Wegen der umstrittenen Inhaftierung der ehemaligen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko und der Bombenanschläge in Dnjeprepetrowsk am Freitag wird seit Ende vergangener Woche offen darüber diskutiert, ob die Ukraine im Juni tatsächlich wie geplant Fußball-EM-Spiele austragen soll. Diverse Pläne machen die Runde. Etwa, das Deutschland die Spiele übernehmen solle. Auch Österreich war ins Spiel gebracht worden.
Nach Ansicht der deutschen Polizeigewerkschaften sei eine kurzfristige Verlegung von EM-Spielen aus der Ukraine nach Deutschland möglich. "Bereits vor mehr als einem Jahr haben sich Vertreter von Uefa, DFB und Bundesinnenministerium an einen Tisch gesetzt, um ein Krisen-Szenario zu entwickeln", sagte der Bundesvorsitzende der deutschen Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, der Zeitung "Bild am Sonntag" (Feiertagsausgabe am Dienstag).
"Fakt ist: Es gibt in der Schublade einen Alternativplan. Danach ist Deutschland in der Lage, kurzfristig die ukrainischen EM-Spiele zu übernehmen. Die Zeit dafür würde auch jetzt noch ausreichen." Solche Pläne seien normal, wenn Großveranstaltungen in politisch instabilen Ländern stattfänden, betonte Witthaut.
Dagegen zitierte die Zeitung einen Sprecher des deutschen Innenministeriums mit den Worten, ein Krisenplan zur Übernahme eines Teils der EM-Spiele sei ihm nicht bekannt.
Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hat eine kurzfristige Verlegung von EM-Spielen nach Deutschland indes erneut kategorisch ausgeschlossen. "Mit dem Gedanken beschäftigen wir uns keine Sekunde", sagte Niersbach der "Bild". "Die Menschen in der Ukraine haben diese Europameisterschaft verdient", fügte Niersbach hinzu.
ÖFB-Präsident Windtner: "Übernahme illusorisch"
Auch Österreich war hinsichtlich der Übernahme der Ukraine-Spiele ins Gespräch gebracht worden. Der Innen- und Sportminister des deutschen Bundeslandes Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht, hatte eine entsprechende Überlegung angestellt. Für den Österreichischen Fußballbund (ÖFB) ist das jedenfalls kein Thema. "Die Gerüchte, dass Österreich für die Ukraine als Gastgeber der Europameisterschaft einspringen könnte, sind absolut illusorisch", erklärte Präsident Leo Windtner in einer Aussendung und untermauerte damit die Position des europäischen Verbandes (UEFA).
"Erstens ist eine mögliche Absage oder Verlegung Thema der UEFA und liegt somit klar außerhalb unseres Kompetenzbereiches, und zweitens wäre eine EM-Endrunde, trotz aller Erfahrung aus der EURO 2008, aus organisatorischer Sicht in dieser Kurzfristigkeit definitiv nicht realisierbar", präzisierte Windtner und nahm die Politik in die Pflicht: "Hier ist in erster Linie die Politik gefordert. Sie muss vorangehen und mögliche Schritte setzen. Der Sport kann maximal moralische Unterstützung leisten, aber alleine sicherlich keine menschenrechtlichen Themen lösen - das ist auch gar nicht seine Aufgabe."
Die Ukraine trägt die Europameisterschaft gemeinsam mit Polen aus. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, ein bekennender Fußballfan, wird wegen der Lage in der Ukraine bis auf weiteres nicht in das Land reisen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat einen Besuch in der Ukraine zur Fußball-EM von der politischen Entwicklung in dem Land abhängig gemacht.
Nachlese:
Bombenexplosionen in Dnjepropetrowsk
Nationalhymnen und Fußballer - das geht eigentlich nicht wirklich zusammen. Da Nationalhymnen traditionell vor jedem Fußball-Länderspiel - also...
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