• vom 23.05.2012, 15:30 Uhr

Fußball-EM 2012

Update: 23.05.2012, 15:57 Uhr
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Zur Euro 2012 erwartet die Ukraine zigtausende Fans - und auf diese wartet ein für sie unbekanntes Land

Botschafter ohne Diplomatenpass


Von Reinhard Krennhuber

  • Zwei Fan-Betreuer über die großen Herausforderungen für EM-Reisende.

Eugen Bantysh (l.) und Igor Gomonai koordinieren die Fan-Anlaufstellen während der EM.

Eugen Bantysh (l.) und Igor Gomonai koordinieren die Fan-Anlaufstellen während der EM.Krennhuber Eugen Bantysh (l.) und Igor Gomonai koordinieren die Fan-Anlaufstellen während der EM.Krennhuber

Igor Gomonai, 32, und Eugen Bantysh, 30, haben dieser Tage viel zu tun. Die beiden Kiewer koordinieren während der Fußball-EM die Fanbotschaften in den Austragungsorten der Ukraine. Die Fanorganisation Football Supporters Europe (FSE) richtet diese Anlaufstellen für die Besucher der Großereignisse im Auftrag der Uefa ein. Die Anforderungen an das Team rund um Gomonai und Bantysh, das auf dem ehrenamtlichen Einsatz von rund 100 Volontären basiert, sind höher als bei vergangenen Turnieren.

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"Wiener Zeitung": Wie wird man Fanbotschafter?

Igor Gomonai: Football Supporters Europe hat 2008 begonnen, in der Ukraine nach Mitarbeitern zu suchen, die die Fanbotschaften koordinieren. Ein Freund von mir hat ein internationales Fanturnier organisiert, so ist der Kontakt entstanden. Hilfreich dabei war, dass ich als Dynamo-Kiew-Fan Erfahrungen mit Fanreisen ins Ausland gehabt habe.

Eugen Bantysh: Ich habe diese Faneinrichtungen erstmals 2006 bei der WM erlebt, als ich mit einer Gruppe ukrainischer Fans nach Deutschland gefahren bin. Bei der EM 2008 war ich dann Ansprechpartner für die russischen Anhänger. In der Ukraine sind die Fanbotschaften aber noch wichtiger als in Österreich und der Schweiz. Denn für Fans aus dem Ausland ist es hier schwerer, an Informationen zu kommen, weil der Staat nicht viele Anlaufstellen bereitstellt.

Die Fanbotschafter machen also den Job, den eigentlich die offiziellen Stellen machen sollten?

Gomonai: Wenn wir alles die Regierung machen lassen würden, würde das keine angenehme Europameisterschaft für die ausländischen Fans werden. Es lastet eine ordentliche Verantwortung auf uns. Aber ich denke, wir können damit besser umgehen als die Behörden.

Wie schaut die Fanarbeit bei der EM konkret aus?

Gomonai: Die Fanbotschaften befinden sich in jedem Austragungsort an zentralen Plätzen und in der Nähe der offiziellen Fanzonen. Es sind nicht nur Infostellen, sondern auch Treffpunkte, an denen man andere Fans kennenlernen kann. Außerdem sind wir mit den mobilen Fanarbeitern vernetzt, die mit den Anhängern aus den jeweiligen Ländern mitreisen.

Bantysh: Wir werden eine Hotline einrichten, unter der uns Fans rund um die Uhr erreichen können. Das geht von Fragen nach dem Weg zum Stadion, über verlorene Dokumente bis hin zu Übernachtungsmöglichkeiten. Außerdem gibt es eine Infowebsite (www.2012fanguide.org,, Anm.) in allen Sprachen der Teilnehmerländer und einen gedruckten Fanguide.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den ukrainischen Behörden?

Gomonai: Das variiert von Stadt zu Stadt. Leider haben noch nicht alle Verantwortlichen die Wichtigkeit dieser Einrichtungen erkannt. Wir kennen unsere Ansprechpartner von Testläufen bei diversen Freundschaftsspielen. Insgesamt laufen die Vorbereitungen aber ein bisschen "ukrainisch". Das heißt, noch sind nicht alle Fragen geklärt, aber am Ende sollte es funktionieren, weil alle Beteiligten an einem reibungsfreien Ablauf interessiert sind.

Wie gut ist die Ukraine auf die Euro generell vorbereitet?

Gomonai: Die Infrastruktur, die direkt mit der EM zu tun hat, passt. Es gibt neue Stadien, neue Flughäfen, neue Hotels. Aber daran, wie diverse Einrichtungen wie Spitäler oder die Polizei funktionieren, hat sich nichts geändert. Hier wird vieles auf die EM-Besucher noch sowjetisch wirken. Die meisten neuen Straßen in den Austragungsorten dürften gerade noch rechtzeitig fertig werden, aber abseits der Hauptverkehrswege schaut es genauso aus wie eh und je. Die Straßen werden im Sommer notdürftig geflickt, nach dem Winter sind sie wieder kaputt. Probleme sehe ich auch bei den Zugverbindungen zwischen den Städten: Die versprochenen neuen Züge sind noch nicht in Betrieb, und auf der englischsprachigen Website der ukrainischen Staatsbahnen kann man online keine Tickets kaufen, weil das System ständig zusammenbricht.

Bantysh: In den Stadtzentren werden die Fans keine Probleme haben, Restaurants und Lokale zu finden, die englische Speisekarten haben. Abseits davon bekommst du Probleme, wenn du kein Kyrillisch lesen kannst. Die Sprachbarrieren sind teilweise enorm: Polizisten und Schaffner können kaum Englisch.

Von der Uefa hat es heftige Kritik an teilweise unverschämten Hotelpreisen gegeben. Was sind die Gründe dafür?

Gomonai: Man kann auch jetzt noch Quartiere zu vernünftigen Preisen finden. Das Problem ist aber, dass diese Angebote nicht im Internet aufscheinen, weil es keine entsprechenden Plattformen gibt. Ich verstehe die Aufregung über die hohen Preise. Hier haben die offiziellen Stellen versagt, weil sie den Hotelbesitzern hätten klarmachen müssen, dass nicht jeder Fan, der zur EM in die Ukraine kommt, 100 Euro für eine Übernachtung ausgeben kann.

Bantysh: Vor einem Jahr haben die Politiker erklärt, es würden 200.000 bis 300.000 EM-Touristen in die Ukraine kommen. Diese zu hochgegriffenen Schätzungen haben falsche Hoffnungen geweckt. Außerdem wird die Signalwirkung nicht erkannt, dass nach der EM mehr Touristen in die Ukraine kommen, wenn es den Fans hier gefällt. Die Hoteliers wollen alles sofort kassieren. Auch das ist eine Seite unserer postsowjetischen Gesellschaft.




Schlagwörter

Euro 2012, Fußball-EM, UEFA, Ukraine

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-23 15:35:07
Letzte Änderung am 2012-05-23 15:57:13


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