• vom 11.03.2017, 11:34 Uhr

Fukushima & Atomenergie

Update: 11.03.2017, 11:44 Uhr

Japan

Katastrophe von Fukushima verstärkt Geschlechterkluft




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Von WZ Online, APA, red

  • Ein Bericht von Greenpeace untersucht die psychosozialen Folgen des Atomunfalls: Frauenarmut steigt.

Demonstration in Tokio am Gedenktag der Katastrophe. - © APAweb/AFP, KITAMURA

Demonstration in Tokio am Gedenktag der Katastrophe. © APAweb/AFP, KITAMURA

Fukushima. Japan hat am Samstag den Opfern der von einem Erdbeben ausgelösten Tsunami- und Atomkatastrophe vor sechs Jahren gedacht. Im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi kam es dadurch zu erheblichen Schäden, die zu einer Kernschmelze führten. Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis die Atomruine zurückgebaut ist. Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen werden ebenfalls noch jahrzehnte zu spüren sein.

 So kam der Greenpeace-Bericht "Unequal Impact" zu dem Schluss, dass Frauen - und Kinder - besonders stark an den Folgen des Atomunfalls im japanischen Atomkraftwerk leiden. Aus wirtschaftlicher Sicht sei eine Feminisierung der Armut feststellbar, hieß es darin. Der Bericht untersucht die psychosozialen Auswirkungen der Atomkatastrophe. Demnach würden Frauen, die unter den wirtschaftlichen Folgen der Nuklearkatastrophe und dem Verlust ihrer Partner leiden, besonders stark von Armut gefährdet sein.Denn einerseits verloren viele danach ihre Stelle, da Teilzeitarbeit massiv zurückging. Ebenso wurden viele der Frauen ohne ihre Ehemänner evakuiert, die ihrerseits beschlossen, in der durch den Atomunfall kontaminierten Region zu bleiben. Zudem erhielten verheiratete Paare die Entschädigungszahlungen gemeinsam als Familie - ausgezahlt an den Haushaltsvorstand, der in der Regel der erwachsene Mann war, hieß es in dem Report.

Rückkehrpolitik

Die Folgen der Katastrophe gingen jedenfalls weit über die rein körperlichen Beeinträchtigungen bei Menschen durch atomare Strahlung hinaus, stellte die NGO fest.

Ebenso werden betroffene Frauen in der stark von Männern dominierten japanischen Gesellschaft ausgegrenzt, da ihr Risiko, an Krebs zu erkranken oder Kinder mit schweren Erbschäden zur Welt zu bringen, erhöht ist. Trotzdem sollen die Betroffenen nach dem Willen der japanischen Regierung nun in die verstrahlten Gebiete zurückkehren. Dadurch würde Tepco, der Betreiber des Atomkraftwerks, hohe Entschädigungen für die Anrainer vermeiden. "Die japanische Regierung verrät die Opfer der Katastrophe und stellt Konzerninteressen über das Wohl der Menschen", sagte Greenpeace-Sprecherin Hanna Simons. "Stattdessen müssen die Betroffenen entschädigt werden. Das muss auch die psychosozialen Folgen der Katastrophe mit einschließen".

Übergriffe auf Frauen 

Laut der Umweltschutzorganisation kam es kurz nach der Katastrophe 2011 durch die unübersichtliche Situation auch vermehrt zu Übergriffen auf Frauen und zu Fällen häuslicher Gewalt, die bis heute juristisch nicht aufgearbeitet worden sind. In den von Männern geführten Evakuierungszentren würden die Bedürfnisse von Frauen nach Privatsphäre massiv missachtet. Sie werden noch immer bei der Verteilung von Aufgaben ungleich behandelt, und auch zur Pflege und Versorgung anderer Betroffener werden ausschließlich Frauen herangezogen, schrieb die NGO und kommt zu dem Schluss: Die Atomkatastrophe hat die Kluft zwischen den Geschlechtern in den betroffenen Gebieten deutlich verstärkt.

Der Widerstand gegen die japanische Regierung und deren Versuch, die Anrainer wieder in die verstrahlten Gebiete zurückzubringen, werde überwiegend von Frauen organisiert. "Vor allem für Familien mit Kindern ist es nicht möglich, ein normales Leben ohne Strahlenrisiko rund um die Unglücksreaktoren zu führen.", sagte Simons.

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Schlagwörter

Japan, Fukushima, #femstorm

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-03-11 11:35:22
Letzte nderung am 2017-03-11 11:44:19



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