• vom 07.06.2012, 18:01 Uhr

Fußball-EM 2012

Update: 03.08.2012, 19:18 Uhr
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Der ukrainische Präsident hat sein Land vor der Fußball-EM ins Abseits geführt

Janukowitschs EM-Fiasko



  • Feierlaune ist wegen Fall Julia Timoschenko getrübt.

Kiew. (leg) An sich müsste man als Politiker Wiktor Janukowitsch ja beneiden: Die gemeinsam mit Polen ausgerichtete Fußball-Europameisterschaft beginnt, und bis zum Finale am 1. Juli in Kiew hat der ukrainische Präsident mehr als genug Zeit und Möglichkeit, sich im internationalen Scheinwerferlicht zu sonnen - nutzt er die Aufmerksamkeit, gibt ihm das wohl genug Rückenwind für die im Herbst anstehenden Parlamentswahlen. An sich.

Für Janukowitsch, hier bei der Gruppen-Auslosung, droht die EM zu einem Eigentor zu werden.

Für Janukowitsch, hier bei der Gruppen-Auslosung, droht die EM zu einem Eigentor zu werden.© EPA Für Janukowitsch, hier bei der Gruppen-Auslosung, droht die EM zu einem Eigentor zu werden.© EPA

Allein: Es sieht ganz und gar nicht danach aus, als würde Janukowitsch den ihm aufgelegten Elfmeter verwerten - es sei denn, wie schon so oft, als Eigentor. Ob der hünenhafte Zwei-Meter-Mann es sich überhaupt politisch leisten kann, auf der großen Bühne aufzutreten, bleibt zweifelhaft: Als im Oktober 2011 das neu renovierte Kiewer Olympiastadion feierlich eröffnet wurde, übertönte ein gellendes Pfeifkonzert Janukowitschs Rede. Und bei der Einweihung des Stadions im nicht gerade Janukowitsch-freundlichen Lemberg reichte bereits ein Video mit ein paar Worten des Präsidenten, um die Zuseher zum Toben zu bringen. Zwar übertrug das ukrainische Fernsehen die Zeremonie um ein paar Minuten zeitversetzt und konnte deshalb die Unmutsäußerungen herausschneiden - doch auf der Internetplattform YouTube wurden bald darauf Videoaufnahmen von der protestierenden Menschenmenge hochgeladen.

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"Leider ist die Vorbereitung zur Europameisterschaft für viele Ukrainer bisher vor allem mit Skandalen verbunden", sagt Kyryl Savin, Büroleiter der deutschen Heinrich-Böll-Stiftung in Kiew, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Der Fall der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko, der damit verbundene Besuchsboykott seitens westlicher Politiker, die Geschichten über die Tötung von Straßenhunden, über horrend gestiegene Hotelpreise oder zuletzt die Meldungen über Rassismus und Xenophobie in ukrainischen Stadien haben die Erwartungen an das Fußballfest deutlich heruntergeschraubt.

Die Negativmeldungen für Janukowitsch reißen nicht ab: Das EU-Parlament wird zu Timoschenkos Berufungsverfahren Beobachter entsenden. Und in Kiew stürmten erst diese Woche Regierungsgegner die Fanzone, um gegen ein neues Sprachengesetz zu protestieren, das Russisch de facto zur zweiten Amtssprache in der mehrsprachigen Ukraine machen würde. Kaum jemand in dem gastfreundlichen Land glaubt noch, dass die Euro für die Ukraine ein Imagegewinn wird, eher hofft man, dass sich der Schaden halbwegs in Grenzen hält.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-06-07 16:48:15
Letzte Änderung am 2012-08-03 19:18:41


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