Mit seiner Dramödie "Nachtlärm" kehrt der Schweizer Regisseur Christoph Schaub nach seiner Locarno-Premerie von "Giulias Verschwinden" vor drei Jahren, heute Abend auf die Piazza Grande zurück. Die deutsche Schauspielerin Alexandra Maria Lara spielt in "Nachtlärm" die junge Mutter Livia, deren ohnehin längst nicht mehr optimale Beziehung mit ihrem langjährigen Freund Marco (Sebastian Blomberg) extrem darunter leidet, dass ihr gemeinsames, neun Monate altes Kind permanent schreit. Die einzige Möglichkeit, es zum Durchschlafen zu bringen ist, es nachts bei Tempo 130 im Auto durch die Gegend zu fahren.
Für Schaub ist dies die zweite Zusammenarbeit mit Autor und Skriptschreiber Martin Suter, der ihm das Drehbuch genauso gepitcht hatte, wie Schaub im Interview erzählt. "Ein Schreibaby mit einer Einschlaf-Geschwindigkeit von 130 kmh klang schon interessant", so Schaub. Dass die Geschichte dann absurd-dramatische Wendungen nimmt, habe ihn schließlich überzeugt: Als sowohl Livia als auch Marco bei einer ihrer gemeinsamen nächtlichen Ausfahrten an einer Tankstelle einmal gleichzeitig das Auto verlassen, wird es prompt geklaut, samt Baby an Bord. Der Dieb Jorge (Georg Friedrich) will mit seiner soeben getätigten Eroberung Claire (Carol Schuler) ein wenig Spass haben, und um ihn zu verfolgen, schnappen sich Livia und Marco kurzerhand ebenfalls ein fremdes Auto. Leider das eines anderen Kriminellen.
"Ich verstand während des Drehs nie wirklich, warum alle von einer Komödie reden", erzählt Lara im Gespräch. "Für mich war das pures Drama, ein Baby wird gestohlen, eine Beziehung steht auf der Kippe, und dann gibt es auch noch einen Unfall, also ich habe nicht viel gelacht." Vor allem die Tatsache, dass sie hier viele Szenen auf engstem Raum (in einem Auto) und dadurch beschränkt nur auf den Oberkörper spielen musste, war eine Herausforderung, so Lara. "Alexandra ist eine sehr emotionale Schauspielerin", beschreibt sie Schaub, "ebenso wie Georg Friedrich." Den Wiener als Jorge zu casten, hatte er beim Lesen des Drehbuchs schon im Kopf, so Schaub. "Er ist einfach so ein Strizzi, das passte perfekt." Gerade anhand der beiden Pärchen zeigen sich die Dynamiken von Charakteren unter Stress, obwohl "das Baby die Hauptfigur im Film ist", betont Schaub.
Dass Livia und Marco sich in dieser Extremsituation erst noch mehr von einander entfernen, sich voneinander emanzipieren, um dann wieder zusammenzufinden, kann Lara, die seit 2009 mit dem britischen Schauspieler Sam Riley verheiratet ist, gut nachvollziehen: "Oft fühlt man sich in Beziehungen einsamer als wäre man Single", sagt sie. "Ich habe glücklicherweise einen Mann, der sehr gute Sensoren hat und mir dieses Gefühl nicht gibt, aber trotzdem weiss ich: Am Ende ist man immer mit sich alleine." Der Gedanke an ein mögliches Schreibaby halte sie jedenfalls nicht davon ab, irgendwann selbst einmal Kinder haben zu wollen.
Es ist immer das Gleiche: Ein Schuldner bezahlt seine Handyrechnung, seine auf Pump gekauften Möbel oder seine Leasingraten nicht...
weiter
Es ist die Realität, aber es wirkt wie ein Zerrbild. Das, was der rumänische Regisseur Cãlin Peter Netzer in seinem Film "Mutter und Sohn" vorführt...
weiter
Mit Kraft und Geist(az) Als der Phobiker Martín von seiner Freundin verlassen wird, vergräbt er sich in seiner Einzimmerwohnung...
weiter
Cannes. Ein wenig irritierend wirkt es immer noch: Das prestigeträchtigste Festival der Welt eröffnet heute tatsächlich nicht mit einer Weltpremiere...
weiter
Unter dem Titel "Content Award" sucht die Technologieagentur der Stadt Wien (ZIT) alljährlich Computerspiele, Kurzfilme und Installationen...
weiter