Danzig/Posen. Die Gedankenspiele waren unvermeidlich. Italien, das Land, in dessen Fußballkultur der unausgesprochene Vorwurf der Spielabsprachen ständig mitschwingt, drohte bei einem 2:2 der Rivalen das Aus. Und dem nicht genug, 2004 war den Italienern in genau einer solchen Situation das Aus wiederfahren. Doch alle Beteiligten wiesen derartige Vorwürfe im Vorfeld auf das Schärfste von sich. Am Ende war alles viel Aufregung um nichts, denn Spanien sicherte sich mit einem 1:0 über Kroatien den Gruppensieg, Italien steigt nach einem 2:0 über Irland mit den Spaniern auf.

Schon in der ersten Halbzeit bewiesen Spanien und Kroatien, einer Spielabsprache völlig unverdächtig zu sein. Hätte beiden Teams allerdings ein 0:0 zum Aufstieg gereicht, wäre die Indizienlage jedoch völlig eindeutig gewesen. Die beiden Mannschaften waren derart auf Ungefährlichkeit bedacht, dass es fast schon verdächtig war.
Die Spanier erfreuten sich am Zirkulieren des Balles, was ihnen bekanntermaßen nicht allzu schwer fällt und die Kroaten gefielen sich in der Zuschauerrolle, solange all das weit genug entfernt von den beiden Strafräumen von statten ging. Einzig zwei Halbchancen von Andrés Iniesta (22.) und David Silva (29.) durchbrachen die Vorsicht. In einem Spiel der Spanier gewöhnlicher Preisklasse wären diese Versuche aber nicht einmal der Rede wert gewesen.
Wohl angesichts der italienischen Führung im Parallelspiel dämmerte den beiden Trainern, dass die Sicherheitsvariante blöd, also mit dem Ausscheiden ausgehen könnte. Die Fesseln löste in der 59. Minute die bis dahin beste Chance des Spiels, ein Flugkopfball von Ivan Rakitic, den Iker Casillas entschärfte.
Beide Trainer drehten an taktischen Feinschrauben am Charakter der Partie änderte sich aber wenig. Spanien spielte, Kroatien schaute zu, wurde aber im Konter gefährlicher. Doch auch in den letzten Minuten, als Trainer Slaven Bilic einen dritten Stürmer brachte, konnte Kroatien keinen Druck mehr aufbauen. Dagegen bekamen die Spanier jene Räume, die sich letztlich auch zu Nutzen wussten. Jesús Navas erzielte in der 87. Minute den Siegtreffer, sein Passgeber Iniesta war aber aus abseitsverdächtiger Position gestartet. Am Ende war das aus kroatischer Sicht aber auch einerlei, das Aus wäre letztendlich auch bei einem 0:0 gekommen.
Italien müht sich zum Sieg
Italien war dagegen nach zwei Unentschieden gegen Spanien und Kroatien im letzten Gruppenspiel zum Siegen verdammt. Die Iren hatten bereits gegen Spanien sämtliche Aufstiegschancen verspielt, wollten sich aber immerhin mit Anstand verabschieden. Entsprechend offensiv begannen beide Mannschaften. Bald flachte die Partie jedoch ab. Italien machte das Spiel, Irland lauerte auf Konter, beide blieben im Abschluss aber zu harmlos und boten insgesamt eine dürftige Kost.
Das änderte sich nach etwas über einer halben Stunde, als Italien den Druck plötzlich massiv erhöhte. In der 35. Minute schließlich schickte Andrea Pirlo Antonio Di Natale in die Tiefe. Der hatte den irischen Keeper Shay Given schon umspielt, der Winkel war dann doch zu spitz. Den Nachschuss von Antonio Cassano rettete Given zur Ecke. Cassano, der für den angeschlagenen Mario Balotelli auflaufen durfte, war es dann auch, der die Pirlo-Ecke per Kopf zum verdienten 1:0 verwandelte.
Cassano und Di Natale waren es auch, die nach der Pause für die italienischen Offensivakzente sorgten. Da die Elf von Trainer Cesare Prandelli es aber verpasste, vorzeitig für die Entscheidung zu sorgen, war weiterhin zittern angesagt. Nach der Auswechslung der beiden Stürmer ging auch nach vorne nichts mehr. Aber auch hinten offenbarte Italien plötzlich massive Schwächen – und plötzlich drückten die Iren massiv auf den Ausgleich. Torwart Buffon rettete in extremis gegen Keith Andrews, der aus 23 Metern Maß nahm (79.). Erst in der 90. Minute erlöste der mittlerweile eingewechselte Balotelli die insgesamt schwachen Italiener mit einem sehenswerten Rückzieher.
Nationalhymnen und Fußballer - das geht eigentlich nicht wirklich zusammen. Da Nationalhymnen traditionell vor jedem Fußball-Länderspiel - also... weiter