• vom 07.02.2014, 15:09 Uhr

Februar 1934

Update: 08.02.2018, 16:57 Uhr

Linz

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Von Julia Rumplmayr

  • In Linz nahmen die Februarkämpfe 1934 ihren Anfang. Eine Reise zu den einstigen Kampforten und in das "rote Linz" der 30er-Jahre.

Der Schutzbündler Rudolf Kunz liegt tot neben seinem Maschinengewehr. - © SPÖ OÖ

Der Schutzbündler Rudolf Kunz liegt tot neben seinem Maschinengewehr. © SPÖ OÖ

Entsetzen in aller Welt: 500.000 Arbeiter demonstrieren am 16. Februar 1934 in New York gegen Dollfuß' Vorgehen.

Entsetzen in aller Welt: 500.000 Arbeiter demonstrieren am 16. Februar 1934 in New York gegen Dollfuß' Vorgehen.© Bettmann/CORBIS Entsetzen in aller Welt: 500.000 Arbeiter demonstrieren am 16. Februar 1934 in New York gegen Dollfuß' Vorgehen.© Bettmann/CORBIS

Mitten im ersten großen Schneetreiben sind die Passanten in der Fußgängerzone heute besonders schnell unterwegs. Bepackt mit Einkaufssäcken, Kinderwägen schiebend, laut telefonierend – das gleiche Bild wie auf jeder größeren Einkaufsstraße. Auch das Haus Landstraße Nummer 36 passieren täglich tausende Menschen. Nichts an seiner Fassade deutet auf seine Rolle in der Geschichte hin. Links ein Einrichtungsgeschäft, rechts eine Modekette, hinten im Hof die Landesgeschäftsstelle der SPÖ. Im Hof war bis 2006 auch das Central Kino, eines der letzten Stadtkinos, beheimatet. Nach dessen Schließung verirrte sich kaum mehr jemand herein. Vor kurzem öffnete hier ein Kaffeehaus, und die Passanten betreten den etwas uncharmanten Hof wieder regelmäßig.

Sie müssen genau schauen, um eine dunkle Tafel zu bemerken, die rechts an die Wand gelehnt ist. Hier liest man zum ersten Mal von dem Datum, das das Haus an der Landstraße, das ehemalige "Hotel Schiff", in die Geschichte eingehen ließ: "12. Februar 1934": "Den Opfern und Kämpfern für Freiheit und Recht zum Gedenken. In diesem Haus gab Rudolf Kunz sein Leben für die Demokratie." Mehr findet man vorerst nicht an diesem Ort, an dem vor 80 Jahren in den frühen Morgenstunden der österreichische Bürgerkrieg begann.

Kampfschauplatz Eisenbahnbrücke.

Kampfschauplatz Eisenbahnbrücke.© Julia Rumplmayr Kampfschauplatz Eisenbahnbrücke.© Julia Rumplmayr

Das Haus, in dem heute die Büros der SPÖ Oberösterreich untergebracht sind, auf dessen Gängen nun Wahlkampfmaterial gelagert wird, hat viel erlebt. Das Hotel Schiff war zunächst Gasthof, später fanden hier im 19. Jahrhundert die ersten Filmvorführungen statt. 1920 erwarben die Sozialdemokraten das Haus, das zu einem zentralen Versammlungsort wurde, besonders für den paramilitärischen Arm der Partei, den Republikanischen Schutzbund. Wenn man die Räume heute durchwandert, kann man sich die Vorgänge aus den Geschichtsbüchern nur noch schwer vorstellen. Der Dametzsaal, in dem der Schutzbündler Rudolf Kunz mit einem Maschinengewehr seinen Posten einnahm, um den Eingang zu bewachen, ist heute ein kleiner Abstellraum. Hier entstand eines der bekanntesten Fotos zum Februar 1934, das Kunz erschossen am Boden zeigt, über ihm sein abschussbereites Maschinengewehr. Seine vermeintlich sichere Position war trügerisch, im Haus gegenüber hatte sich auch das Militär postiert. Im Büro des heutigen Landesgeschäftsführers befand sich 1934 das Büro von Richard Bernaschek.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-02-07 17:09:41
Letzte ńnderung am 2018-02-08 16:57:55








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12. Februar 1934






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