Wien/Paris.

Solche Sprüche kommen vor allem im traditionell rechts wählenden Süden Frankreichs mit seinem hohen Migrantenanteil gut an. Allerdings ist die Spitzenkandidatin der ultrarechten Front National (FN), Marine Le Pen, nicht gewillt, ihre Klientel mit Sarkozy zu teilen. Auch eine Wahlempfehlung für Sarkozy in der Stichwahl hat Le Pen bislang abgelehnt.
Dabei wäre für Sarkozy bei den FN-Wählern einiges zu holen. In aktuellen Umfragen liegt die Partei bei 14 bis 17 Prozent. Le Pen hofft sogar, das Resultat ihres Vaters von 2002 zu toppen. Damals kam Jean-Marie Le Pen auf 16,86 Prozent der Stimmen - genug um die Stichwahl zu schaffen, wo er allerdings gegen Jacques Chirac chancenlos war.
Aber selbst wenn Marine Le Pen mehr schafft als die 16,86 Prozent, für die Stichwahl wird es sich kaum ausgehen, liegen doch Hollande und Sarkozy mit 30 beziehungsweise 27 Prozent in den Umfragen deutlich voran. Trotzdem wird sich die 43-jährige Juristin, die im Jänner 2011 die Front National von ihrem Vater übernommen hat, am Wahlabend als Siegerin fühlen können, wird sie doch das Ergebnis von 2007 deutlich überbieten. Damals kam Jean-Marie Le Pen gerade einmal auf 10,44 Prozent. Der Grund dafür war ein stark rechts-fokussierter Wahlkampf Sarkozys.
Das versucht Sarkozy auch diesmal. So sehr, dass sich der Präsident sogar ernsthaft auf eine Diskussion um Halal-Fleisch (die Tiere werden nach muslimischen Vorschriften geschlachtet, Anm.) einließ. Dieses müsse gekennzeichnet werden und habe in Schulkantinen nichts verloren, so Sarkozy.
Versuch der Entnazifizierung
Während der Präsident also mit rechten Sprüchen punkten will, versucht Marine Le Pen seit einem Jahr, ihre Partei vom Nimbus des Extremen zu befreien. Hatte Jean-Marie Le Pen die Gaskammern im Dritten Reich noch als "Detail der Geschichte" abgetan, distanziert sich Marine Le Pen von jeglicher Holocaust-Verharmlosung. Rassistische Tiraden und Antisemitismus werden in der FN nicht mehr geduldet. Wer sich nicht daran hält, geht. Einige Funktionäre mussten seither ihren Sessel räumen.
Freilich hindert das Le Pen nicht daran, gegen Islamisten zu wettern - erst recht nach den Terroranschlägen von Toulouse - und vor Überfremdung zu warnen. Allerdings versucht die zweifach geschiedene Mutter dreier Kinder, das Themenspektrum der Front National zu erweitern - um klassisch rechtspopulistische Themen: Das Scheitern der Regierung wird ebenso angeprangert wie die Europäische Union und der Euro. So soll ein europaweites Referendum über die Abschaffung der Gemeinschaftswährung abgehalten werden. Auch die Grenzen Frankreichs will Le Pen wieder dichtmachen.
Bei diesem Plan dürfte ihr Sarkozy nun allerdings zuvorgekommen sein. Aber auch wenn Sarkozy auf Le Pens Wähler schielt, eine ihrer Kerngruppen kann er schlecht erreichen: die vom herrschenden System enttäuschten Protestwähler.
Derer gibt es - gerade in Krisenzeiten - nicht wenige. Dennoch wird Le Pen es nicht in die Stichwahl schaffen. Selbst um Platz drei liefert sie sich ein hartes Rennen mit Jean-Luc Melenchon von der "Linksfront". Dennoch könnte sie, könnten ihre Wähler die Wahl letztendlich entscheiden - sofern sich Marine Le Pen doch noch zu einer Wahlempfehlung für Sarkozy durchringt.
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