• vom 29.04.2012, 17:42 Uhr

Frankreich 2012

Update: 29.04.2012, 17:54 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Französischer Wahlkampf wird zunehmend zur Schlammschlacht



  • Sarkozy und Hollande müssen sich wegen Vorwürfen rechtfertigen.

Frankreichs Noch-Präsident Nicolas Sarkozy muss sich vor der Stichwahl gegen Vorwürfe zur Wehr setzen. - APAweb / Michel Euler / AP / dapd

Frankreichs Noch-Präsident Nicolas Sarkozy muss sich vor der Stichwahl gegen Vorwürfe zur Wehr setzen. APAweb / Michel Euler / AP / dapd

Paris. Vor der Stichwahl um das französische Präsidentenamt wird der Wahlkampf zunehmend zur Schlammschlacht. Amtsinhaber Nicolas Sarkozy warf den Unterstützern von Herausforderer François Hollande am Sonntag eine "infame" Kampagne vor, nachdem Dokumente aufgetaucht waren, wonach Libyen Sarkozys Wahlkampf 2007 unterstützen wollte. Hollande musste sich derweil wegen einer Party mit dem skandalumwitterten Dominique Strauss-Kahn rechtfertigen.

Wahlkampfspende aus Libyen?
Das Internet-Enthüllungsmagazin Mediapart veröffentlichte am Samstag ein Dokument, wonach Libyen bereit war, Sarkozys Wahlkampf im Jahr 2007 mit 50 Millionen Euro zu unterstützen. Darin ist von einer entsprechenden "Grundsatzvereinbarung" die Rede. Ob das Geld tatsächlich geflossen ist, blieb offen.

Mediapart wurde das Dokument nach eigenen Angaben von früheren führenden Vertretern Libyens zugespielt. Das Schreiben sei 2006 an den ehemaligen libyschen Kabinettschef und Chef des Staatsfonds, Bashir Saleh, adressiert worden, der heute im Exil in Frankreich lebt. Salehs Anwalt teilte der Nachrichtenagentur AFP jedoch mit, Saleh habe das Dokument nie erhalten, zudem gebe es "große Vorbehalte" hinsichtlich dessen Echtheit.

Finanzierungs-Gerüchte kursieren seit langem
"Das ist infam, das ist eine Fälschung", wies Sarkozy die Vorwürfe am Sonntag im Fernsehsender Canal+ zurück. Mediapart sei "für unlautere Mittel bekannt und eine Agentur im Auftrag der Linken". Die Internetseite wurde von einer Gruppe linksgerichteter Journalisten gegründet und wird von gleichgesinnten Investoren gefördert.

Um die Finanzierung von Sarkozys Wahlkampf 2007 kursieren seit langem Gerüchte, wonach dabei illegale Gelder aus dem Ausland zum Einsatz gekommen seien. Mediapart berichtete dabei immer wieder über dubiose Beziehungen zu angeblichen Mittelsmännern. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, müssten Sarkozy und sein Wahlkampfteam mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Enthüllungen als Ablenkungsmanöver
In einem Interview mit dem "Parisien" vom Sonntag nannte Sarkozy die Enthüllung einen "Versuch", von der jüngsten Wortmeldung des einstigen Hoffnungsträgers der Sozialisten, Strauss-Kahn, abzulenken. Die These, Sarkozy könne hinter dem Skandal um die vorgeworfene versuchte Vergewaltigung eines Zimmermädchens in einem New Yorker Hotel durch Strauß-Kahn stecken, sei "vulgär".

Strauss-Kahn hatte seine politischen Gegner laut einem Zeitungsbericht mitverantwortlich für seinen Sturz gemacht. Er hätte nicht gedacht, dass diese "so weit gehen würden", sagte er laut einem vom britischen "Guardian" veröffentlichten Interview. Strauss-Kahn wies allerdings am Sonntag zurück, der Zeitung das Interview gegeben zu haben. Die Zeitung erklärte daraufhin über Twitter, das Gespräch habe am 13. April stattgefunden und zwei Stunden gedauert.

Sozialisten für Party in Rotlicht-Bar
Die Sozialisten mussten sich am Sonntag unterdessen bezüglich einer Party am Vorabend erklären, die in einer für Prostitution bekannten Pariser Bar stattfand und an der auch Strauss-Kahn teilnahm. An der Geburtstagsparty des Sozialisten Julien Dray nahmen mehrere Mitglieder von Hollandes Wahlkampfteam teil, Hollande selbst war nach eigenen Angaben nicht eingeladen. Sarkozys Sprecherin Nathalie Kosciusko-Morizet forderte Hollande auf, zu erklären, ob er die Party gutheiße oder verurteile. Hollande sagte Canal+, Strauss-Kahn sei "kein Teil des politischen Lebens mehr" und werde dorthin auch "nicht mehr zurückkehren".

Die Stichwahl zwischen Sarkozy und seinem Herausforderer Hollande findet am kommenden Sonntag statt. Einer jüngsten Umfrage des Instituts LH2 vom Sonntag zufolge kann Hollande mit 54 Prozent der Stimmen rechnen, Sarkozy mit 46 Prozent.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-29 17:43:07
Letzte Änderung am 2012-04-29 17:54:41


Frankreich 2012: Das Ergebnis des zweiten Wahlgangs

Das von der französischen Wahlbehörde verlautbarte offizielle Endergebnis des zweiten Wahlgangs der französischen Präsidentschaftswahlen 2012 ergab... weiter




In den Programmen von Hollande und Sarkozy finden sich auch Übereinstimmungen

Der nächste Präsident muss sparen

(ja) Nicht nur der Inhalt auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung von Programmen kann wahlentscheidend sein. Der sozialistische... weiter




Hollande klarer Favorit der Stichwahl

Frankreich 2012: Umfragen zur Wahl

Hellseher - Klaus Eppele - Fotolia.com In der Vorwahlzeit stehen die Meinungsforscher im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Die Prognosen für den zweiten Wahlgang sagen einen klaren... weiter




Frankreich 2012: Das Ergebnis des ersten Wahlgangs

Frankreich 2012 - 1. Wahlgang - Marie-Lan Nguyen (2), besoindegauche - Charles Hendelus, EPP, Antonin Borgeaud - Creative Commons Das von der französischen Wahlbehörde verlautbarte offizielle Endergebnis des ersten Wahlgangs der französischen Präsidentschaftswahlen 2012... weiter




Die Kandidaten des ersten Wahlgangs

Frankreich 2012 Kandidaten 1 - Marie-Lan Nguyen, besoindegauche - Charles Hendelus, EPP, Antonin Borgeaud, Marie-Lan Nguyen - Creative Commons Drei Kandidatinnen und sieben Kandidaten haben sich für die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahlen am 22... weiter




Der französische Präsident steht an der Spitze des politischen Systems

Das mächtigste Staatsoberhaupt in der EU

Politisches System Frankreich - Ladyt - Creative Commons Von allen Staatsoberhäuptern der Europäischen Union hat der französische Präsident die größten Vollmachten. Seine starke Stellung verdankt er der... weiter




Kandidaten brauchen breit gestreute Unterstützung

Wie wird gewählt?

Elysée - Pang-hung liu - Creative Commons Der Präsident der Republik Frankreich wird in allgemeiner und direkter Wahl gewählt. Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre... weiter




Die Präsidenten Frankreichs

De Gaulle - KA PS - Creative Commons Der Präsident der Republik (Président de la République) ist Vorsitzender des Ministerrats, Staatsoberhaupt und repräsentiert  Frankreichs auf... weiter



Werbung



Beliebte Inhalte






Schwere Unwetterschäden nach einem Murenabgang im Ortskern von Hallstatt aufgenommen am Mittwoch, 19. Juni 2013. Nach einem heftigen Unwetter ist der Mühlbach über die Ufer getreten wobei eine Mure den Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt hat.

Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk. Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

19.6.2013: Ein Turopolje-Schwein schwimmt in einem Teich im Tierpark in Schleswig-Holstein. Die robusten Schweine stammen ursprünglich aus den Flussniederungen der Save in Kroatien. Die Turopolje sind ausgezeichnete Schwimmer, die sich bei Überschwemmungen die Nahrung auch unter Wasser suchen und sogar nach Muscheln tauchen. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Werbung