Donezk. (apa) Die Wege zur Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine können verschlungen sein. Im Fall von Markus Klauser und seinen beiden Begleitern führten sie über Ungarn, Rumänien und Moldawien, über Schotter- und Wiesenwege, über ein Altherren-Match und eine Werkstatt-Odyssee in Chisinau.
In der Hauptstadt Moldawiens begann der Euro-2012-Trip von Klauser und seinen beiden Beifahrern. Die drei passionierten Groundhopper verließen Wien am Mittwochabend und wurden nach einer beschwerlichen 20-Stunden-Autofahrt über 1200 Kilometer gemeinsam mit 40 weiteren Zuschauern Zeugen des Chisinau-Derbys Politehnica gegen Dinamo. Dabei handelte es sich um ein Match der moldawischen "Veterani Liga", einer Meisterschaft, die von Spielern jenseits ihrer besten Fußballerjahre bestritten wird. Fast 230.000 Kilometer hatte Klausers Opel Vectra Kombi, Baujahr 1999, zu diesem Zeitpunkt durchgehalten. Achteinhalb Jahre lang hatte er den 31-Jährigen pannenfrei zu Fußballspielen in ganz Europa gebracht - bis am Freitag auf der Reise in die Ukraine die Dieselpumpe streikte. Sieben Stunden später, nach einer Abschlepp-Aktion und einer aufreibenden Suche nach einer kompetenten Werkstatt, versah die Karosse wieder ihren Dienst.
So konnte Klauser doch noch den persönlichen Fahrplan einhalten, der einen Zwischenstopp am Asowschen Meer beinhaltete, ehe es in die ukrainische EM-Stadt Donezk weiterging. Dort saß er mit seinen Freunden am Montag bei England gegen Frankreich im Stadion, danach folgen die Matches Deutschland gegen Niederlande am Mittwoch in Charkiw, England gegen Schweden am Freitag in Kiew und Dänemark gegen Deutschland am Sonntag in Lwiw. Die Karten ergatterte der Niederösterreicher bereits in der ersten Verlosung, als die Paarungen noch nicht einmal feststanden. "Dass wir dann so großartige Spiele bekommen haben, war Glück."
Lieber Abenteuer als Strand
Ansonsten überließ Klauser nichts dem Zufall. Der Reiseablauf wurde seit einem Jahr genau ausgetüftelt, er sieht unter anderem Besichtigungen von Städten abseits des EM-Trubels oder Badeaufenthalte am Schwarzen Meer vor. "Allein schon die Planung von solchen Reisen hat einen großen Reiz", sagt der 31-Jährige.
Klausers privates Umfeld hat sich an das ungewöhnliche Hobby schon gewöhnt. "Am Anfang war es für manche noch befremdlich, doch irgendwann haben sie es alle normal gefunden. Jetzt richten sich eben die Familienfeierlichkeiten danach." Selbst eine Familie zu gründen, daran ist für den Niederösterreicher nicht zu denken. "Das würde nicht gut gehen, denn mein Privatleben dreht sich fast nur um Fußball. Aber immerhin lässt es sich mit dem Job vereinbaren", erklärt Klauser, der als Logistiker eines Möbelunternehmens arbeitet.
Schon 1998 fuhr er als damals 17-Jähriger alleine zur WM nach Frankreich. Im Jahr 2004 schaffte der Rapid-Fan mit 365 Matchbesuchen sein bisheriges Rekordergebnis. Wer da den Kopf schüttelt, bekommt postwendend seinen Konter: "Fußballspiele sind nur Mittel zum Zweck, rund um ein Match werden auch die Städte besichtigt. Und es ist immer ein gewisser Abenteuer-Faktor dabei. Ein anderer geht in ein Reisebüro, bucht all inclusive für 500 Euro und legt sich zwei Wochen lang in die Sonne. Das habe ich zuletzt bei der Maturareise gemacht."
Nationalhymnen und Fußballer - das geht eigentlich nicht wirklich zusammen. Da Nationalhymnen traditionell vor jedem Fußball-Länderspiel - also... weiter