• vom 18.06.2012, 17:33 Uhr

Frankreich 2012

Update: 02.09.2015, 17:13 Uhr

Marine Le Pen

Die marineblaue Welle




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  • Die Sozialisten erringen die Absolute, doch die zweite Siegerin heißt Le Pen.



Paris. (bh) Eine "rote Welle" hat Frankreich überrollt: Nachdem seit der Präsidentschaftswahl Anfang Mai ein Sozialist im Élysée-Palast sitzt, die Linken die meisten großen Städte, den Senat und die Regionen kontrollieren, übertrugen ihnen die Franzosen bei der Parlamentswahl am Sonntag auch die Mehrheit in der Nationalversammlung. Mit ihren engsten Verbündeten besetzen die Sozialisten künftig 314 der insgesamt 577 Sitze, gegenüber nur noch 229 Sitzen für die bürgerlich-konservative Partei UMP und deren Alliierte. Ein durchschlagender Erfolg für Präsident François Hollande, der über eine absolute Mehrheit verfügt und damit nicht auf grüne und radikal linke Bündnispartner angewiesen ist.

Doch diese rote Welle verfolgt ein Schatten in blauer Farbe - "Marineblau". So nennt die Vorsitzende der Front National, Marine Le Pen, in Anspielung an ihren Vornamen die rechtsnationale Bewegung, die sie in Frankreich so stark gemacht hat wie nie zuvor, auch nicht unter ihrem Vater, Parteigründer Jean-Marie Le Pen. Galt der alte Haudegen, der die Gaskammern verharmloste, vielen als unwählbar, so gibt seine 43-jährige Nachfolgerin der Partei ein moderneres Image. In Le Pens Warnungen vor zu vielen Muslimen und Einwanderern und dem Einsatz für Wirtschaftsprotektionismus und die "kleinen Leute" finden sich immer mehr Wähler wieder. Haben die Sozialisten in den vergangenen fünf Jahren alle Wahlen gewonnen, so hieß die zweite Siegerin stets Le Pen.

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Ein so durchschlagender Erfolg wie bei der Präsidentschaftswahl gelang ihr zwar nicht, als sie mit 17,9 Prozent der Stimmen drittstärkste Kraft wurde. Doch schickt die Front National erstmals seit 24 Jahren wieder zwei Abgeordnete ins Parlament: den Anwalt Gilbert Collard und die 22-jährige Marion Maréchal-Le Pen, Enkelin des Parteigründers. Gewählt wurde zudem der Bürgermeister der Stadt Orange, Jacques Bompard, der zwar nicht der Front National angehört, ihr aber ideologisch nahesteht. Nicolas Sarkozys Strategie, Le Pen abzudrängen, in dem man ihre Themen besetzt, scheint damit endgültig gescheitert - auch in der eigenen Partei werfen dem Ex-Präsidenten viele bereits vor, Le Pen damit erst gestärkt zu haben.




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Dokument erstellt am 2012-06-18 17:38:05
Letzte ńnderung am 2015-09-02 17:13:44



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