Paris. (rm/dpa) Für Mitternacht war die Ankunft des Wahlsiegers François Hollande auf der Place de la Bastille geplant, wo 1789 die Französische Revolution ihren Anfang genommen hatte. Die Zehntausenden, die schon in den frühen Abendstunden auf den historischen Platz gekommen waren, mussten dann bis knapp vor ein Uhr Früh warten, bis sich der von einem Pulk von Journalisten und Fotografen begleitete Wagen Hollandes, der den Wahlabend in seiner Heimatstadt Tulle verbracht hatte, den Weg durch die Massen bahnte.
Über dem Jubel und der Hoffnung auf einen politischen Neubeginn lag ein Hauch von Nostalgie. Holland erinnerte in seiner Rede auch an den 10. Mai 1981, als Frankreichs Linke den Wahlsieg von François Mitterrand gefeiert hatte, der als erster Sozialist in der Fünften Republik zum Präsidenten gewählt worden war und seit Kriegsende überhaupt erst der zweite Sozialist in diesem Amt war, nach Vincent Auriol, der von 1947 bis 1954 amtiert hatte.
"Ich weiß nicht, ob ihr mich hört. Aber ich höre euch", rief der Wahlsieger mit heiserer Stimme, der man deutlich die Strapazen des eben zu Ende gegangenen Wahlkampfes anmerkte. Er habe den Wunsch nach Veränderung vernommen und werde der Präsident der Jugend und Gerechtigkeit sein. Gleichzeitig forderte Hollande seine Anhänger auf, sich auch für einen Sieg bei den Wahlen zur Nationalversammlung im Juni einzusetzen, denn als Präsident brauche er eine Mehrheit in der ersten Kammer des Parlaments, um seine Vorhaben umsetzen zu können.
Die laute und überschäumende Freude auf dem überfüllten Platz, auf dem das zum Rockstar mutierte frühere Tennisass Yanick Noah den Massen auf der Bühne die Wartezeit verkürzte, kannte keine Grenzen. Zahlreiche Nebenstraßen mussten gesperrt werden, weil der Platz schon eine Stunde vor Mitternacht komplett gefüllt war.
"Sarko, c’est fini" (Sarko, es ist vorbei), schallte es aus der einen Ecke. In einer anderen wandelten ausgelassene Teenager einen bekannten Hit der nun aus dem Élysée ziehenden Präsidentengattin Carla Bruni-Sarkozy um. "Il y a quelqu’un qui m’a dit, que Sarko a perdu" (Jemand hat mir gesagt, dass Sarko verloren hat), intonierten sie spöttisch im Gedränge. Andere skandierten immer wieder ein grölendes "On a gangné, on a gangné" (Wir haben gewonnen). Mit Lippenstift hatten sich viele einen roten Buchstaben H auf die Wange gemalt. H - für Hollande. Andere hatten rote Rosen, das Parteisymbol der französischen Sozialisten, im Haar.
Polit-Veteranen - wie der einstige Kulturminister Jack Lang - konnten ihre Begeisterung kaum in Worte fassen. "Ich spüre unbeschreibliche Glücksgefühle", brachte er nur gerührt heraus. Viele der Feiernden hatten Freudentränen in den Augen.
Tränen und betretene Gesichter gab es auch im Lager des abgewählten Präsidenten Nicolas Sarkozy, dessen Partei am späten Nachmittag, bevor noch die ersten offiziellen Hochrechnungen bekannt waren, die geplante Siegesfeier abgesagt hatte.
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