Paris. Jüngsten Meinungsumfragen zufolge wird der sozialistische französische Präsidentschaftskandidat Francois Hollande (PS) bereits im ersten Wahldurchgang am kommenden Sonntag vor dem amtierenden konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy (UMP) die Führung übernehmen.
Alle anderen Kandidaten liegen in den Umfragen weit hinter den beiden Favoriten. Die einzigen Ungewissheiten sind einerseits, ob Sarkozy oder Hollande im ersten Durchgang in Führung liegen (beide erhalten laut Umfragen knapp 30 Prozent der Stimmen), und andererseits ob der Linksaußen Jean-Luc Melenchon von der "Linksfront" aus Kommunisten (PCF) und Linkspartei (PG) oder die Rechtsaußen Marine Le Pen von der "Front National" (FN) den dritten Rang belegen. An vierter Stelle wird sich voraussichtlich der zentrumsbürgerliche Chef der "Mouvement Democrate" (MoDem), Francois Bayrou, befinden.
Viele entscheiden erst in letzter Minute
IFOP-Vizedirektor Frederic Dabi betonte allerdings, dass rund 20 Prozent der Befragten erklärten, dass sie sich erst in letzter Minute für den einen oder den anderen Kandidaten entscheiden werden. Gemeinsam mit den Unentschlossenen machen diese rund 13 bis 15 Millionen Wähler aus, so Dabi. Es handelt sich bei den Wählern um das sogenannte "stille Frankreich", an das Präsident Sarkozy jüngst wiederholt appelliert hatte, um doch noch eine Umkehr der Tendenz heraufzubeschwören.
"Die Würfel sind noch nicht gefallen", sagte Gael Sliman vom Meinungsforschungsinstitut BVA und erinnerte daran, dass es "Querverbindungen" zwischen den Wählern von Marine Le Pen und Jean-Luc Melenchon gebe. Dies könnte den beiden Favoriten etwa zwei Prozentpunkte kosten und die Rangliste nach dem ersten Wahldurchgang verändern. Psychologisch ist es für den amtierenden Präsidenten sehr wichtig, als Favorit bei der Stichwahl anzutreten, weil ansonsten seine politische Bilanz der letzten fünf Jahre bereits angeschlagen erscheint.
Polemik um frühere Ergebnis-Veröffentlichung
Eine Debatte hat unterdessen auch der Umstand ausgelöst, dass gewisse ausländische Medien und soziale Netzwerke im Internet angekündigt haben, dass sie die ersten Ergebnisse bereits vor der Schließung der letzten Wahlbüros um 20 Uhr in Paris veröffentlichen wollen. Dies hält eine Mehrheit von 64 Prozent der Franzosen laut einer Harris-Umfrage für eine "schlechte Sache". 56 Prozent sind der Ansicht, die Veröffentlichung könne jene Bürger beeinflussen, die noch nicht gewählt haben. In der Studie erklärten sich neun Zehntel der Befragten überzeugt, dass Netzwerke wie Facebook und Twitter Ergebnisse von Exit-Polls vor Ende der Wahlen verkünden werden.
Der französischsprachige belgische Rundfunk RTBF kündigte bereits an, dass schon um 18 Uhr die ersten Exit-Polls zu den französischen Wahlen im Fernsehen veröffentlicht werden sollen. Im Radio werde dies bereits um 17 Uhr der Fall sein, hieß es. In Frankreich ist es gesetzlich verboten, vor 20.00 Uhr vorläufige Wahlergebnisse zu veröffentlichen.
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