Paris. Francois Hollande darf sich als eigentlicher Gewinner des TV-Duells vor der entscheidenden Stichwahl um das französische Präsidentenamt fühlen. Zwar sahen Experten im unerwartet heftigen Schlagabtausch des Sozialisten mit dem amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy am Mittwoch keinen Sieger. Hollande liegt allerdings in den Umfragen ohnehin vorne. Und Sarkozy hätte, Experten zufolge, im TV-Duell deutlich punkten müssen, um den Rückstand aufzuholen. Doch dies gelang ihm nicht.
Die Diskussion zwischen dem konservativen Amtsinhaber Sarkozy und seinem sozialistischen Herausforderer Hollande sei "mehr oder weniger" ein Unentschieden gewesen, sagte der Politikwissenschaftler Emmanuel Rivière vom Umfrageinstitut TNS-Sofres.
Allerdings habe Hollande nur einen Fehler vermeiden müssen, um seine Stellung als Favoriten zu wahren, sagte Rivière. Dies habe Hollande, der in den Umfragen zuletzt mit deutlichem Vorsprung vor Sarkozy lag, nach einiger Zeit verstanden und sich entspannt. Sarkozy sei es in der Debatte, in der die beiden Politiker neben politischen Argumenten auch persönliche Angriffe austauschten, nicht gelungen, Hollande entscheidend zu treffen.
Überraschend heftiger Schlagabtausch
Andere Beobachter zeigten sich von der Heftigkeit des Schlagabtauschs überrascht. Gael Sliman vom Umfrageinstitut BVA sagte, zuletzt habe es 1988 zwischen dem Sozialisten François Mitterand und dem Konservativen Jacques Chirac eine derart harte Diskussion gegeben. In der Debatte, während der sich die beiden Kontrahenten oft kaum gegenseitig zu Wort kommen ließen, hatte Sarkozy Hollande wiederholt als "arrogant" und als "Lügner" bezeichnet.
Es war das einzige Fernsehduell vor der Stichwahl am Sonntag. Die dreistündige Debatte wurde von Wirtschaftsthemen wie Eurokrise und Arbeitslosigkeit beherrscht, doch diskutierten sie auch über Einwanderung, die Haltung zum Islam und die Einführung des kommunalen Wahlrechts für Ausländer. Seit der ersten Wahlrunde wirbt Sarkozy offensiv um die Stimmen des rechtsradikalen Front National, dessen Kandidatin Marine Le Pen auf 18 Prozent kam.
Viele Beobachter hatten im Vorfeld erklärt, Sarkozy müsse angesichts seines deutlichen Rückstands auf Hollande in dem TV-Duell schon mächtig punkten, um bei der Stichwahl am 6. Mai doch noch wiedergewählt zu werden.
17,8 Millionen schauten zu
Die Fernsehdiskussion verfolgten 17,8 Millionen Zuschauer. Der unter Berufung auf das Institut Mediametrie vom TV-Nachrichtensender BFM verbreitete Wert liegt unter der Zuschauerzahl der TV-Debatte vor fünf Jahren. 2007 hatten 20,4 Millionen Zuschauer verfolgt, wie die damaligen Kandidaten Sarkozy und seine sozialistische Herausforderin Segolene Royal - deren Lebensgefährte Hollande damals war - verbal die Klingen kreuzten. (apa/red)
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