• vom 01.05.2017, 17:04 Uhr

Donaufestival Krems

Update: 05.05.2017, 19:25 Uhr

Performanc-Kritik

Popos im Gleichklang




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Von Verena Franke

  • In der Kremser Dominikanerkirche lässt Doris Uhlich das Fleisch erbeben.


© Theresa Rauter © Theresa Rauter

Die Dominikanerkirche in Krems ist wahrlich eine ungewöhnliche Location, um sich tanzenden und nackten Tatsachen zu stellen. Das könnte man jedoch nur bei oberflächlicher Betrachtung annehmen. Und das trifft nicht auf Doris Uhlich zu. Die österreichische Performerin zeigte am Wochenende im Rahmen des Donaufestivals die Uraufführung von "Habitat" ebendort.

Fünf Stunden lang ist Uhlichs weiterentwickeltes Konzept von "more than naked" zu sehen: Rund 30 äußerst unterschiedliche Performer zeigen, dass nackt nicht gleich nackt ist, sodass man als Zuseher fast Scham empfindet, weil man bekleidet ist. Uhlich hat ihr bisheriges Konzept rund um ihre asexuelle Darstellung des menschlichen Fleisches um eine weitere Ebene erweitert: Es gibt keinen Bühnenraum mehr, der bisher die Distanz wahrte. Performer und Zuseher bewegen sich nun frei im Kirchenschiff. Da kann es schon einmal passieren, dass nicht einmal einen halben Meter weit entfernt ein Performer sich hinkniet und sein Fleisch schwingen und klatschen lässt.

Information

Doris Uhlich: Habitat
Performance
Donaufestival Krems

Peaks sind im Programm angekündigt, und dementsprechend ist auch die Performancedramaturgie aufgebaut: Zuerst mit nur wenigen Darstellern wachsen das Ensemble wie auch die Intensität und Lautstärke des Sounds von Boris Kopeinig - mit Uhlich am Mischpult - stetig an. Das Fleisch zittert, klatscht und tanzt im Einklang mit den bald dröhnen Beats. Die Gruppe, die sich auf die gleiche Körperpartie fokussiert, wird größer bis alle im hämmernden Rave tranceartig ihre Körper schütteln. Die Tänzer lächeln einander spontan an, sie scheinen Spaß zu haben. Die Performance schwellt zu einem hypnotisierenden Gesamtwerk aus Körpern, Musik, Location und Zuschauern an. Uhlich fesselt einmal mehr mit ihrem Konzept der nackten Körper - sehr fern jeder Erotik oder Sexualisierung.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-01 17:09:05
Letzte ńnderung am 2017-05-05 19:25:57



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