• vom 17.06.2011, 10:10 Uhr

Hypo-Skandal

Update: 17.06.2011, 15:55 Uhr
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Die Personen rund um den Hypo-Skandal

Who is Who in Hypoland


Von Stefan Melichar

Ex-Hypo-Chef Tilo Berlin (l.) und der ehemalige Vorstandschef Wolfgang Kulterer

Ex-Hypo-Chef Tilo Berlin (l.) und der ehemalige Vorstandschef Wolfgang KultererAPA Ex-Hypo-Chef Tilo Berlin (l.) und der ehemalige Vorstandschef Wolfgang KultererAPA

Berlin, Tilo:

Tilo Berlin

Tilo Berlin wurde 1958 in Hannover geboren. Der studierte Jurist heiratete 1986 in eine Kärntner Adelsfamilie ein und lebt als Hobby-Biobauer am Ulrichsberg bei Klagenfurt.
1993 wurde Berlin in den Vorstand der Landesgirokasse Stuttgart berufen, später wechselte er in die Chefetage der Landesbank Baden-Württemberg. Aus dieser Zeit soll er Ex-BayernLB-Chef Werner Schmidt kennen – beide spielten später eine wesentliche Rolle beim Kauf der Mehrheit an der Kärntner Hypo durch die Münchner Bank im Jahr 2007.

Im Vorfeld dieses Deals war Berlin mit seiner Vermögensverwaltungsgesellschaft Berlin & Co. bei der Hypo im Rahmen einer Kapitalerhöhung eingestiegen. Er und seine wohlhabenden Investoren sollten nicht einmal ein halbes Jahr später ihre Anteile an die Bayern verkaufen – mit einem kolportierten Gewinn von rund 150 Millionen Euro.

Im Frühjahr 2007 wurde Berlin zudem mit dem Vorstandsvorsitz bei der Hypo belohnt, zwei Jahre später löste ihn Ex-Volksbank-AG-Chef Franz Pinkl ab. Angeblich hatte es nach dem – 2008 erfolgten – Abgang Werner Schmidts bei der BayernLB Unstimmigkeiten mit der Konzernmutter gegeben.


Birnbacher, Dietrich:

Dietrich Birnbacher betreibt eine Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei in Villach. Birnbacher ist sowohl von der Landesspitze als auch von der Hypo wiederholt mit Aufträgen betraut worden, die im Nachhinein für Stirnrunzeln sorgen sollten.

So hat der Steuerberater dem damaligen Landeshauptmann Jörg Haider 2005 geholfen, die finanziell in Schwierigkeiten befindliche Wörtherseebühne als profitabel darzustellen. Aus einem Verlust von 2,1 Millionen Euro wurde – Größtenteils durch die Umbuchung von Bundesförderungen – für 2004 ein Gewinn von 130.000 Euro ausgewiesen.

Auch der damalige Hypo-Langzeit-Chef Wolfgang Kulterer vertraute in einer heiklen Angelegenheit auf Birnbacher. So soll der Wirtschafsprüfer jenes Gutachten erstellt haben, mit dem Kulterer Swap-Verluste im Ausmaß von rund 330 Millionen Euro nicht auf einmal, sondern über zehn Jahre aufgeteilt bilanzieren – und somit verheimlichen – wollte. Kulterer wurde letztlich dafür wegen Bilanzfälschung verurteilt.

Zuletzt ins Rampenlicht getreten ist Birnbacher rund um den Verkauf der Hypo-Mehrheit an die BayernLB. Haider und der Aufsichtsratschef der Kärntner Landesholding, ÖVP-Obmann Josef Martinz, beauftragten ihn privat als Berater und reichten die Rechnung später an die Landesholding weiter – Kostenpunkt 12 Millionen Euro. Nachdem Art der Vergabe und die Leistung Birnbachers politisch massiv hinterfragt worden waren, gewährte der Wirtschaftsprüfer einen "Patriotenrabatt" und verzichtete auf die Hälfte seines Honorars. Haider und Martinz begründeten die Art der Auftragserteilung mit der nötigen Geheimhaltung des Bayern-Deals. Besonders pikant: Birnbacher war auch privat Martinz’ Steuerberater.


Canori, Mario:

Mario Canori Mario Canori wurde am 1964 in Klagenfurt geboren und kann getrost als eine der schillerndsten Persönlichkeiten in der Kärntner Polit- und Wirtschaftsszene betrachtet werden.
Canori gilt als jahrelanger Wegbegleiter des verstorbenen Landeshauptmanns Jörg Haider. Ab 1991 war er für die FPÖ im Klagenfurter Gemeinderat, von 2001 bis 2006 als Vizebürgermeister. Gemeinsam mit Haider wechselte er von der FPÖ zum BZÖ, nach dem Tod des Landeshauptmannes trat er allerdings als FPÖ-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2009 an.

Als Unternehmer machte Canori vor allem mit seinem Einstieg bei der Damenwäsche-Firma Calzedonia Intimissimi von sich reden, die er ab 1997 auch führte. 2008 zog er sich jedoch mehrheitlich aus dem Unternehmen zurück.

Seit 2007 ist Canori Präsident des damals gegründeten Fußballklubs SK Austria Kärnten. Auf Betreiben Haiders war der oberösterreichische FC Pasching – inklusive seiner begehrten Bundesligalizenz – nach Kärnten übersiedelt worden. Das nötige Kleingeld von insgesamt fünf Millionen Euro für den SK Austria Kärnten und auch den Zweitligisten FC Kärnten kam ursprünglich von der Hypo. Wie sich nun herausstellt, dürfte die BayernLB ihrer Tochter später zwei Millionen davon ersetzt haben. Haider soll dieses Sponsoring, für das die Bayern offenbar keine Gegenleistung erhalten haben, unter der Hand gefordert haben, um dem Mehrheitsverkauf der Hypo an die Münchner zuzustimmen. Die Justiz ermittelt wegen Bestechung, es gilt die Unschuldsvermutung.


Ditz, Johannes:

Johannes Ditz Johannes Ditz wurde 1951 in Kirchberg am Wechsel geboren. Der passionierte Marathonläufer wurde nach der Notverstaatlichung der Kärntner Hypo von der Regierung zu deren Aufsichtsratschef bestellt. Er hält eines der beiden Mandate, die der ÖVP zugerechnet werden.

Der promovierte Volkswirt wurde bereits 1987 zum ersten Mal Staatssekretär im Finanzministerium. Von 1989 an war der Generalsekretär des ÖVP-Wirtschaftsbundes als Abgeordneter im Nationalrat, bevor er 1991 erneut als Staatssekretär ins Finanzministerium wechselte. Von 1995 bis 1996 war er Wirtschaftsminister, nach dem Scheitern des sogenannten Schüssel-Ditz-Kurses verabschiedete er sich allerdings aus der Politik.

Ditz wechselte zunächst als Finanzvorstand zur Post & Telekom Austria AG, 1999 wurde er Vorstand der Staatsholding ÖIAG – ein Posten, den er 2001 in den Zeiten der ÖVP-FPÖ-Wenderegierung räumen musste. Ein kurzer Ausflug führte ihn 2006 zum Kovats-Konzern A-Tec. Bereits nach einem Monat räumte Ditz – offenbar wegen massiver Differenzen – den Chefposten dort wieder. Seit 2007 ist Ditz Präsident der beim Wirtschaftsbund angesiedelten Julius-Raab-Stiftung.


Draxler, Helmut:

Helmut Draxler Helmut Draxler wurde 1950 in Linz geboren. Nach der Notverstaatlichung der Kärntner Hypo wurde er von der Bundesregierung in den Aufsichtsrat entsandt. Dort sitzt er zwar auf einem Mandat, das der SPÖ zugerechnet wird, rund um die Ablöse des alten und die Bestellung des neuen Vorstandes soll er sich jedoch resistent gegen Wünsche der Parteispitze gezeigt haben.

Draxler studierte in Wien technische Chemie. Von 1993 bis 2001 war er Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Bundesbahnen. Von 2002 bis 2007 sanierte er als Chef den Feuerfestkonzern RHI. Draxler sitzt in einigen Aufsichtsräten, eine Rückkehr ins operative Geschäft hat er zuletzt ausgeschlossen.


Edelmüller, Wolfgang:

Wolfgang Edelmüller wurde vom neuen Aufsichtsrat zum Risikovorstand und stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Hypo berufen. Der 58-jährige studierte Ökonom verbrachte viele Jahre bei der Bank Austria. Dort hatte er führende Positionen im Kreditgeschäft und Risikomanagement inne.


Ederer, Othmar:

Othmar Ederer Othmar Ederer wurde 1951 geboren. Der studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschafter ist seit 1984 bei der Grazer Wechselseitigen Versicherung (Grawe) tätig, seit 1986 ist er Mitglied des Vorstandes, im Jahr 2000 übernahm er den Posten des Generaldirektors.

Mit dem Wechsel auf den Chefsessel übernahm Ederer auch die Funktion des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden bei der Kärntner Hypo. Damals hielt die Grawe noch 48 Prozent an dem Institut.


Gaber, Bernhard:

Bernhard Gaber Wenn es um die Aufklärung großer Finanzskandale geht, ist Bernhard Gaber nicht weit. Der 1963 in Klagenfurt geborene Wirtschaftskriminalist leitete ab 2006 die Sonderkommission (SOKO) des Bundeskriminalamts zum Bawag-Skandal. Gaber reiste sogar persönlich nach Frankreich, um Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner nach Österreich zu holen. Später richtete er die SOKO Constantia ein, die die Vorwürfe rund um den Immofinanz-Konzern und die Constantia Privatbank klären soll.

Dies müssen nun seine Kollegen zu Ende führen: Seit Dezember 2009 leitet Gaber die damals neu eingesetzte SOKO Hypo. In der Polizeikaserne in Krumpendorf nimmt er nun tausende Akten-Seiten unter die Lupe.


Kranebitter, Gottwald:

Gottwald Kranebitter Mit Gottwald Kranebitter hat der Hypo-Aufsichtsrat durchaus einen Überraschungskandidaten auf den Chefsessel der Bank gesetzt. Der neue Vorstandsvorsitzende hat die letzten 23 Jahre beim Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG verbracht. Zuletzt war der 46-jährige Tiroler dort Partner und Geschäftsführer sowie Leiter der Abteilung für Finanzberatung.

Zwar gilt Kranebitter als Quereinsteiger, was die Führung einer Bank betrifft, Sanierungserfahrung hat der neue Hypo-Chef jedoch allemal. So war er als Sanierer im Rahmen der Libro-Insolvenz tätig. Libro sollte ihm übrigens jahrelang nachhängen: Im Zuge der juristischen Aufarbeitung der Pleite wurden auch Vorerhebungen gegen Kranebitter eingeleitet. Diese sind mittlerweile eingestellt worden, hatten aber 2007 seine Abberufung als Gutachter im Amis-Anlegerprozess zur Folge.

Was die Kärntner Hypo anbelangt, springt Kranebitter nicht ins kalte Wasser: Er war als KPMG-Berater bereits seit Dezember 2009 für die Bank tätig und hat mitgeholfen, die Notverstaatlichung abzuwickeln. Darüber hinaus hat er jenes Sanierungskonzept erstellt, auf dessen Basis die Hypo in den kommenden Jahren EU-konform restrukturiert werden muss.


Kulterer, Wolfgang:

Wolfgang Kulterer Kaum jemand hat derart maßgeblich die Geschicke der Kärntner Hypo bestimmt wie Wolfgang Kulterer. Der langjährige Bank-Chef wurde 1953 geboren und wuchs in Hörzendorf bei St. Veit an der Glan auf. Nach seinem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien und einem kurzen Zwischenstopp bei der Firma Waagner-Biro stieg er 1981 ins Bankgeschäft ein.

Zunächst war Kulterer auf verschiedenen Positionen im Raiffeisen- Sektor tätig, bevor im November 1992 der entscheidende Wechsel erfolgte: Der damalige Kärntner ÖVP-Landeshauptmann Chistof Zernatto holte ihn in den Vorstand der Hypo-Landesbank. Kurz zuvor hatte das Land die Grazer Wechselseitige Versicherung als Miteigentümerin an Bord genommen. Kulterer nutzte die Situation, um die verschlafene Landesbank mit einem rasanten Expansionskurs zu einem Großinstitut mit internationaler Ausrichtung zu formen.

Wie sich nun herausstellt, wurden dabei offenbar massiv Risiken ignoriert. Kulterer selbst sollte aber bereits früher über einen Skandal stolpern: 2004 machte die Hypo bei Spekulationsgeschäften rund 330 Millionen Euro Verlust. Diese wurden jedoch nicht in der Jahresbilanz verbucht, sondern sollten über zehn Jahre verteilt still und heimlich in den Büchern verarbeitet werden.

Nach dem Bekanntwerden der sogenannten Swap-Verluste im Jahr 2006 trat Kulterer zwar als Vorstandsvorsitzender der Hypo zurück, wechselte pikanterweise jedoch an die Spitze des Aufsichtsrates der Bank. Diesen Posten legte er erst nach der Mehrheitsübernahme der Hypo durch die BayernLB im Jahr 2007 zurück. Später wurden Kulterer und sein ehemaliger Vorstandskollegen Günter Striedinger wegen Bilanzfälschung verurteilt. Vorstand Thomas Morgl kam mit einer Diversion davon, da er zur Zeit der Swap-Verluste erst kurz in der Bank gewesen war. Kulterer arbeitet heute als Unternehmensberater in London.


Oblak, Miro:

Miro Oblak ist ein Klagenfurter Geschäftsmann slowenischer Abstammung. Oblak wird gemeinsam mit Ex-Hypo-Vorstand Günter Striedinger und dem kroatischen Ex-General Vladimir Zagorec von der Staatsanwaltschaft als Verdächtiger geführt. Oblak hat gemeinsam mit der Hypo Immobilienprojekte auf dem Balkan entwickelt. Er bestreitet jegliches Fehlverhalten, es gilt die Unschuldsvermutung.


Pinkl, Franz:

Franz Pinkl Franz Pinkl ist ein Urgestein des Österreichischen Volksbanken-Sektors. Er wurde 1956 in Ternitz geboren. Vor seiner Bestellung zum Generaldirektor des Spitzeninstituts Volksbank AG (ÖVAG) im Jahr 2004 war er dreißig Jahre lang bei der Volksbank Niederösterreich Süd tätig, zuletzt als deren Chef.

Im Jahr 2009 musste er den Sektor verlassen. Nach dem Debakel rund um die notverstaatlichte ÖVAG-Tochter Kommunalkredit hatte es heftige Widerstände gegen ihn gegeben. Pinkl selbst war auch Aufsichtsratschef der Kommunalkredit, die sich mit Zockergeschäften auf Zypern ihr Grab geschaufelt hatte.

Umso größer war die Überraschung, als er per Juni 2009 zum neuen Chef der – ebenfalls schwer taumelnden – Kärntner Hypo bestellt wurde. Dabei soll er rund um die Notverstaatlichung der Hypo durchaus gute Figur gemacht haben. Finanzminister Josef Pröll wollte eigentlich auch an ihm festhalten, die SPÖ hatte sich allerdings skeptischer gezeigt. Als dann doch sämtliche Vorstandsposten neu ausgeschrieben wurden, entschied Pinkl, sich nicht erneut zu bewerben. Die Alt-Aktionäre BayernLB, Grazer Wechselseitige Versicherung und Land Kärnten hatten ihm einen Vertrag genehmigt, der ihm bei einem Eigentümerwechsel einen Abgang mit hoher Abfindung garantierte. Per 1. April 2010 wurde Pinkl von Neo-Hypo-Chef Gottwald Kranebitter abgelöst. Der Ex-Chef hat jedoch zugesagt, noch ein halbes Jahr in der Bank zu bleiben. Insgesamt erhielt er für 16 Monate Arbeit kolportierte 2,9 Millionen Euro.


Proksch, Johannes:

Der neue Hypo-Finanzvorstand Johannes Proksch verfügt über breite Erfahrung im internationalen Bankwesen. Der 40-jährige studierte Betriebswirt war zuletzt bei Morgan Stanley in London tätig, zuvor verbrachte er jeweils einige Jahre bei der Citigroup, bei ABN Amro und bei UBS. Schwerpunkte seiner Tätigkeit waren Akquisitionen und Restrukturierungen von Banken.


Schmidt, Werner:

Werner Schmidt Werner Schmidt wurde 1943 in Sindelfingen geboren. Der Banker war 26 Jahre lang im Vorstand der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) tätig, bevor er 2001 zum Vorstandsvorsitzenden der BayernLB bestellt wurde. Bei der LBBW soll er den späteren Hypo-Investor Tilo Berlin kennengelernt haben. Dieser soll 2007 die BayernLB auf die Idee gebracht haben, die Mehrheit an der Kärntner Bank zu übernehmen.

Schmidt steht unter Verdacht, absichtlich um 400 Millionen Euro zu viel für die Hypo bezahlt zu haben – zum Schaden der BayernLB. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Untreue. Schmidt selbst weist alle Vorwürfe zurück, es gilt die Unschuldsvermutung.

Seinen Hut nehmen musste der Vorstandschef allerdings bereits vor dem Hypo-Zusammenbruch: Schmidt trat 2008 wegen Milliardenverlusten im Rahmen der internationalen Finanzkrise zurück.


Scholten, Rudolf:

Rudolf Scholten Rudolf Scholten wurde 1955 in Wien geboren. Der studierte Volkswirtschafter und Jurist pendelte wiederholt zwischen der Oesterreichischen Kontrollbank und der Politik. Für die SPÖ war er von 1991 bis 1997 Unterrichts- beziehungsweise Wissenschaftsminister. 1997 kehrte er endgültig als Vorstand in die Kontrollbank zurück.

Nach der Notverstaatlichung der Kärntner Hypo wurde Scholten von der Regierung als Vize-Aufsichtsratschef in die Kärntner Hypo entsandt. Er besetzt dort – neben Ex-ÖBB-Chef Helmut Draxler – ein Mandat, das der SPÖ zugerechnet wird. Stärker als Draxler hat sich Scholten – rund um die Abberufung des alten und Bestellung des neuen Vorstandes – zugänglich für die Wünsche der Parteispitze gezeigt. So stimmten beide gegen die Millionenablöse von Ex-Hypo-Chef Franz Pinkl. Scholten soll darüber hinaus aber auch gegen die Bonusregelung des neuen Vorstandes unter Gottwald Kranebitter gestimmt haben.


Steinbichler, Alois:

Alois Steinbichler Alois Steinbichler wurde 1953 geboren und hat in seiner Bank-Karriere zahlreiche Stationen hinter sich. Nach Tätigkeiten bei mehreren ausländischen Instituten wechselte er 1987 in die Creditanstalt, 2001 zur italienischen UniCredit und 2006 zur Bawag. Bei der Skandal-Bank bekleidete er die Position des Treasury-Vorstandes. Dort hat sich Steinbichler offenbar für weitere Sanierungsaufgaben empfohlen und wurde 2008 in die – knapp vor der Notverstaatlichung befindliche – Kommunalkredit geholt.

Nach der Übernahme der Kärntner Hypo durch den Staat übernahm Steinbichler dort ein Aufsichtsratsmandat. Der Kommunalkredit-Sanierer legt Wert darauf, parteiunabhängig zu sein, sein Aufsichtsratsposten wird jedoch der ÖVP zugerechnet. Steinbichler soll gebeten worden sein, den Vorstandsvorsitz bei der Hypo zu übernehmen, er habe dies jedoch abgelehnt, heißt es.


Striedinger, Günter:

Günter Striedinger Günter Striedinger wurde 1960 in Obermalta in der Nähe von Spittal geboren. Der studierte Betriebswirt startete 1987 bei der Kärntner Hypo. Er hatte zunächst verschiedene Positionen im Leasing- und Kreditbereich inne und trieb die Expansion der Bank auf dem Balkan voran.

Im Jahr 2000 wechselte er in den Vorstand. Wegen der Affäre um die Swap-Verluste, die Striedinger später eine Verurteilung wegen Bilanzfälschung einbrachte, musste er 2006 den Hut nehmen. Heute ist er Chef seiner eigenen Investment- und Beratungsfirma namens Rubicon.

Im Rahmen des Hypo-Skandals hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Striedinger aufgenommen. Dabei soll es um eine Hubschrauber-Finanzierung auf dem Balkan gehen. Striedinger bestreitet alle Vorwürfe, es gilt die Unschuldsvermutung.


Zagorec, Vladimir:

Vladimir Zagorec Der kroatische Ex-General Vladimir Zagorec ist eine der prominentesten Persönlichkeiten in Zusammenhang mit dem Hypo-Desaster. Zagorec wurde 1963 geboren, sein rasanter Aufstieg begann während des Jugoslawien-Krieges. Zuerst war er nur Chauffeur im Verteidigungsministerium, wenig später wurde er mit dem Kauf von Waffen für die kroatische Armee betraut. Da damals wegen eines UNO-Embargos derartige Deals nicht erlaubt waren, fanden die Millionengeschäfte inoffiziell statt. Als Vize-Verteidigungsminister kam Zagorec nebenbei zu einem großen Vermögen, was wiederholt Fragen aufgeworfen hat. Als Zagorec im Jahr 2000 sein Amt verließ, zog er nach Wien und stieg ins Immobiliengeschäft ein. Dabei arbeitete er mehrfach mit der Kärntner Hypo zusammen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Ex-General wegen Beitrags zu einer Untreuehandlung. Zagorec soll in Kooperation mit dem damaligen Hypo-Vorstand Günter Striedinger Kredite von der Bank erschlichen haben - es gilt die Unschuldsvermutung.

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Dabei sitzt Zagorec ohnehin bereits in Kroatien in Haft. Im Jänner 2010 wurde eine siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs in letzter Instanz bestätigt. 1993 war ihm bei einem Rüstungsgeschäft ein Koffer mit Edelsteinen im Wert von 5 Millionen Dollar als Pfand ausgehändigt worden. Dieser soll seit seinem Polit-Abgang verschwunden sein.

*Alle Fotos: (c) apa.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-06-17 15:19:18
Letzte Änderung am 2011-06-17 15:55:58


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