• vom 04.08.2017, 20:16 Uhr

Filmfestival Locarno

Update: 04.08.2017, 20:20 Uhr

Filmfestival Locarno

Fanny Ardant: "Mir ging es immer gut mit Männern"




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Von Matthias Greuling

  • Die Schauspielerin ist in Locarno in einer Rolle als transsexueller Mann zu sehen.

Die Ardant bei der Präsentation. - © Katharina Sartena

Die Ardant bei der Präsentation. © Katharina Sartena

In Frankreich wird sie als lebende Legende verehrt, und zwar zurecht: Fanny Ardant, 68, hat im französischen Kino einen besonderen Platz, denn als ehemalige Muse und Lebenspartnerin von François Truffaut war sie in einigen der spannendsten europäischen Filmproduktionen dabei, allen voran in Truffauts "Die Frau nebenan" (1981), der ihr den Durchbruch brachte und in dessen letztem Film "Vivement dimanche!" (1983), einer grandiosen Hommage an den Film noir, die damals ebenfalls in Locarno Premiere feierte. Doch Ardant war seinerzeit nicht vor Ort, "weil ich mit unserem Mädchen schwanger war", lacht sie beim "Wiener Zeitung"-Interview. Ihre Tochter Josephine kam bald zur Welt, und Truffaut starb knapp ein Jahr später an den Folgen eines Gehirntumors. Eine Zeit des Zusammenbruchs lag vor Ardant. "Es war die dunkelste Zeit meines Lebens", resümiert sie.

Zur 70. Festivalausgabe hat es Fanny Ardant hierher nach Locarno geschafft, mit einer fordernden Rolle als transsexueller Mann in Nadir Moknèches Film "Lola Pater". Darin geht ein junger Mann nach dem Tod seiner Mutter auf die Suche nach seinem Vater, der die Familie vor 25 Jahren verlassen hatte. Dieser Vater, das ist Fanny Ardant. Ein Mann, der im falschen Körper zur Welt kam, weil er immer schon eine Frau sein wollte. "Das Thema des Films ist gar nicht so sehr der transsexuelle Aspekt an der Geschichte", sagt Ardant. "Vielmehr geht es darum, dass wir nur ein Leben haben und dass jeder sein Leben so gestalten soll, wie er es möchte. Es geht um Akzeptanz".

Ardant, aufgewachsen als Tochter eines Kavallerieoffiziers, der der Familie Grimaldi in Monaco diente, hat von Beginn ihres Lebens an gelernt, außerhalb von Klischees zu denken, was ihr im Schauspielerberuf viel geholfen hat. "Dadurch wird man aufgeschlossener und lässt sich von den Figuren auch mal überraschen", findet sie. "Ich selbst habe zum Beispiel nie ein Problem mit der Männerwelt gehabt, weil ich nicht an diese Klischees geglaubt habe. Ich dachte bei Schwierigkeiten nie, dass es daran liegt, dass ich eine Frau bin. Sondern ich suchte das Problem bei mir als Person".

Ardant hat "Männer immer auf ein Podest gestellt. Und ich war nie Feministin. Mir ging es immer gut mit Männern".

Der Schlüssel zu einer solch entspannten Haltung ist für Ardant vor allem die Gelassenheit, wie man an das Thema herangeht. "Es geht doch um die menschlichen Qualitäten, und die haben kein Geschlecht", findet sie. "Cleverness ist nicht männlich oder weiblich, und Wut oder Zorn sind es auch nicht. Es ist immer eine Frage der Gesellschaft, wie sie damit umgeht."

Fanny Ardant, die vielen vor allem dank ihrer Rolle in François Ozons "8 Frauen" an der Seite von Catherine Deneuve, Emmanuelle Béart, Isabelle Huppert oder Danielle Darrieux in Erinnerung ist ("Dieser Film war wie der Kalte Krieg"), ist trotz ihrer vielen Filmerfolge bescheiden geblieben. "Ich sehe diesen Beruf als eine immerwährende Glücksquelle: Am Set wachse ich mit den Kollegen zusammen, danach trennen sich unsere Wege wieder. Aber anstatt in Wehmut und Melancholie zu verfallen, versuche ich, stets im Moment zu leben. Nur so kann ich ihn einfangen", sagt Fanny Ardant. "Nur so habe ich das Gefühl, zu leben."





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-04 20:18:35
Letzte nderung am 2017-08-04 20:20:47




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