Frankfurt. Am Mittwoch wird die "Dicke Bertha" zum zweiten und (vorerst) letzten Mal abgefeuert: Gemeint ist nicht das Geschütz aus dem Ersten Weltkrieges, sondern ein geldpolitischer Paukenschlag. Die Europäische Zentralbank schüttet abermals ihr Füllhorn aus und versorgt die Banken unbeschränkt mit billigem Geld - für den ungewöhnlich langen Zeitraum von drei Jahren.
Premiere war am 6. Dezember. Damals haben 523 Banken dankbar zugegriffen und 489 Milliarden Euro abgerufen. Die Wirkung dieser Aktion sei unterschätzt worden, sagte EZB-Chef Mario Draghi nun zur "Frankfurter Allgemeinen" - weil alle massive EZB-Staatsanleihenkäufe, im Jargon martialisch "Bazooka" genannt, erwartet hätten. "Vielleicht hätte ich den Tender als Dicke Bertha ankündigen sollen", scherzt Draghi.
100 Tage des Mario Monti
Der Stimmungswandel im Anleihenmarkt ist offensichtlich - die Eurozone erhält so eine wichtige Atempause. Im Herbst 2011 noch kletterten Tag für Tag die Zinslasten der spanischen und italienischen Staatsanleihen auf Rekordhöhen. Die Eurozone schien kurz vor dem Kollaps, weil Rom seinen Schuldenberg von 1,9 Billionen Euro zu diesen horrenden Konditionen nicht ewig hätte finanzieren können. In der Spitze erreichten die Renditen für zehnjährige Papiere rund 7,5 Prozent. Heute liegt der Wert unter 5,5 Prozent. Nicht einmal Rezessionsprognosen für die Eurozone oder Ratingabstufungen trüben die Laune.
Der Fairness halber: Auch die Politik war nicht untätig - die EU hat mehr Budgetdisziplin gelobt und den "Fiskalpakt" geschnürt. Und Griechenland wird an einen neuen Rettungstropf angeschlossen. Den größten Anteil hatten allerdings Draghi und ein weiterer "Super-Mario", der seit 100 Tagen im Amt ist: Seit dem Wechsel von Party-Premier Silvio Berlusconi zu Mario Monti am 16. November werden Italien erstmals wieder ernsthafte Reformen zugetraut.
Draghi, seit knapp 120 Tagen EZB-Chef, attestieren Ökonomen wiederum, die Zentralbank aus der Sackgasse geführt zu haben. Wegen ihrer strengen Regeln - keine Staatsfinanzierung, strikter Fokus auf Preisstabilität - kann die EZB nicht so frei agieren wie ihr Pendant in Großbritannien oder in den USA. Draghi muss deshalb kreativ sein - und er nützt die Freiräume, seit die deutschen "Falken", also Hardliner und Kritiker wie Axel Weber oder Jürgen Stark, die EZB-Führung verlassen haben.