Er wird bei diesen Wahlen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht Präsident werden, dennoch hat es der Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon zum Star des Wahlkampfes gebracht. Fünfzehn Prozent der Wahlberechtigten wollen Umfragen zufolge am 22. April ihr Kreuz hinter dem Namen des ehemaligen Trotzkisten machen.
In der Wählergunst hat der 60-Jährige damit die rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen vom dritten Platz verdrängt.
Zwar liegt Mélenchon mit seinen Umfragewerten weit hinter dem konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy und dessen sozialistischen Herausforderer Francois Hollande. Doch er hat das Protestpotenzial weitgehend auf sich vereinigt, das sich zu früheren Zeiten Trotzkisten, Kommunisten, Sozialisten, linke Nationalisten und Grüne geteilt hatten.
In seinen Wahlkampfreden fordert er, Frankreichs Souveränität neue Geltung zu verschaffen und der Nato den Rücken zu kehren.
Wahlprogramm
Auch feurige Aufrufe zum Kampf erfreuen das Publikum, das zu Sätzen wie "Wenn es keine Freiheit mehr gibt, ist der Aufstand die heilige Pflicht der Republik" begeistert die roten Fahnen schwenkt. Für den Fall des Wahlsiegs verspricht er, den Mindestlohn auf monatlich 1700 Euro zu erhöhen und die Jahreseinkommen bei 360.000 Euro zu deckeln. Jeder Cent darüber soll dem Staat zufließen, und das Renteneintrittsalter will der Linke wieder auf 60 Jahre senken. Außerdem punktet Mélenchon mit EU-kritischen Positionen, aktuell vor allem gegen den Fiskalpakt, bei der Bevölkerung.
Eine klare Sprache und ein eindeutig antikapitalistischer Kurs bescheren Mélenchon viel Zuspruch, zehntausende Menschen finden sich zu den Wahlkampfveranstaltungen der "Front de gauche" (eine Fusion der Kommunisten und der Parti de Gauche) ein, in Paris folgten zuletzt sogar mehr als 100.000 Personen dem Aufruf Mélenchons zu einem "Marsch auf die Bastille".
Außerdem schaffte es der wortgewandt Politiker auch, die rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen zum Schweigen zu bringen. Sie verweigerte ihm während einer Fernsehdiskussion die Diskussion, nachdem er mehrmals den wahren Charakter des Front National gezeigt hatte: denn Le Pens politischer Diskurs funktioniert nur solange, solange sie nicht auf präzise Argumente zu antworten hat. Mit Mélenchon hat nun aber ein Politiker die Bühne betreten, der dieses Spiel auch aufzeigen kann.
Le Pen weigert sich seither, mit ihm zu debattieren, unter anderem mit der Begründung, Mélenchon sei bei den Wahlen im Unterschied zu ihr eine im Wahlkampf unbedeutende Figur. Angesichts der Umfragewerte entbehrt dieses Argument allerdings jeglicher Grundlage.
Mobilisierung

Experten zufolge hat Mélenchon mit seinem Wahlkampf indirekt dem Sozialisten Hollande geholfen - weil er Industriearbeiter, Studenten und Arbeitslose mobilisierte, die anderenfalls nicht gewählt oder Le Pen die Stimme gegeben hätten.
Ein zu großer Erfolg würde hingegen bürgerliche Wähler abschrecken, auf dass sie im zweiten Wahlgang am 6. Mai ihr Kreuz bei Sarkozy machen werden. Der konservative Amtsinhaber warnte deshalb schon, dass Hollande zur "Geisel Mélenchons" werden könne.
Ministeramt möglich
Wenn denn die Bedingungen stimmen, so ließ Mélenchon seine Sprecherin unlängst verlauten, werde er seine Linkspartei in ein Regierungsbündnis mit Hollandes Sozialisten einbringen. Kabinettserfahrung hat das Kind der Revolte von 1968, das so gar nichts über sein Privatleben verlauten lässt, auf jeden Fall: Unter dem sozialistischen Premier Lionel Jospin war er von 2000 bis 2002 Minister für Berufsbildung.
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