
New York. Facebook ist an der Börse gelandet: Nach Wochen der Mutmaßungen über die Investitionsbereitschaft der Anleger hat das soziale Netzwerk bei seinem Start an der US-Technologiebörse Nasdaq die Pflicht erfüllt, blieb die Kür jedoch schuldig. Nachdem der Ausgabepreis mit 38 Dollar pro Aktie am oberen Ende der Preisspanne fixiert worden war, legte die Aktie im freien Handel unmittelbar auf 42,05 Dollar zu, ein Plus von fast elf Prozent. Im Tagesverlauf sackte der Kurs allerdings ab, um den ersten Handelstag nur knapp über dem Ausgabepreis zu beenden. In Summe nahm Facebook zwar 16 Milliarden Dollar (12,3 Milliarden Euro) ein und sorgte damit für einen der größten Börsengänge der Geschichte. Ein Erfolg, der vielen Anlegern aber nicht genug war.
"Ein Sprung von 15 bis 20 Prozent ist im Bereich des Möglichen", hatte Tim Loughran, Finanzprofessor an der Universität von Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana, prognostiziert. Andere Marktbeobachter wagten noch mutigere Prognosen und rechneten gar mit einem Kursplus von 50 Prozent – was sich allerdings nicht einstellen wollte.
"Wir sehen da draußen einige unglückliche Leute. Sie hatten darauf gehofft, dass Facebook sich deutlich besser schlägt. Ich wette, da sind viele enttäuscht", zog Wayne Kaufman vom Brokerhaus John Thomas Financial, Bilanz.
Zweifel an Substanz
Bereits im Vorfeld wurden vielfach Zweifel am Wert des Unternehmens geäußert. Obwohl der Konzern seit drei Jahren profitabel wirtschaftet und 2011 rund eine Milliarde Gewinn machte, verstärkten speziell die jüngsten Quartalszahlen, die einen Rückgang bei Umsatz und Gewinn auswiesen, die Skepsis. Angesichts eines Geschäftsmodells, das nahezu ausschließlich auf Online-Werbung ausgerichtet ist, wurde auch die Frage nach Substanz und Stabilität des Konzerns, der vom Werbewert seiner über 900 Millionen Nutzer großen Community lebt, laut. Insbesondere in Hinblick auf Web-Börsengänge der späten 90er, denen viele Insolvenzen folgten, war die Vorsicht groß.
Der Ablauf des Börsengangs konnte diese kritischen Stimmen zwar nicht zum Verstummen bringen, immerhin aber einige Rekordmarken setzen. Denn mit der Erstnotiz wies man nicht nur den Internet-Rivalen Google in die Schranken, der beim Börsengang 2004 lediglich 1,9 Milliarden einnahm, sondern setzte auch branchenübergreifend einen Meilenstein: In der US-Geschichte spülten nur die Börsengänge von Visa, das im Jahr 2008 19,7 Milliarden Dollar einnahm, und General Motors, bei seinem Neustart 2010 mit 18,1 Milliarden bedacht, mehr Geld in die Kassen. Unter Berücksichtigung der nicht gehandelten Alt-Aktien war Facebook zur Kursspitze des ersten Handelstags 115 Milliarden Dollar wert.
Anwender kaum vom Börsengang betroffen
Die Auswirkungen des Börsengangs auf die Nutzer dürften sich in Grenzen halten. Nicht zuletzt, da Mark Zuckerberg, Gründer und Chef des Unternehmens, die Zügel weiterhin fest in der Hand hält und 56,9 Prozent der Stimmrechte kontrolliert. Änderungen stehen allenfalls im Bereich der mobilen Nutzung ins Haus: Nachdem Facebook hier kurz vor dem Börsengang eine Schwäche einräumen musste, kündigte das Unternehmen an, den steigenden Zugriffen über Smartphones und Tablets mit neuen mobilen Facebook-Diensten Rechnung zu tragen. Die mobile Community, die bisher kaum als Werbefläche fungierte, dürfte künftig also stärker mit Inseraten bespielt werden.
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