• vom 13.08.2015, 17:00 Uhr

Griechenland-Schuldenstreit

Update: 13.08.2015, 17:41 Uhr

Hilfsprogramm

Überraschende Daten aus Griechenland




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Die Wirtschaft ist im zweiten Quartal gewachsen. Tausende protestieren gegen Reform-Vorhaben der Regierung.

Athen. Trotz zugespitzter Schuldenkrise ist die griechische Wirtschaft im zweiten Quartal kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von April bis Juni um 0,8 Prozent zum Vorquartal, teilte das Statistikamt in Athen mit. Dieses Ergebnis kommt angesichts der drohenden Staatspleite völlig überraschend: Ökonomen hatten mit einem kräftigen Minus gerechnet. Statt des zunächst gemeldeten Rückgangs um 0,2 Prozent blieb die Wirtschaftsleistung stabil.

"Einige Konjunkturindikatoren wie Konsum, Industrieproduktion und Tourismus zeigten sich im zweiten Quartal widerstandsfähig", sagte Ökonom Nikos Magginas von der Nationalbank. Trotzdem rechnen die internationalen Geldgeber mit einem Rezessionsjahr. Das BIP soll demnach 2015 zwischen 2,1 und 2,3 Prozent schrumpfen. Ein Grund dafür sind die seit Ende Juni geltenden Kapitalkontrollen.

Werbung

Athen ringt derzeit mit den Geldgebern um neue Hilfen. Im Parlament hatte am Donnerstagabend eine Debatte über das neue Hilfsprogramm begonnen, das ein Volumen von rund 85 Milliarden Euro umfassen soll. Die Abstimmung fand erst nach Redaktionsschluss statt, doch zeichnete sich eine Mehrheit für Premier Alexis Tsipras ab, allerdings mit Hilfe der Stimmen der Opposition.

Innerhalb seiner Syriza-Partei verweigert eine Gruppe von Abgeordneten Tsipras die Gefolgschaft. 13 Abgeordnete haben zur Bildung einer "breiten Bewegung" aufgerufen, die den Kampf gegen die Sparpolitik fortsetzen soll. Das geplante Paket sieht etwa vor, den Staatshaushalt durch Reformen im Pensions- und Gesundheitssystem zu sanieren. Außerdem stehen wieder Privatisierungen an.

Und damit sind viele Bürger nicht einverstanden. Am Donnerstagabend gingen abermals tausende Griechen in Athen auf die Straße, um gegen die geplanten Reformen und Steuererhöhungen zu demonstrieren.

Berlin will Klarheit vom IWF
Bedenken kommen noch aus Deutschland: So heißt es aus dem Finanzministerium, dass Details des Pakets noch nachverhandelt werden müssen. Zudem will Berlin mehr Klarheit über die künftige Rolle des IWF. Der IWF, der einen Schuldenschnitt für Athen fordert, hatte erklärt, er werde erst im Herbst entscheiden, ob er sich an dem dritten Hilfsprogramm beteiligt. Finanzstaatssekretär Jens Spahn forderte vom IWF ein "klares Bekenntnis", dass er weiter mit an Bord bleibt.

Die Finanzminister der Euro-Länder sollen am Freitag über das Hilfsprogramm entscheiden. Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling wird - krankheitsbedingt - durch Sektionschef Harald Waiglein vertreten. Zudem lassen mehrere Eurostaaten ihre Parlamente über das Paket abstimmen, darunter Deutschland. In Österreich muss nur der ESM-Unterausschuss im Nationalrat seine Zustimmung erteilen.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2015-08-13 17:05:04
Letzte nderung am 2015-08-13 17:41:29



Griechenland

Eurogruppe zu Hilfsprogramm einig

Die Finanzminister der Eurozone haben sich am Freitagabend auf das dritte Hilfsprogramm für Griechenland geeinigt. Es hat einen Umfang von 85 Mrd... weiter




Eurozone

Dokumentation: Schlusserklärung des Griechenland-Gipfels

Brüssel/Athen. Als Voraussetzung für Verhandlungen über ein drittes Hilfspaket in Höhe von 82 - 86 Mrd. Euro muss das Parlament in Athen bis Mittwoch... weiter




Schuldenstreit

Worüber die Eurozone streitet

Seit zwei Tagen verhandeln die Finanzminister und die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone darüber, ob sie in Verhandlungen über ein drittes... weiter




Eurozone

Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM)

Eurostütze - © Marcel Schauer - Fotolia Der ESM wurde von den 17 Mitgliedsstaaten der Eurozone per Vertrag vom 2. Februar 2012 gegründet und trat am 27. September 2012 in Kraft... weiter





Werbung



Jahresvorschau 2016

Arabellion, Revolution und Bürgerkrieg im Nahen Osten und die Folgen

Illustration: Peter M. Hoffmann Die Unterzeichnung des Papiers jährt sich am 16. Mai das hundertste Mal. Die Rede ist vom Sykes-Picot-Abkommen, in dem der Brite Mark Sykes und der... weiter




Griechenland

Stur nach Vorschrift

WZ-Montage Wien. "If you can’t change the rules, change the game", lautet ein gängiges Sprichwort, wenn Verhandlungen in eine Sackgasse geraten sind... weiter




Leitartikel

Wer will Deutscher sein?

Göweil Wer europäischen Politikern in diesen Tagen zuhört, zweifelt an ihrem Verstand. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble meinte süffisant... weiter




Leitartikel

Kein Staatsstreich

Göweil Deutschland hat gewonnen, das ist der allgemeine Tenor nach der langen Nacht in Brüssel. Ein paar deutsche Abgeordnete von CDU und CSU bleiben... weiter




Griechenland

Korrupt ist nur der andere

Griechenlands Vergangenheit als Ursprung der westlichen Zivilisation war ein wesentliches Verkaufsargument für die Aufnahme in den Europäischen Wirtschaftsraum. - © reuters/Behrakis "Wiener Zeitung": In Ihrem Buch "The Full Catastrophe" widmen Sie ein Kapitel der berüchtigten "Insel der Blinden": Zakynthos, einer Insel... weiter





Twitter Wall



Werbung


Werbung