Musiker Tony Conrad an der Lead-Violine führte P-Orridges Ideen musikalisch geschickt weiter, Resultat war ein atonales Zusammenspiel mit Momenten der Überraschung und kleinen Experimenten, wie die verzerrten Töne aus P-Orridge I-Phone zeigten.
Bei Brian Williams alias Lustmord hingegen ging es berechenbarer zu, als er seine Drones durch den Klangraum wummern ließ, dass selbst die Hosenbeine zitterten. Zu seinem Dark Ambient passte auch das von maskulinen Metaphern wie Rauch, Metall oder Feuer durchzogene Video - kein Zufall, dass geschätzte 90 Prozent der Zuhörer Männer waren.
Und sonst? Die US-Techno-Punk-Grazien "Lesbians on Ecstasy" setzten dem musikalischen Teil des Festivals ein würdiges, da kraftvolles Ende. Davon abgesehen herrschte aber auch an diesem Wochenende High Defintion Mainstream vor, wie zum Beispiel die Kaugummi-Punk-Rocker Hunx and His Punx oder of Montreal mit ihrem vertonten Trip durch die Pop-Geschichte zeigten. Musikalisch enttäuschend war auch Chris Cunninghams übercodierte Schock-Video-Performance, dessen Begleitmusik klang wie aus alten Warp-Platten gespeist. Abgesehen von den paar Highlights ist das Festival damit zu einer eklektizistischen Spektakelabfolge verkommen. Schade drum!
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