• vom 28.04.2017, 11:39 Uhr

Donaufestival Krems

Update: 28.04.2017, 12:01 Uhr

Donaufestival

Neustart mit Tradition und Aufbruch




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Von WZ Online, APA

  • Auftakt mit Nacktperformance,"Stockholm Syndrom" und viel Diskurs - Motto bis 6. Mai: "Du steckst mich an".

Die österreichische Choreografin Doris Uhlich zeigt ihre neueste Arbeit "Habitat".

Die österreichische Choreografin Doris Uhlich zeigt ihre neueste Arbeit "Habitat".© Ellie and Krzysztof Die österreichische Choreografin Doris Uhlich zeigt ihre neueste Arbeit "Habitat".© Ellie and Krzysztof

Krems. Vieles neu in Krems: Am Freitag beginnt das erste donaufestival unter der Leitung von Thomas Edlinger. Der Radiomoderator und Autor setzt für sein Debüt und die Zeit nach der Ära von Tomas Zierhofer-Kin gleichermaßen auf Tradition wie Aufbruch. Bis 6. Mai gibt es an zwei Wochenenden viel Musik, Performance und Diskurs sowie etliche neue Formate.

Aus musikalischer Sicht stechen dabei Auftritte von bekannten Namen wie Einstürzende Neubauten oder Technopionier Wolfgang Voigt alias GAS hervor. Eine neue Location wird die österreichische Choreografin Doris Uhlich einnehmen: Sie bespielt mit rund 30 Nackten die Dominikanerkirche in der Kremser Altstadt. Beim "Stockholm Syndrom" dürfen sich die Besucher auf eine ungewisse Entführung einlassen, und außerdem hat Edlinger das Programm mit etlichen Diskussionen und Vorträgen erweitert, ganz gemäß dem diesjährigen Motto "Du steckst mich an".

Information

Donaufestival Krems
28. April bis 6. Mai
Das komplette Programm gibt es online unter:
www.donaufestival.at

Gegensätzlichkeit

Weitere Performance-Programmpunkte sind "Würfeln III" des Duos Karl Karner und Linda Samaraweerova, das die Besucher mit den Protagonisten an einen Tisch bittet, oder Ligia Lewis' "minor matter": Die aus der Dominikanischen Republik stammende Choreografin, die vor zwei Jahren bei ImPulsTanz ausgezeichnet wurde, widmet sich in dem in Rottönen gehaltenen Stück der Gegensätzlichkeit von Zu- und Abneigung, thematisiert aber auch das Spannungsverhältnis von Individuum und Gruppe. Ebenfalls eine österreichische Erstaufführung ist "The Empire Strikes Back: Kingdom Of The Synthetic" von Ariel Efraim Ashbel und Kollegen, das Science-Fiction und Popkultur, Futurismus und Moderne zusammenführt.

Dystopien

In musikalischer Hinsicht wird am ersten Wochenende die Vielfalt gefeiert. Egal, ob die Vorliebe bei dystopischem Metal mit Hang zur Noise-Attacke liegt, altgediente Helden des Industrial-Lagers ihre Aufwartung machen oder politischer Rap in elektronischem Umfeld gerade das Richtige ist - hier ist praktisch für jeden etwas dabei. Techno-Vordenker Wolfgang Voigt alias GAS sowie die britische New-Wave-Band Scritti Politti um Green Gartside sind dabei nur zwei Protagonisten, die vergangene Zeiten hochleben lassen (28. April). Am Samstag gibt es mit Moor Mother und Tommy Genesis zwei Rapperinnen zu erleben, die mit den üblichen Codes des Genres zwar spielen, sich diesen aber nicht unterordnen. Sex und Körperlichkeit, Gesellschaftspolitik und Krieg blenden sie in eine reduziert-harte Klangwelt, die mit einzeln gestreuten Melodiebögen auf falsche Fährten lockt.

Tags darauf sind es weit gedachte Strukturen, die etwa bei den britischen Krautrockern Gnod oder dem Projekt Guardian Alien rund um Schlagzeugwirbelwind Greg Fox durchaus mal für nickende Köpfe sorgen könnten. Sounds from Outer Space oder doch das erdige Tribal-Drumming einer Geisterbeschwörung? Hier hat alles Platz, wie wohl auch Musiker und Yoga-Lehrer Gonjasufi sowie die norwegische Metalband Ulver beweisen werden. Und zu guter Letzt gibt es am Montag - vor der wohlverdienten Festivalpause bis zum nächsten Wochenende - Krach als Institution, wenn die Einstürzenden Neubauten um Blixa Bargeld im Rahmen ihrer "Greatest Hits"-Tour in Krems vorbei schauen. Alles, was laut ist und wehtut, vereinen hingegen The Body aus den USA.

Wutmanagement

Und hat man danach (oder davor) noch zu viel Energie, dann bietet Stephane Roy Möglichkeit zum Dampfablassen: Seine Installation "The Laboratory Of Anger Management" betritt man bewaffnet mit Helm und Baseballschläger, um den in einem Container angesammelten Sperrmüll ordentlich zu bearbeiten. Zeit dafür: 30 Sekunden. Etwas länger, nämlich 20 Minuten, dauert die Behandlung bei Volkmar Kliens "Rezeptionshaltungen" im Klangraum Krems, bei der Sounds durch den Schädelknochen gejagt werden. Oder aber man widmet sich dem Diskursteil des Festivals (das erstmals auch einen Reader mit weiterführenden Texten und Musik auf USB-Stick bietet): Videos aus der Elektro-Szene, Technophilosophien von Donna Haraway oder Selbstlosigkeit sowie Narzissmus stehen dabei am Programm. Klingt doch ziemlich ansteckend...

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-28 11:43:11
Letzte ─nderung am 2017-04-28 12:01:04



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