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Donaufestival Krems

Update: 29.04.2017, 20:53 Uhr

Improvisation

Die große Klaviatur der Improvisation




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Von Christa Hager

  • Der Saxofonist Peter Brötzmann, Pionier des europäischen Free Jazz, und Heather Leigh an der Pedal-Steel-Gitarre am Sonntag in der Minoritenkirche.

- © Hans van der Linden

© Hans van der Linden

Wien. Peter Brötzmann bläst mit Saxophon, Klarinette und Tárogató, einem hölzernen Zwitterinstrument aus den beiden erstgenannten Geräten, seit Anfang der 1960ern Jahre der elitären Hochkultur den Garaus und frönt einem freien Umgang mit Musik. Seine markanten, intensiven Töne haben den Free-Jazz Zirkeln inzwischen die Wortkreation "brötzen" beschert, was angeblich "spielen wie Peter Brötzmann" bedeutet, und wohl ganz einfach "sehr laut" bedeutet.

Peter Brötzmann ist nicht nur für die Lautstärke seiner Live-Darbietungen bekannt, sondern auch für seinen konsequenten und kompromisslosen Zugang zu Kunst und Musik. Er kreiert seit jeher intensive Klangkaskaden abseits konventioneller Trampelpfade. Die Richtung Jazz habe er vor allem wegen des politischen und sozialen Hintergrunds eingeschlagen, sagt er 2006 in einem Interview: weil man sich hier gegenseitig brauche, müsse man aufeinander hören und zusammenarbeiten.

Wechselspiel von Improvisation und Partitur

Künstlerisch sozialisiert in den 60er Jahren gilt Brötzmann mittlerweile vor allem im Bereich Improvisation als einer der weltweit einflussreichsten Künstler. Das zeigen nicht nur die Preise und Auszeichnungen die er im Laufe der Jahre bekommen hat, sondern vor allem die vielen Tonträger und Zusammenarbeiten. Da wären zum Beispiel die beiden Saxophonisten Mats Gustafsson und Ken Vandermark, mit denen er seit 2002 zusammen spielt: Im Jahrtausend davor, 1986, wurde er zum Beispiel auch in Bill Laswells Jazznoisegruppe Last Exit aufgenommen. 2004 wiederum formierte sich Brötzmann mit dem Schweizer Komponisten und Schlagzeuger Michael Wertmüller und dem deutschen E-Bassisten Marino Pliakas zum Trio Full Blast.

Seit einiger Zeit tritt Brötzmann auch mit der US-Musikerin Heather Leigh auf – und ihr Instrument ist in diesem Zusammenspiel Zusammenspiel ein ungewöhnliches: Eine Pedal-Steel-Gitarre, die sie der Country Vergangenheit beraubt und deren 12-Saitigen die volle Bandbreite an Sounds entlockt. Leigh musiziert seit den 1980ern, bis 2008 war sie Mitglied von Charakambides, einer experimental Combo aus Texas. Mittlerweile lebt die Musikerin in Glasgow.  Im gekonnten Zusammenspiel – sie zupft und streicht, er setzt Kontrapunkte und brötzt mitunter sensibel und melancholisch - steigern sich beide mitunter in energetische Drone- und Noise-Kaskaden.





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Improvisation, Donaufestival

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-24 15:00:07
Letzte nderung am 2017-04-29 20:53:05



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