• vom 04.01.2018, 15:13 Uhr

Future Challenge

Update: 04.01.2018, 15:28 Uhr

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"Wir neigen zu vorschnellen Urteilen"




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Von Cathren Landsgesell

  • Digitale Medien haben bei Lehrenden oft keinen guten Ruf. Der Grund? Soziale Distinktion, sagt die Medienpädagogin Christine Trültzsch-Wijnen.

ChristineTrültzsch-Wijnen ist Hochschulprofessorin für Medienpädagogik an der PH Salzburg.

ChristineTrültzsch-Wijnen ist Hochschulprofessorin für Medienpädagogik an der PH Salzburg.© Fotostudio August Salzburg ChristineTrültzsch-Wijnen ist Hochschulprofessorin für Medienpädagogik an der PH Salzburg.© Fotostudio August Salzburg

"Wiener Zeitung": Sie sagen, dass soziale Unterschiede, insbesondere das Bedürfnis, sich sozial abzugrenzen, mitbestimmt, wie wir über digitale Medien an den Schulen sprechen. Inwiefern ist das so?

Christine Trültzsch-Wijnen: Dieses Bestreben, sich sozial abzugrenzen, findet man vor allem im Diskurs zur sogenannten Medienkompetenz. Die sozialen Schichten, die diesen Diskurs prägen - eben die Lehrenden, die Wissenschafter und auch die Behörden und die Politik - haben verinnerlicht, dass etwa Bücher und Zeitung zu lesen wertvoller ist als fernzusehen. Entsprechend betrachten sie auch eine informations- und arbeitsorientierte Internetnutzung als höherwertig im Vergleich zur Unterhaltung.

Aber in einem Lernkontext ist sie das ja auch, oder?

Nun ja, das Problem ist, dass dies unbemerkt den Blick darauf verstellt, was Medienkompetenz eigentlich ist. Man wertet ja unbewusst bestimmte Formen der Mediennutzung ab. Eine Video- oder Bildrecherche wird dann schlechter bewertet als eine textbasierte Recherche zu demselben Thema, obwohl sich darin ja auch ein kompetenter Umgang mit den Medien ausdrückt - zumal bei Kindern, die vielleicht eine Lese- und Schreibschwäche haben. Wir neigen zu vorschnellen Urteilen, auch in der Forschung.

Kritiker digitaler Medien wie etwa der Psychiater Manfred Spitzer sagen, dass diese Medien uns ohnedies verdummen. Drückt sich darin auch eine Angst der bildungsnahen Schichten aus, dass ihre Bildung entwertet wird?

Medienkritik ist meist kulturpessimistisch. Soziale Probleme wie etwa Arbeitslosigkeit oder Lernschwierigkeiten werden dabei auf die Medien projiziert. Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Art der Kritik oft selbst soziale Gründe hat: Untersuchungen unter angehenden Pädagogen, u.a. von Biermann, Kommer oder Mutsch, haben gezeigt, dass diese Gruppe einen antiquierten Habitus in Bezug auf digitale Medien hat. Zwar nutzen sie genauso wie alle anderen Menschen auch Facebook, Twitter oder WhatsApp, aber sie haben entsprechend ihres Berufsethos verinnerlicht, dass dies keine "seriösen" Medien sind. Diese Medienkritik ist also auch kein Generationenproblem, sondern ein soziales.





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Dokument erstellt am 2018-01-04 15:17:06
Letzte ─nderung am 2018-01-04 15:28:46



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