• vom 17.08.2012, 16:47 Uhr

Forum Alpbach 2012

Update: 17.08.2012, 22:31 Uhr
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Wie Internet-Partnerbörsen die Liebe verändern


Von Eva Stanzl aus Alpbach

  • Der Wunsch nach Liebe widerspricht dem Wunsch nach Dauerhaftigkeit.

Cornelia Koppetsch: "Liebe ist ein Refugium."

Cornelia Koppetsch: "Liebe ist ein Refugium."IFS/TU Darmstadt Cornelia Koppetsch: "Liebe ist ein Refugium."IFS/TU Darmstadt

Alpbach. Der Raum ist voller junger Menschen, so viele Männer wie Frauen: Eine Sozialpädagogin sucht neue Ideen zur Beratung von Teenagern zum Thema Liebe, ein Bundesheer-Soldat will reflektieren, was Partnerschaft für ihn bedeutet, ein Chemie-Student seine Befürchtungen darüber zerstreuen, dass immer mehr Beziehungen zu Bruch gehen.

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"Im Unterschied zur vor-industriellen Zeit, als der Zweck von Partnerschaft und Familie das ökonomische Überleben war, ist heute die Liebe für die meisten Menschen bei der Partnerwahl zentral. Wenn man sie fragt, warum sie jemanden suchen, gibt ein Großteil an, weil sie sich verlieben wollen", betont Cornelia Koppetsch, Professorin für Geschlechterverhältnisse, Bildung und Lebensführung der Technischen Universität Darmstadt, deren Alpbacher Seminar "Partnerschaften von Morgen" am Freitag startete.

Sagt heute eine Frau, sie habe geheiratet, weil der Mann reich ist, wird sie als zynisch wahrgenommen. Für die meisten gilt das Erleben von Emotionalität und der eignen Innenwelt als einziger legitimer Grund für den Beginn einer Partnerschaft. Dieses Ideal auszuleben ermöglichte wohl ursprünglich die romantische Literatur, heute ist es der gesellschaftlich-kulturelle Konsens.

Und dennoch kommen echte Prinzen und Prinzessinnen nur selten des Weges: Entspricht ein Partner nicht exakt der eigenen Vorstellung von romantischer Liebe, trennt man sich. Und probiert es mit dem nächsten, lebt in Serien-Monogamie. "Die Liebe ist zum Refugium geworden in einer entzauberten Welt. Sie ist ein Weg, Transzendenz zu erfahren und Sinnstiftung zu erleben", sagt Koppetsch zur "Wiener Zeitung". Die Schwierigkeit, die künftige Generationen zu überwinden hätten, sei den Wunsch nach intensiver Liebe danach mit dem nach Dauerhaftigkeit zu vereinen. Allerdings, wirft die Bildungs- und Sozialforscherin ein, "haben das auch schon vorherige Generationen nicht geschafft. Denn ein besonderes Charisma lässt sich kaum institutionalisieren, eine besondere Eigenschaft stirbt im Alltag."

Rationalität statt Romantik
Ist die Institution der Ehe zu eng gesteckt? Koppetsch findet ja - zumindest für jene, die jeden Tag Schmetterlinge im Bauch haben wollen. Wer dauerhaft in einer fixen Bindung glücklich sein wolle, müsse akzeptieren, dass er dabei nicht ständig neu verliebt sein werde. Dennoch wurde die Liebe in den letzten Jahrzehnten zum fixen Bestandteil der Ehe, weil man diese als bloßes Rahmenwerk für eine Partnerschaft als unbefriedigend erkannte.

Das Unbehagen, das junge Menschen gegenüber diesem Konflikt empfinden, manifestiere sich in der Tatsache, dass immer mehr von ihnen die Partnerbindung nach hinten verschieben. "Sie können konsumieren, führen ein schönes Leben auch ohne Partner", sagt Koppetsch. In diesem Freiraum wählen sie kritisch aus.

Partnerschaftsbörsen im Internet erweitern das Umfeld: "Man kann nun Menschen finden, die in der eigenen Lebenswelt nicht vorkommen." Allerdings nur mit System. "Früher leistete das Umfeld die Vorselektion. Heute muss man es selbst leisten durch Selbstreflexion beim Ausfüllen von Fragebögen." Wünsche werden gespitzt auf den Punkt gebracht, Persönlichkeitsprofile abgeglichen. Das ist nicht intuitiv und nicht romantisch - trotzdem hofft man auf eine romantische Liebe - "ein Widerspruch", sagt Koppetsch. "Das alles verändert die Liebe, es rationalisiert sie."

In Internet-Börsen tummeln sich zudem jede Menge Leute, die alles wollen, nur keinen Partner. Verheiratete, die es verschweigen, Menschen, die sich nur austoben wollen ohne ernsthafte Ambitionen. Wer enttäuscht wird, steigt wieder aus. Ganz ohne Liebe.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-17 16:53:09
Letzte Änderung am 2012-08-17 22:31:06


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