• vom 15.05.2017, 17:24 Uhr

Future Challenge

Update: 17.05.2017, 13:34 Uhr

Future Challenge

Fatimas Weg




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Von Nina Flori

  • Das Bischöfliche Gymnasium Graz hat es unter die Top-Ten-Videos der "Future Challenge" der "Wiener Zeitung" geschafft.

Bei der Arbeit.

Bei der Arbeit.© Mag. Dagmar Guschlbauer/Bischöfliches Gymnasium Graz Bei der Arbeit.© Mag. Dagmar Guschlbauer/Bischöfliches Gymnasium Graz

Graz. Durch den Wettbewerb "Future Challenge" wollte die "Wiener Zeitung" herausfinden, wie Österreichs Jugend zum Thema Flüchtlinge steht. Mehr als 70 Schulen aus ganz Österreich haben dazu ein Video gedreht. Der Beitrag des Bischöflichen Gymnasiums Graz ist einer davon, er hat es unter die Top 10 geschafft.

"Fatimas Weg" heißt der Kurzfilm, den die 4b eingereicht hat. Zu Beginn kommt darin die junge Schülerin Fatima neu in die Klasse. Die anderen Jugendlichen sind skeptisch, eine Mitschülerin stellt gar ihr Bein auf den Sessel, auf den sich Fatima setzen will. Doch dann beginnen die Schülerinnen und Schüler Interesse an Fatimas Geschichte zu entwickeln und stellen dem Mädchen Fragen.

Sie sei mit ihrem kleinen Bruder in einem Lkw aus Afghanistan geflüchtet, erzählt Fatima. In dem Lastwagen sei es schrecklich eng gewesen, und sie hätte kaum Luft bekommen. Im Boot, das sie über das Mittelmeer gebracht hat, hätten hohe Wellen ihren kleinen Bruder über Bord geworfen. Sie konnte ihn nicht festhalten und musste zusehen, wie ihn die Wellen verschluckten. Jeden Tag habe sie geweint, sagt Fatima. Ihre Erzählungen werden durch Schattenspiele illustriert, die ihre Heimatstadt in Afghanistan und die Flucht mit dem Lastwagen und dem Boot zeigen.

"Warum musstest du flüchten?", fragt eine Schülerin. Sie hätte in Afghanistan nicht mehr aus dem Haus gehen können, die Lage sei zu gefährlich gewesen, sagt Fatima. Sie wollte aber in die Schule gehen, ihre Eltern hätten sie und ihren Bruder daher zur Flucht ermutigt. Nachdem Fatima ihre Geschichte erzählt hat, haben die Schülerinnen und Schüler sie ins Herz geschlossen. Sie nehmen sie mit zum Fußball spielen, unter dem Jubel der anderen schießt Fatima ein Tor.

"Die Jugendlichen haben für das Video einen Mordsaufwand betrieben und waren alle sehr motiviert", sagt Dagmar Guschlbauer, Deutschlehrerin und Klassenvorstand der 4b, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Sie hätten das Drehbuch selbst geschrieben, selbst gefilmt und die Schattenbilder im Fach Bildnerische Erziehung gebastelt.

Jugendliche informierten
sich über Fluchtgeschichten

Die Figur der Fatima wird von der Schülerin Helena Mikloschka dargestellt, die aus Kroatien stammt und vor zwei Jahren ins Bischöfliche Gymnasium kam. "Alle, die das Video gesehen haben, haben geglaubt, Fatima ist echt, aber nein, die Jugendlichen haben die Figur erfunden", sagt Guschlbauer. "Helena hat niemanden verloren und spricht besser Deutsch als Fatima. Sie hat nur noch einen leichten Akzent."

Schülerinnen und Schüler, die aus Ländern wie Afghanistan geflüchtet sind, gibt es im Bischöflichen Gymnasium in Graz nicht. Das liegt zum einen daran, dass dort nur Christen zur Schule gehen, zum anderen schafft kaum jemand mit nur geringen Deutschkenntnissen den Einstieg in ein Gymnasium.

"Die Jugendlichen haben sich informiert, was auf der Flucht alles passieren kann und dann das Drehbuch geschrieben." Das sei sehr sinnvoll gewesen, sagt Guschlbauer. "Sie haben sich mit der Thematik auseinander gesetzt. Und jetzt haben sie einen viel tieferen Eindruck, wie schrecklich es ist, wenn jemand fliehen muss."

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-15 17:30:06
Letzte ─nderung am 2017-05-17 13:34:20




Aus den 10 beliebtesten Videos der "Future Challenge - Flüchtlinge" hat eine Jury die vier Sieger-Videos ermittelt: http://www.wienerzeitung.at/youtube


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