• vom 14.05.2012, 18:07 Uhr

Euro-Krise

Update: 14.05.2012, 19:26 Uhr
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Kosten für Austritt aus Währungsunion wären für Athen und EU unerträglich

Griechen-Virus macht die Runde


Von Hermann Sileitsch

  • Italien und Spanien zahlen Preis für Spekulationen über den Euro-Ausstieg.

Viele Euro nach Athen: Ein Griechenland-Exit könnte Europa eine Billion Euro kosten. - © dpa-Zentralbild/Jens B?ttner

Viele Euro nach Athen: Ein Griechenland-Exit könnte Europa eine Billion Euro kosten. © dpa-Zentralbild/Jens B?ttner

Brüssel/Athen. Die Debatte über den Euro-Ausstieg Griechenlands droht zur selbsterfüllenden Prophezeiung zu werden: Je öfter darüber spekuliert wird, umso mehr verfestigt sich die Überzeugung , dass es machbar wäre. Was wohl nur als Polit-Bluff gedacht war, um die Verhandlungsposition zu verbessern, wird zum hochbrisanten Poker - gerade angesichts möglicher Neuwahlen: Für die Griechen, die bisher mehrheitlich für den Verbleib im Euro waren, wird der Austritt zur Denkvariante. Schlimmer noch: Investoren, die überzeugt sind, dass es so kommen wird, werden das Szenario noch beschleunigen.

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Jetzt äußern sich sogar Notenbanker, die verschwiegenste Zunft der Finanzindustrie, offen zum Thema. "Ich denke, eine Scheidung auf freundschaftlicher Basis, sollte sie je nötig werden, wäre möglich, wenngleich ich sie bedauern würde", sagte der belgische Zentralbankchef Luc Coene zur "Financial Times". Sein irischer Kollege Patrick Honohan wurde noch deutlicher: "Technisch gesehen kann ein Ausstieg Griechenlands abgewickelt werden. Er wäre nicht notwendigerweise tödlich, aber natürlich auch nicht besonders attraktiv", sagte er bei einer Konferenz in Estland. Es sei nicht vorgesehen, aber "es können eben Dinge passieren, die nicht in den Verträgen stehen".

Was passieren würde, lässt sich bestenfalls erahnen. Einzig die Gewinner stehen schon fest: "Jene Griechen, die ihr Vermögen rechtzeitig außer Landes gebracht hatten, warten nur auf die Rückkehr zur Drachme. Dann könnten sie mit ihren Euros das Land und die Firmen zum Diskontpreis aufkaufen", prophezeit Jannis Emmanouilidis von der Brüsseler Denkfabrik EPC. Profiteure wären somit just superreiche griechische Steuerflüchtlinge - während alle anderen ihre Sparguthaben entwertet sehen würden. Die neue Drachme wurde gegenüber dem Euro Schätzungen zufolge 40 bis 50 Prozent an Wert verlieren.

Drachme per Handstreich
Der Optimismus mancher Notenbanker über einen geordneten Ausstieg überrascht. Fix ist: Eine Rückkehr zur Drachme müsste handstreichartig erfolgen. Die Banken müssten eine Zeit lang geschlossen bleiben. Das Militär müsste die griechischen Grenzen dichtmachen, damit keine Euro-Banknoten außer Landes gebracht werden können. Für alle grenzüberschreitenden Zahlungsverpflichtungen müssten gesonderte Verträge abgeschlossen werden.




Schlagwörter

Euro-Exit, Austritt, EZB, Euro, Griechenland

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-14 18:14:05
Letzte Änderung am 2012-05-14 19:26:25



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