• vom 13.06.2011, 17:43 Uhr

Euro-Krise

Update: 13.06.2011, 17:45 Uhr
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Die Regierung muss Staatsbetriebe im Wert von 50 Milliarden Euro verkaufen - das scheint fast unmöglich

Griechischer Ausverkauf in Zeitlupe



Von den 44 Unternehmen, deren Bilanzen vom Finanzministerium publiziert werden, waren im Vorjahr 18 in den roten Zahlen - wobei die Bahngesellschaft Train OSE mit 140 Millionen Euro Miese den Vogel abschoss. Hellenic Railways soll auf einem Schuldenberg von 11 Milliarden Euro sitzen, die zum Verkauf stehenden Banken - etwa die Agrarbank ATE und die Postbank - stehen erwartungsgemäß ebenfalls knieweich da.

Das Interesse ist folglich alles andere als überwältigend: Daran ändert die Tatsache wenig, dass die Preise durch den Verkaufszwang unter Druck geraten. Bisher sind nur wenigen potenzielle Käufer zu orten. Bestes Beispiel: Die französische Wettfirma PMU (Paris Mutuel Urbain) könnte sich einen Einstieg bei der griechischen ODIE, die auf Pferdewetten spezialisiert ist, vorstellen. Ein Einstieg bei der Gasfirma Depa käme unter Umständen der russischen Gazprom, der italienischen Enel oder der französischen EDF gelegen.

Jedenfalls hat der Finanzminister im Mai für etliche Projekte kommerzielle Berater engagiert, darunter griechische Banken, aber auch ausländische Kreditinstitute wie Deutsche Bank, Credit Suisse, Société Générale, Credit Agricole oder Barclays Bank. Weiters sollen Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young, KPMG oder PwC für die Regierung Entscheidungsgrundlagen auszuarbeiten. Nicht zuletzt treten massenhaft juristische sowie technische Ratgeber aus vieler Herren Ländern in Aktion.

Versteinerte Strukturen der überbürokratisierten Staatsfirmen, antiquiertes Arbeitsrecht, mangelhafte Rechtssicherheit und Korruption werden allerdings Investoren veranlassen, sich ein Engagement gut zu überlegen. "Wenn sich nichts ändert", sagte Ex-Finanzminister Stefanos Manos, "ist der Verkauf der staatlichen Betriebe praktisch unmöglich."

Dem jetzigen Verwalter leerer Staatskassen bleibt nichts übrig, als auf ein Wunder zu hoffen. Giorgos Papakonstantinou will die Wirtschaft massiv umkrempeln, etwa die 12 Häfen in einer Holding vereinen oder die fast 50 Airports des Landes neu gruppieren. Was dann geschehen soll, muss eine erst einzusetzende Kommission entscheiden. Der Finanzminister ist stolz, dass die Lohnkosten bei den meisten der 50 von ihm kontrollierten Staatsunternehmen zuletzt gesunken sind - im Schnitt um 15 Prozent. Die 22.000 Mitarbeiter dieser Betriebe verdienen aber immer noch eine Milliarde Euro - durchschnittlich also 45.000 Euro.

Vor einem Krisentreffen der Euro-Finanzminister heute, Dienstag, mehrten sich die Stimmen für eine freiwillige Beteiligung privater Gläubiger an weiteren Griechenland-Hilfen. Angedacht ist, dass die Investoren - meist Banken - dem hochverschuldeten Staat Zahlungsaufschub gewähren sollen. "Es wird eine sanfte, freiwillige Umschuldung geben müssen", so Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker zuletzt im "Rundfunk Berlin Brandenburg".

Die Schuldenkrise ließ den Euro am Montag zwischenzeitlich auf ein Rekordtief zum Schweizer Franken absacken. 1 Euro war nur noch 1,2004 Franken wert.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-06-13 17:43:31
Letzte Änderung am 2011-06-13 17:45:00



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