• vom 07.06.2017, 18:12 Uhr

Future Challenge

Update: 07.06.2017, 19:50 Uhr

Future Challenge

Was Schülerinnen und Schüler von der Politik wissen wollen




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Von Alexander Maurer

  • Die Fragen der Projektteams an die Politik wurden bei der Preisverleihung der "Future Challenge" am Podium diskutiert.



Heidi Schrodt und Sabine Fischer: Selbst die Expertinnen wussten nicht auf alles eine Antwort.

Heidi Schrodt und Sabine Fischer: Selbst die Expertinnen wussten nicht auf alles eine Antwort. Heidi Schrodt und Sabine Fischer: Selbst die Expertinnen wussten nicht auf alles eine Antwort.

Wien. "Als ich jung war, hat man uns gesagt: ,Schaut’s nicht so viel in viereckige Kastl’n. Davon bekommt ihr viereckige Augen und werdet dumm‘. Heute machen Schüler unter der Anleitung ihrer Lehrer Inhalte für viereckige Kastl’n." Mit diesem ironischen Statement eröffnete Walter Hämmerle, stellvertretender Chefredakteur der "Wiener Zeitung", die Diskussionsrunde, die den Abschluss des Finales der "Future Challenge" bildete. Dabei wandte er sich an Heidi Schrodt, die Vorsitzende der Bildungsinitiative "BildungGRENZENLOS". Sie stellt gemeinsam mit Pfarrer Michael Chalupka, dem Chef der Diakonie Österreich sowie der Unternehmensberaterin Sabine Fischer, die 2004 die Business-Plattform "Women Talk Business" gegründet hat, die Diskussionsteilnehmer.

"Projekte sollten weiterhin
Platz in der Schule haben"

Schrodt hat selbst während ihrer Zeit als Rektorin das Fach "Film Studies" unterrichtet und zeigte sich von den Beiträgen begeistert. Nicht zuletzt, weil sich die Schüler in ihren Videos mit politischen Themen und Inhalten auseinandergesetzt haben. "Ich hoffe, dass solche Projekte auch weiterhin Platz in der Schule haben werden", meinte sie.

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Auch die dem österreichischen Bildungssystem kritisch gegenüber stehende Sabine Fischer wünschte sich, dass derartige Projekte nicht nur aufgrund von Einzelinitiativen ins Leben gerufen, sondern ins System integriert werden sollen. Chalupka lobte, dass sich die Schüler aktiv, engagiert und kritisch mit der Thematik auseinandergesetzt und im Zuge dessen auch den Kontakt zu Menschen auf der Flucht gesucht hätten.

Die ebenfalls auf der Bühne befindlichen Schüler haben in ihren Videobeiträgen nach Möglichkeit und Kräften realistische Szenarien auf den Syrienkrieg und das Thema Flucht dargestellt. Im Gepäck hatten sie Fragen, die unter den Nägeln brennen.

Auch wenn sie ihre Fragen der Politik nicht direkt stellen konnten, bekamen sie hier eine Stimme. Den Anfang macht Julian Kienzl vom Abteigymnasium Seckau. Während er den Videobeitrag seiner Gruppe geschnitten hatte, gaben ihm die dargestellten Klischees, die beispielsweise die typischen "Herr und Frau Österreicher" darstellten, zu denken. Können derartige Klischees das Bewusstsein der Menschen wachrütteln, die damit verrissen werden? Ist die Überzeichnung wie ein Spiegelbild, das ihnen vorgehalten wird? Sabine Fischer sah dafür eher schwarz. Chalupka kritisierte zwar den Einsatz von Klischees in der Berichterstattung, glaubt aber, dass die gezeigten Videos durchaus Potenzial haben, Klischees aufzubrechen und auch zu verändern. "Wenn man solche Filme auf Bürgerversammlungen zeigt, könnte schon der ein oder andere Aha-Moment entstehen. Aber der Kontakt mit Menschen kann Klischees noch immer am besten verändern", sagte er .

Danach stellte Kariem El Sooud von der HTBLA Kapfenberg laut die Frage, ob es wirklich allein ein regierungskritisches Graffiti gewesen sei, das den Syrien-Krieg ausgelöst habe. "Wüssten wir die richtige Antwort darauf, würde man uns wahrscheinlich mit höchsten Ehrungen auszeichnen und uns fast Allwissenheit unterstellen", meint dazu Walter Hämmerle.

Eine Antwort weiß keiner, aber Sabine Fischer merkte an, dass im Verlauf der Geschichte immer wieder Konstellationen aufgetreten sind, bei deinen ein einziges Ereignis den Konflikt ausgelöst habe. Sie stellte sich eher die Frage, was die Einzelnen im täglichen Leben tun müssen, um nie in eine derartige Situation zu kommen, die nur eines geringen Konfliktauslösers bedarf. Auch in Österreich. Ob trotz Flüchtlingskrise gewährleistet werden könne, dass keine österreichischen Bedürftigen zu kurz kommen, wollte David Ohmer vom Bischöflichen Gymnasium Graz wissen. "Ich glaube es ist ganz wichtig, diese beiden Dinge nicht gegeneinander auszuspielen", betonte Chalupka. Er sehe oft, dass Menschen, die Flüchtlingen helfen wollen, auch Obdachlose oder Menschen mit Behinderung unterstützen oder spenden. "Eine solidarische Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie an allen Orten hilft, wo Hilfe nötig ist", meinte er. Im Fall der Diakonie würden 600 Mitarbeiter Flüchtlinge betreuen - das mache aber nur fünf Prozent der gesamten Belegschaft aus. "Hilfsorganisationen sind in allen Bereichen aktiv und ich denke, dass auch die freiwilligen Helfer sich das nicht auseinanderdividieren lassen", sagt der Pfarrer.

Zu guter Letzt warf Mateo Mihajlovic vom Sacré Coeur Graz noch die Frage nach einem neutralen Ort für Friedensverhandlungen auf. Könnte beispielsweise Österreich die passende Umgebung dafür sein?

Sabine Fischer verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass Österreich und vor allem Wien in der Vergangenheit "immer wieder ein guter Ort war, um Frieden zu schließen und Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen". Auch Heidi Schrodt stand dieser Möglichkeit durchaus positiv gegenüber. "Ich glaube schon, dass unsere Politiker in einer entsprechenden Situation auch auf eine angemessene Gesprächskultur umschalten können", meint sie dazu.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-07 18:17:12
Letzte nderung am 2017-06-07 19:50:06




Aus den 10 beliebtesten Videos der "Future Challenge - Flüchtlinge" hat eine Jury die vier Sieger-Videos ermittelt: http://www.wienerzeitung.at/youtube


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