• vom 01.06.2012, 18:45 Uhr

Fußball-EM 2012

Update: 02.06.2012, 14:21 Uhr
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Wer bei der Fußball-EM dabei ist und wer zuschauen muss

Der englische Patient



  • Vielen Teams fehlen Schlüsselspieler. England trifft’s am härtesten.

London. (art) Die Nachricht war betont nüchtern gehalten, doch das konnte nicht verhindern, dass sie England in Schockstarre versetzte. "Frank Lampard wurde wegen einer Muskelverletzung aus dem Kader gestrichen", stand da auf der Homepage des englischen Verbandes FA zu lesen. Befürchtet hatte man es ja schon irgendwie, nachdem der Mittelfeldspieler des Champions-League-Siegers Chelsea das Training am Vortag hatte abbrechen müssen. Doch die erschütterte Reaktion ließ nicht lange auf sich warten - "Englands Pläne in Trümmern", titelte die "Sun".

Die Sorgenkinder Englands: Wayne Rooney (l.) ist anfangs gesperrt, Frank Lampard fällt aus.

Die Sorgenkinder Englands: Wayne Rooney (l.) ist anfangs gesperrt, Frank Lampard fällt aus.© dapd Die Sorgenkinder Englands: Wayne Rooney (l.) ist anfangs gesperrt, Frank Lampard fällt aus.© dapd

Schon die Gruppenphase in Pool B gegen Frankreich, die Ukraine und Schweden dürfte kein Spaziergang werden. Denn Lampard wird dem Team nicht nur wegen seiner Routine von 90 Länderspielen und als Spielerpersönlichkeit fehlen, deren das Team von Neo-Trainer Roy Hodgson nicht mehr allzu viele hat, sondern auch spielerisch. Im Mittelfeld sind die Alternativen dürftig, zumal auch Gareth Barry wegen eines Muskelfaserrisses hatte passen müssen, Scott Parker ebenfalls lädiert und also fraglich ist und der für Lampard nachnominierte Jordan Henderson mit seinen 21 Jahren nur wenig Erfahrung mitbringt.

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"Das ist ein harter Schlag für das Team, besonders nach der Absage eines weiteren erfahrenen Spielers wie Gareth Barry", sagte Hodgson, "besonders bitter ist es für Frank. Er war in blendender Form. Es ist brutal, so kurz vor dem Turnier auszuscheiden."

Überhaupt stellt sich England, das auf die Routine von Verteidiger Rio Ferdinand freiwillig verzichtet und dessen Warten auf den ersten großen Titel seit 1966 schon Formen der Verzweiflung angenommen hat, als das im Moment am gebeuteltsten Team der großen Fußballmächte dar. Die Zeiten der großen Namen à la David Beckham sind vorbei, und zu den Verletzungssorgen kommt der Umstand, dass Stürmer Wayne Rooney in den ersten beiden Gruppenspielen wegen einer Sperre zusehen muss, erschwerend hinzu.

Zwar fehlen auch Spanien in den Barcelona-Stars Carles Puyol und David Villa glanzvolle Namen in der Verteidigung und im Angriff aufgrund von Verletzungen, doch der Welt- und Europameister verfügt über ein dichteres Netz an Alternativen. Immerhin ist das Bangen um Cesc Fàbregas beendet, er dürfte indessen rechtzeitig für das erste Gruppenspiel am 10. Juni gegen Italien fit werden.

Noch nicht ganz so sicher ist das bei Deutschlands Bastian Schweinsteiger. Der Mittelfeldspieler von Bayern München plagt sich schon die gesamte Saison mit kleineren und größeren Wehwehchen herum, aktuell zwickt die Wade. Schweinsteiger fehlte Deutschland auch beim 2:0-Testspielsieg gegen Israel am Donnerstag, laut Teamchef Joachim Löw war er aber an diesem Tag zum ersten Mal schmerzfrei und soll am Montag ins Training einsteigen.

Der Ballack-Effekt
Für England und die übrigen Mannschaften, die das Fehlen wichtiger Spieler zu verkraften haben, gibt immerhin der Blick in die Vergangenheit Hoffnung. Vor der WM 2010 war der Schock bei Deutschland groß, als Michael Ballack, der damals - es scheint aus einer anderen Ära des Fußballs zu sein - als Um und Auf gesehen wurde, kurz vor dem Turnier wegen einer schweren Verletzung ausfiel. Doch dann trumpfte die junge Garde auf, erspielte sich den dritten Platz und durch erfrischendes Auftreten, das man davor nicht unbedingt als Kernkompetenz des deutschen Fußballs gesehen hatte, weltweit Sympathien.

Es ist weitgehend jene Mannschaft, die heuer in vielen Tipplisten ganz oben steht. Für Ballack, der seitdem wie in Zeitlupe den Sturz seines eigenen Denkmals miterlebt, mag das kein hinreichender Trost sein. Für Lampard wohl auch nicht. Am 20. Juni wird er 34 Jahre alt, am Tag darauf geht die EM ins Viertelfinale. Für ihn selbst könnte das Finale seiner Teamkarriere schon jetzt gekommen sein.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-01 18:26:09
Letzte Änderung am 2012-06-02 14:21:07


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