• vom 04.09.2017, 06:42 Uhr

Filmfestival Venedig

Update: 04.09.2017, 07:10 Uhr

Filmfestival Venedig

Die Beatles und Jesus irren nicht




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Von Matthias Greuling aus Venedig

  • Guillermo del Toro hat beim Filmfestival in Venedig seinen neuen Fantasy-Film "The Shape of Water" vorgestellt.

Regisseur Guillermo del Toro und Hauptdarstellerin Sally Hawkins. - © Katharina Sartena

Regisseur Guillermo del Toro und Hauptdarstellerin Sally Hawkins. © Katharina Sartena

Mit dem Fantasy-Genre ist das so eine Sache. Entweder, man mag es, oder eben nicht. Und was hat Fantasy eigentlich auf einem Kunstfilmfestival wie der Biennale von Venedig verloren?

Die Antwort gibt Guillermo del Toro, der seit "Pan’s Labyrinth" als einer der Visionäre des Genres gilt. Nach Venedig hat der Mexikaner seine neue Arbeit "The Shape of Water" mitgebracht, und zwar direkt in den Wettbewerb um den Goldenen Löwen. Man sieht: Fantasy kann auch künstlerischen Anspruch haben.

Und das, obwohl hier vorderhand einmal recht abstruse Dinge passieren: In "The Shape of Water" verlieben sich eine stumme Putzfrau und ein Wassermonster ineinander. Eine Lovestory, die es den Kritikern hier am Lido merklich angetan hat, so begeistert waren die Wortmeldungen. "Visuell und emotional hinreißend", fand das der "Hollywood Reporter", "makellos" der "Guardian". Alberto Barbera, der Festivalchef der Filmfestspiele, nannte den Film "den besten von del Toro seit einem Jahrzehnt".

Parallelen zur Gegenwart

Die Story um ein Monster (Doug Jones), das von der US-Regierung geheim gehalten wird und eine Beziehung zur Putzfrau (Sally Hawkins) entwickelt, ist ein Mix aus Fantasy, Romanze und Kalter-Krieg-Thriller, der auch die zeitgenössischen Zustände kommentiert. "Fantasy war schon immer ein sehr politisches Genre", findet der Regisseur. "Obwohl unser Film 1962 spielt, ist es doch ein Film über unsere Gegenwart, und über das heutige Amerika". Damals sei Amerika voller Hoffnungen gewesen, ganz im Sinne des Slogans "Make America Great Again", doch es gab auch ausgeprägten Rassismus und ein starkes Klassendenken. "Das ist heute wieder so", findet del Toro, und er bläst damit grundsätzlich ins gleiche Horn wie George Clooneys "Suburbicon", eine Blut-Orgie, angesiedelt in den 1950ern, wo es auch Rassismus gibt und sich daher Parallelen zur Gegenwart ziehen lassen. So langsam wird diese Mostra del Cinema zur Protestveranstaltung für alle Trump-Kritiker.


Gefühle des Fremdseins machen sich breit, das lässt auch Guillermo del Toro durchklingen: "Ich kann die Gefühle des Monsters im Film sehr gut nachvollziehen, denn ich bin Mexikaner, und als solcher gewohnt, ‚der Andere‘ zu sein."

Aber del Toro gibt sich hoffnungsvoll, trotz aller Dramatik, die "The Shape of Water" an den Tag legt: "Das Problem, die wir heute haben, nämlich uns zwischen Angst und Liebe entscheiden zu müssen, ist ein Desaster. Liebe ist die stärkste Kraft im Universum", so Guillermo del Toro. "Es kann doch nicht sein, dass sich sowohl die Beatles als auch Jesus darin geirrt haben".




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Dokument erstellt am 2017-09-04 06:50:31
Letzte Änderung am 2017-09-04 07:10:30




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