Im Unterschied zu anderen Bands jener Zeit, die aus relativ gewöhnlichen musikalischen Mustern neue Melodien schufen, behandelten AATT ihre Lieder als organische Einheit, in der die Spannung ebenso wichtig war wie die Form. Nick Havas Subtilitäten an den Snaredrums zeugten zwar nicht unbedingt von Virtuosität, doch sein Schlagwerk ließ das Ensemble atmen, während Steven Burrows Bass die Zyklen strukturierte. S.H. Jones wiederum suchte mit seinem kräftigen Sprechgesang nicht nach willfährigen Melodien, seine Stimme war wie ein den anderen Instrumenten antwortendes Instrument, das dabei auch noch Geschichten erzählte. Zu diesen Besonderheiten kam der typische, mandolinenhafte Gitarrensound von Justin Jones hinzu, der spätestens mit dem Album "The Millpond Years" (1987) zur Handschrift der Band wurde.
Dieses Zusammenspiel währte sechs Studioalben, seinen Höhepunkt erreichte es 1993 mit dem Album "The Klaxon" (1993), das zugleich einen Wendepunkt in der Laufbahn der Band markierte. In den nächsten fünf Jahren verlagerten sie ihren lyrischen und musikalischen Schwerpunkt nach Amerika. Auf den beiden folgenden Alben ("Angelfish", 1996, und "Silver Soul", 1998) dominierten Gitarrenrock und Jazz-Elemente der 1950er Jahre. Edward Hopper und F. Scott Key Fitzgerald dienten nun als Inspirationsquellen, und eine an die Filme von David Lynch erinnernde, dunkle Atmosphäre war das Resultat.
Erst Anfang des neuen Jahrtausends fanden AATT wieder zurück zu ihren ländlichen Wurzeln. Durch den Abgang von Schlagzeuger Havas wurden diese musikalisch zwar etwas zurechtgestutzt, trotzdem hat die Band nichts an Tiefe und Sinnlichkeit verloren, wie ihr aktuelles Album "Hunter not the Hunted" zeigt - und wie die Band nach wie vor live unter Beweis stellt.
Eine Chance, die Band auch live zu erleben, gibt es im Rahmen von John Bocks Medieninstallationen. Eine seltene Gelegenheit, waren AATT während ihres 32-jährigen Bestehens doch nur vier Mal in Österreich zu Gast. Und vielleicht gibt das Konzert ja auch Aufschluss darüber, was hinter John Peels Rätsel stecken könnte.
Siehe auch
Platten der Woche: Hunter not the Hunted - Neues Album von And Also The Trees
Dieser Artikel erschien in einer leicht abgeänderten Fassung Ende September 2011 im "extra", dem Wochenendfeuilleton der Wiener Zeitung.
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