• vom 24.07.2015, 18:29 Uhr

Glücksspiel

Update: 24.07.2015, 18:45 Uhr

Casino-Lizenzen

Jetzt wird richtig gepokert




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Von Reinhard Göweil

  • Staat könnte auf drei neue Casinos verzichten. Erhält Novomatic Anteile an Casinos Austria? Lotterien mehr wert als Mutter.

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Wien. Das Finanzministerium hatte sich das mit den Casinos Austria so schön überlegt, aber von den Überlegungen ist nicht viel übrig geblieben. Bei der Vergabe von drei Casino-Lizenzen setzte es - wie berichtet - eine herbe Niederlage beim Bundesverwaltungsgericht. Offiziell will das Ministerium dazu nicht Stellung nehmen, aber es ist nun möglich, dass diese drei (zusätzlichen) Casinos überhaupt abgeblasen werden. Dazu wäre laut Experten eine Änderung des Glücksspielgesetzes notwendig, doch dafür hätte man nun eine Begründung: Die beiden Casinos in Wien und das eine in Niederösterreich würden, so ist zu hören, einen Verdrängungswettbewerb auslösen, die Steuerleistung könnte dadurch sinken statt steigen.

Die unterlegenen Casinos Austria, die zwölf Glücksspielstandorte betreiben, würden im Wert steigen. Und das Ministerium würde sich eine Neuausschreibung ersparen, die nicht nur zeitlich aufwendig wäre. "Das wäre eine vernünftige Lösung", ist aus Bankenkreisen zu hören. "Aber der Ball liegt nun bei der Politik."

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Zwei dieser Casinos, eines im Prater und eines in Bruck/Leitha, hätte die Novomatic betreiben sollen. Um den in Gumpoldskirchen beheimateten internationalen Glücksspielkonzern von Johann Graf zu beruhigen, wäre es denkbar, ihn an den Casinos Austria zu beteiligen. Denn seit der Staat bekanntgegeben hat, dass er 33 Prozent von der Nationalbank übernommen hat und weiter zukaufen möchte, ist ein Bieterwettkampf entstanden, der die Sache ganz schön teuer macht. Da auch ein Verkauf der Anteile geprüft wird, könnte der Staat (in Gestalt der Öbib-Holding) mit 25 Prozent drinnen bleiben und die restlichen 8 Prozent verkaufen.

Novomatic braucht Casinos
am Heimatmarkt

Der Novomatic geht es, wie aus dem Umfeld des Konzerns zu hören ist, vor allem darum, Glücksspielaktivitäten im Casino- und Lotterien-Bereich auch im Heimatland vorweisen zu können. Das führt immer wieder bei Partnern aus Übersee zu skeptischen Fragen. Die Kapitalgeber im Glücksspielbereich müssen immer stärker nachweisen, dass sie "fit & proper" sind. Wenn Novomatic mit einem etwa 10-prozentigen Anteil an den Casinos Austria AG beteiligt wäre, hätte das Unternehmen zwar einen Sitz im Aufsichtsrat, aber keinen beherrschenden Einfluss - und damit keine kartellrechtlichen Probleme.

Bei den Lotterien, die zu 67 Prozent im Eigentum der Casinos Austria stehen, ist dies Novomatic - wie berichtet - gelungen. Nach der Übernahme der Anteile von B&C (ehemals Bank Austria), Erste Bank, Bawag und Volksbanken hält Novomatic nun durchgerechnet 18 Prozent. Novomatic will vor allem im Lotto-Geschäft investieren, und hat dafür eine eigene Firmengruppe gegründet. Diese Übernahmen wurden anfangs vom Finanzministerium abgelehnt, das scheint sich nun aber geändert zu haben.

Schelhammer & Schattera verkauft vorerst nicht
Bei den Casinos Austria selbst spießt es sich wegen der komplexen Syndikatsverträge. Größter Anteilseigner mit 38,2 Prozent ist die Medial Beteiligungsgesellschaft, die Raiffeisen, die Städtische und das Bankhaus Schelhammer & Schattera unter sich aufteilen. Raiffeisen würde verkaufen, aber die Städtische und die Privatbank warten ab. Denn Schelhammer & Schattera wurde jüngst von der Grazer-Wechselseitige-Gruppe übernommen. Der frühere Eigentümer, die katholischen Orden Österreichs, wollten die Glücksspielbeteiligung verkaufen, die Grazer hingegen warten jetzt einmal ab und verkaufen nicht.

Ebenfalls beteiligt ist die MTB-Privatstiftung von Maria Theresia Bablik. Die Stiftung sei verkaufswillig, wird kolportiert. Sollte sich der Staat dazu entschließen, sich von Anteilen wieder zu trennen, würde Novomatic wohl ebenfalls zu den Kaufinteressenten zählen. Das Unternehmen werde "nicht gegen den Staat bieten", sagte Generaldirektor Harald Neumann. Das wäre dann hinfällig.

Um die Casinos-Anteile gibt es ein ziemliches Gerangel. Der ehemalige Casinos-Chef Leo Wallner will seine 0,4 Prozent an eine Epic-Investorengruppe verkaufen, die vom Investor Peter Goldscheider angeführt wird.

Leo Wallners Anteile sollen nicht an Epic gehen
Die Chancen dafür stehen aber schlecht, denn Wallner muss seine Anteile erst den bestehenden Aktionären anbieten und braucht danach dafür einen Hauptversammlungsbeschluss. "Die bestehenden Aktionäre werden in der jetzigen Situation keine neuen Miteigentümer akzeptieren, vor allem nicht solche, die mehr Anteile erwerben wollen", sagt ein beteiligter Banker zur "Wiener Zeitung". "Die Wallner-Anteile werden also aufgegriffen werden." Aus dem Rennen ist die Epic-Gruppe damit aber nicht. Allerdings hätte sie dann keinen "Fuß in der Tür", wie es Casino-Experten im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" unisono beschreiben.

Ebenfalls im Rennen ist die Novia-Gruppe aus Malta, die von Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer und Ex-Raiffeisen-Banker Herbert Stepic unterstützt wird. In Wien würde eine Entscheidung, die drei geplanten Casinos nicht zu vergeben, durchaus positiv aufgenommen. Die Casinos Austria etwa wollen ihre Spielstätte im 15. Bezirk errichten, was den Spielerschutz vor Probleme stellt.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2015-07-24 18:32:05
Letzte nderung am 2015-07-24 18:45:16



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