• vom 23.05.2016, 16:35 Uhr

Dylan-Alben

Update: 06.04.2017, 09:45 Uhr

Bob Dylan

Dylan, Bob: Fallen Angels




  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Francesco Campagner

  • Bob Dylan präsentiert mit "Fallen Angels" eine Hommage an US-Klassiker.

Zu seinem 75er gibt sich Bob Dylan unaufgeregt und allürenfrei.

Zu seinem 75er gibt sich Bob Dylan unaufgeregt und allürenfrei.© Rex Features Zu seinem 75er gibt sich Bob Dylan unaufgeregt und allürenfrei.© Rex Features

Ikonen dürfen alles - erst recht, wenn sie Bob Dylan heißen. Seit Jahren verstört der Singer/Songwriter, der vor genau 75 Jahren unter dem Namen Robert Zimmerman das Licht der Welt erblickte, reihenweise seine Fans. Früher schrien sie noch "Judas", heute verlassen sie seine Konzerte, um in den sozialen Medien ihren Ärger kundzutun. War es in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch der Umstieg auf die elektrische Gitarre, der Folk-Puristen empörte, so sind es jetzt die krächzende Stimme und eigenwillige Arrangements, die manche abstoßen.

Doch Bob Dylan sind die Fan-Reaktionen zumeist egal. Zu sehr hat er sich von seinen Anhängern vereinnahmt, fehlinterpretiert und missverstanden gefühlt. Stattdessen war er ein Leben lang auf der Flucht vor ihnen. In den 60ern zog er von New York nach Woodstock, um Ruhe zu finden - was naturgemäß misslang. Denn auch dort versammelten sich Enthusiasten und warteten nur darauf, dass ihr Hohepriester des Protestsongs aus dem Haus trat. Und diskutieren wollten sie über alles, wie Dylan Jahre später verriet, etwa über Biolandbau - ein Thema, zu dem His Bobness nicht wirklich etwas zu sagen hatte.


Für manche eingefleischte Fans war Dylan im Sommer 1966 sogar gestorben. Viele glaubten, es wäre ein Doppelgänger, der den Liedermacher nach dem Motorradunfall am 29. Juli 1966 darstellen würde. Der echte Dylan wäre nie nach Nashville gegangen, um Country-Songs aufzunehmen, so der Vorwurf. Sogar das Plattencover von "John Wesley Harding" wurde analysiert und nach Todesbotschaften untersucht, die natürlich auch prompt gefunden wurden, genauso wie die vier Köpfe der Beatles.

Für tot erklärt
Tatsächlich können nicht alle Menschen mit Bob Dylan heute noch etwas anfangen. In einer italienischen Musikshow hat kürzlich die Star-Moderatorin und Sängerin Raffaella Carrá - in Österreich etwa durch den Hit "A far l’amore comincia tu (Liebelei)" bekannt - Bob Dylan für tot erklärt. "Heute vor 35 Jahren ist Bob Dylan gestorben", meinte die 72-Jährige, ehe die jungen Teilnehmer sie aufklärten: Sie habe die Bobs verwechselt. Vor 35 Jahren starb Bob Marley.

Viele Menschen kennen wiederum nur den Dylan der 60er Jahre. Trotz zahlreicher Grammy-Auszeichnungen seit 1997, trotz Chartserfolgen - das Album "Together Through Life" aus dem Jahr 2009 war in zahlreichen Länder wie etwa den USA, Großbritannien und auch Österreich Nummer eins -, mit Dylan werden nur alten Songs wie "Blowin’ In The Wind", "The Times They Are A-Changing" oder "Mr. Tambourine Man" assoziiert. Die zahlreichen Bootleg-Series-Ausgaben zeigen diese rege Nachfrage nach alten Konzert- und Studioaufnahmen. Zwölf an der Zahl sind bereits erschienen und mit jeder neuen Auflage werden sie teurer und ausgefallener. Die letzte Ausgabe, "The Cutting Edge 1965 - 1966", kostet in der Deluxe-Variante bereits satte 130 Euro.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-05-23 16:38:09
Letzte nderung am 2017-04-06 09:45:27



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Kein Punkt oder Beistrich wird geändert"
  2. Selbstversuch im Bitcoin-Fieber
  3. Dicke Luft bei den britischen Tories
  4. Stabiles Börsen-Debüt von Bitcoin
  5. Parlament erzwingt Veto-Recht über Brexit-Abkommen
Meistkommentiert
  1. Nur Israel jubelt
  2. Finanzspielerei oder Währung der Zukunft?
  3. Selbstversuch im Bitcoin-Fieber
  4. Stabiles Börsen-Debüt von Bitcoin

Werbung




Werbung


Werbung