• vom 14.03.2011, 17:38 Uhr

Hintergrund

Update: 15.03.2011, 13:49 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Japans Presse als Beruhigungsfaktor


Von WZ Online

  • Viele Ausländer sind verstört, zum Teil ein wenig panisch aus Japan geflohen. Die meisten Japaner aber wirkten (zumindest in den ersten Tagen) gefasst, wenn nicht sogar gelassen. Das liegt auch daran, dass sich die japanischen Medien sehr darum bemühen, keine Panik aufkommen zu lassen.

Live-Berichterstattung über das Erdbeben und den Tsunami vom 11.3. im japanischen Staatsfernsehen NHK.

Live-Berichterstattung über das Erdbeben und den Tsunami vom 11.3. im japanischen Staatsfernsehen NHK.Screenshot Live-Berichterstattung über das Erdbeben und den Tsunami vom 11.3. im japanischen Staatsfernsehen NHK.Screenshot

Statt Schreckensszenarien füllen kleine Heldentaten und Hoffnungsschimmer die Seiten vieler Zeitungen. Es wird beruhigt und beschwichtigt, so gut es nur irgend geht.

Werbung

Ein Farbfoto einer alten Dame, die auf dem Rücken eines Rettungshelfers huckepack reitet, ziert die Zeitung 'Asahi Shinbun' vom Montag. Die beiden lächeln fast vergnügt. Beim Blättern stößt man auch auf das Bild einer Mutter, die ihr neugeborenes Baby in den Armen hält. Und auf den Mann, der auf dem Dach seines Hauses in den Fluten überlebt hat. Bilder von Toten, Panik und Chaos sucht man vergeblich.

Strahlungsgrafik

Das Wirtschaftsblatt 'Nihon Keizai Shinbun' zeigt in seiner aktuellen Ausgabe eine Grafik mit den Strahlenwerten, die am Sonntagmittag am Kernkraftwerk Fukushima Eins gemessen worden sein sollen: Sie liegen demnach unter dem weltweiten Durchschnitt und seien sehr viel geringer als etwa bei einer CT-Aufnahme des Oberkörpers.

In einer anderen Grafik bekommt man Tipps, wie man sich dagegen schützen kann, dass radioaktive Strahlung in den Körper gelangt: feuchtes Handtuch vors Gesicht, Fenster zu, kontaminierte Kleidung entsorgen, duschen. Und es fehlt auch nicht das Foto einer lachenden Frau, die einen geliebten Menschen in die Arme schließt.

Ein Sportblatt überschreibt seine Geschichten mit launigen Sätzen wie: "Stückchen für Stückchen kommen das Lächeln und der Alltag wieder" oder "Ohne die Augen zu schließen, geht's nach vorne".

Das mag für uns wie Hohn klingen, wo doch die Lage stündlich verzweifelter aussieht. Man trifft auch immer wieder Japaner, die ihrer Regierung und der Presse vorwerfen, die tatsächliche Gefahr zu verschleiern. "Was in den Nachrichten gesagt wird, ist völlig falsch", meint etwa der 44 Jahre alte Unternehmer und frühere Journalist Yasumitsu Yamada. Er war in den vergangenen Tagen selbst in der Evakuierungszone um die Kernkraftwerke in Fukushima unterwegs. Dort sei er vielen erschöpften und verängstigten Menschen begegnet. Doch die Regierung wolle nicht, dass solche Aufnahmen verbreitet würden. Auch ihn habe die Polizei davon abhalten wollen zu fotografieren.

Kein Vergleich mit Tschernobyl?

Eine Erklärung dafür findet sich in der englischsprachigen 'Japan Times' Die druckt in ihrer Montagsausgabe auf Seite eins eine Analyse: Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass die Ereignisse in Japan so schlimm seien wie in Tschernobyl. Im Text ermahnt ein Atomkraftexperte die Medien, die Öffentlichkeit nicht in Aufregung zu versetzen mit Berichten, dass die Lage gefährlich sei. Stattdessen seien ruhige und akkurate Berichte nötig, weil viele Leute übermäßig sensibel auf das Wort Radioaktivität reagierten.

Tatsächlich ist es kaum vorstellbar, was passieren würde, wenn in Japan eine großflächige Panik ausbrechen würde. In Tokio allein leben mehr als zwölf Millionen Menschen - die angrenzenden Städte nicht mitgerechnet. Vor diesem Hintergrund mag man die Beschwichtigungen der japanischen Presse auch tapfer nennen.



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-03-14 17:38:00
Letzte Änderung am 2011-03-15 13:49:00


Mit einer Schweigeminute  hat am Montag  Japan der Opfer der Erdbeben-, Tsunami- und Atomkatastrophe vor zwei Jahren gedacht. Um 14.46 Uhr Ortszeit legten die Menschen in den Katastrophengebieten und anderen Orten eine Schweigeminute für die fast 19.000 Todesopfer des Tsunami ein - genau zu dem Zeitpunkt, als am 11. März 2011 ein Erdbeben der Stärke 9,0 Japan heimsuchte. (Im Bild: Schweigeminute im Tokio-Dome vor dem Baseball-Spiel Kuba gegen Niederlande.


Werbung



Beliebte Inhalte



Freundliches Lächeln zwischen Vizemarschall Choe Ryong-hae und Präsident Xi Jinping. - ap
  • Erstmals unter Kim Jong-un besucht ein nordkoreanischer Gesandter Peking
  • weiter

Mehr als 5000 "Siemensianer" arbeiten derzeit noch in der neuen "Siemens-City" in Wien-Floridsdorf. - apa
  • Auch in Österreich wackeln bis zu 1000 Arbeitsplätze
  • weiter

Herbert Stepic am Freitag vor der Presse. - APAweb/GEORG HOCHMUTH
  • Stepic stolperte über seine publik gewordenen privaten Offshore-Geschäfte.
  • weiter

Auf Sexualverhalten bezogene Aidsbekämpfung macht wenig Sinn, so Hunsmann. - Apaweb/Pfarrhofer
  • HIV-Epidemien in Afrika gehen aus schlechtem Gesundheitszustand der Bevölkerungen hervor.
  • weiter

Haben die Wiener Senioren mehr Weitblick als die eigene Partei? - Rösner
  • Die "rote Basis" macht Urlaub - und schimpft über die (grüne) Stadtpolitik.
  • weiter

Schütze Bosko Rasovic trainiert fünfmal pro Woche. S. Jenis
  • Rund 24.000 Wiener haben eine Waffenbesitzkarte.
  • weiter

Eine erste Teststrecke beim Westbahnhof wurde grün angemalt. - APAweb / Georg Hochmuth
  • City-Chefin Stenzel: Grüne geben Steuergelder für Parteiwerbeaktion aus.
  • weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter





Am Vorabend des Life Balls fand sich bereits Prominenz ein: das Burgtheater lud zum Red Ribbon Celebration Concert, bei dem sich zahlreiche Künstler wie die Operndiva Anna Netrebko (im Bild mit Piotr Beczala),

Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971, Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers.

Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. "Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten.

Werbung