• vom 06.09.2012, 17:32 Uhr

Dylan-Alben

Update: 11.09.2012, 12:40 Uhr

Pop-CD

Dylan, Bob: Tempest




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Von Francesco Campagner

  • Das Aufbegehren des Altmeisters
  • Bob Dylan hat sich mit 71 Jahren zum hörenswerten Album "Tempest" aufgerafft.
  • Keine Spur von Abschied: Dylan bleibt sich einmal mehr selbst treu.

Was hat 9/11 mit Bob Dylan zu tun? Nun, an jenem tragischen Tag des Jahres 2001 erschien in den USA "Love And Theft", das erste Album des unbändigen Troubadours im neuen Jahrtausend. Und auch heuer hat sich Dylan für sein lang erwartetes neues Werk, "Tempest", dieses bedeutungsschwangere Datum ausgesucht. In Europa erscheint die CD bereits am heutigen Freitag. Von vielen Kritikern wurde sie schon vor dem Erscheinen in höchsten Tönen gelobt. Es sei, so die durchgängige Meinung vieler, das beste Album des Künstlers seit mehr als einem Jahrzehnt.

Die Zeit zum Abdanken ist noch nicht da - Bob Dylan meistert jeglichen Sturm.

Die Zeit zum Abdanken ist noch nicht da - Bob Dylan meistert jeglichen Sturm.© Sony Music Die Zeit zum Abdanken ist noch nicht da - Bob Dylan meistert jeglichen Sturm.© Sony Music

Doch allzu enthusiastische Rezensionen sollten den Hörer - auch wenn sie breit gestreut sind - eher vorsichtig machen, wie auch Dylan- und Musik-Forscher Michael Gray ("The Bob Dylan Encyclopedia", "Song And Dance Man: The Art Of Bob Dylan") auf seinem Blog feststellt. Ein Lobgesang im Musikmagazin "Mojo" hat den Dylanologen alarmiert.


Zusätzliches Charisma

Information

Bob Dylan: Tempest (Columbia/Sony).

Also werde ich an dieser Stelle einmal mit einer nüchternen Feststellung zum Album beginnen: Dylans Stimme hat sich gegenüber den letzten Alben nicht weiter verschlechtert. Wer Dylan in den letzten Jahren bei Konzerten erlebt hat, wird sich darüber freuen. Klar verständlich singt sich "The Mighty Zim", wie er in der US-Presse genannt wird, durch die zehn Songs des Albums. Geradezu bemüht artikuliert er sich, sodass die gebrochene Stimme kaum ins Gewicht fällt und den Songs eher noch ein zusätzliches Charisma verleiht.

Die zehn Nummern überraschen, speziell auch angesichts der Vorberichterstattung. Wer sich ein Abschiedsalbum mit Todesahnungen und dunkler Stimmung erwartet hat, kann sich nur wundern. "Tempest" ist ein typisches Dylan-Album in bester Tradition von Werken wie "Desire" oder "Infidels". Lange Balladen, die die Zehn-Minuten-Grenze auch überschreiten, faszinierende Texte, die sich mit Schwergewichten des Dylan-Oeuvres wie etwa "Desolation Row" oder "Joey" messen können.

Zu erwarten war dieses regelrecht aufmüpfige künstlerische Aufbegehren so nicht mehr. Nach dem drolligen "Christmas In The Heart" hatte man den Künstler vielfach bereits abgeschrieben. Dylan sang Weihnachtssongs - damit schien der einstige Protestsänger für manche seinen Zenit überschritten zu haben.

"It’s soon after midnight and my day has just begun", singt er nun im Song "Soon After Midnight". Und diese Zeilen kann man durchaus für die Karriere des Künstlers nehmen, der mit 71 Jahren schon längst die Mitternacht seines Schaffens überschritten hat. Das Lied selbst ist ein sanftes Liebeslied à la "I’ll Be Your Baby Tonight" - inklusive Mord, wie schon in "Romance in Durango" vorexerziert. Dazu eine einfühlsame Band, die den Song in einem Fifties-Sound kleidet.

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Schlagwörter

Pop-CD, Bob Dylan, Pop

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Dokument erstellt am 2012-09-06 17:39:06
Letzte nderung am 2012-09-11 12:40:09



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